Wird der Schlachthof die Coronakrise überstehen?

Konzerte, Lesungen, Partys oder Poetry Slams - der Wiesbadener Schlachthof ist in den vergangenen 26 Jahren zu einer Institution in der Wiesbadener Kulturlandschaft geworden. Doch die Coronakrise bringt auch ihn in Not.

Wird der Schlachthof die Coronakrise überstehen?

Seit 1994 steht der Wiesbadener Schlachthof für Konzerte und andere Events. Außerdem positioniert er sich seit jeher klar gegen Diskriminierung, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie. Doch aktuell steckt er in seiner vermutlich größten Krise. Wie auf viele andere Betriebe, Clubs und Kulturstätten auch hat das Coronavirus dramatische Auswirkungen auf das Kulturzentrum.

„Eine Prognose ist aktuell schwierig.“ - Hendrik Seipel-Rotter

„Da wir nicht wissen, wie lange dieser Zustand anhält, ist eine Prognose schwierig“, so Pressesprecher Hendrik Seipel-Rotter über die Zukunft des Schlachthofs. „Aktuell arbeiten wir an Szenarien, die einen stufenweisen Übergang zum ‘Regelbetrieb’ auch wirtschaftlich darstellen.“ Mit Beginn der Corona-Maßnahmen wurde der Schlachthof bereits am 13. März geschlossen. Events mit bis zu 1000 Personen waren da noch erlaubt, die Obergrenze war jedoch nicht vertretbar für das Kulturzentrum. Das heißt: Seitdem macht der Schlachthof quasi keinen Gewinn mehr.

Unsicherheit

Die Ausgaben laufen jedoch weiter: „Ticketing, Booking, Marketing und PR finden weiterhin statt. Aktuell wird das Jahr 2021 geplant und erarbeitet, einige Optionen werden auch schon für 2022 vergeben“, erklärt Seipel-Rotter. Der Schlachthof realisiert etwa 500 Veranstaltungen pro Jahr. Je nach Event werden diese sechs bis 18 Monate vor dem Termin gebucht. „Zudem treten bei uns viele internationale Künstler auf, was die Planung zusätzlich erschwert.“

„Jede Woche bringt neue Erkenntnisse, jede Planung bringt Unschärfen mit sich.“ - Hendrik Seipel-Rotter

Was nach dem 31. August ist, bis zu dem Großveranstaltungen mindestens noch untersagt bleiben, weiß niemand so genau. „Jede Woche bringt neue Erkenntnisse, weswegen jede Planung Unschärfen mit sich bringt“, so Seipel-Rotter. „Was vor 14 Tagen war, ist heute schon obsolet“, fasst er die rasanten Entwicklungen zusammen.

Große Spendenbereitschaft

80 Prozent der Schlachthof-Mitarbeiter befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Wie lange das noch so bleibt, kann niemand absehen. Auch nicht, wie der Schlachthof aus der Coronakrise hervorgehen wird. Was alle Verantwortlichen freut und ihnen Hoffnung macht, ist aber die Hilfsbereitschaft der Schlachthof-Fans. Mit einer Spendenkampagne konnten in 42 Tagen mehr als 155.000 Euro gesammelt werden.

Darüber hinaus haben sich viele Ticket-Inhaber entschlossen, das Geld für ausgefallene Veranstaltungen als Spende zu überlassen und nicht zurückzufordern. Außerdem wurden von Dritten weitere Hilfskampagnen, etwa „Be My Quarantine“ oder „Wir sind die Toten“ gestartet. „Wir sind natürlich begeistert und freuen uns sehr über eine so hohe Spendenbereitschaft und einen tollen Zuspruch“, sagt Seipel-Rotter. Und da sich der Schlachthof auch immer für Andere eingesetzt habe, fließen 10 Prozent aus den Spenden an „Frauen helfen Frauen e.V.“ und die Seebrücke.

„Kultur-Einrichtungen werden die letzten sein, die wieder in den Regelbetrieb zurückkehren können.“ - Hendrik Seipel-Rotter

„Es ist toll zu sehen, wenn das eigene Lebenswerk von so vielen Menschen geschätzt wird“, so Seipel-Rotter. Er und das Schlachthof-Team haben in den vergangenen Wochen viel Solidarität erfahren. Die wird auch gebraucht, denn wann der Schlachthof wieder wie gehabt öffnen kann, steht noch in den Sternen. „Kultur-Einrichtungen werden die letzten sein, die wieder in den Regelbetrieb zurückkehren können. Daher wird die Durststrecke im Kulturbereich besonders lang sein. Wir erwarten noch längere Einschränkungen.“ (ab)

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