Schlachthof-Reaktion zu AfD-Post geht viral

Ein Post auf der Facebookseite des Wiesbadener Schlachthofs sorgte über Nacht für viele Reaktionen. Dabei war es eigentlich die AfD, die eine Diskussion anstoßen wollte.

Schlachthof-Reaktion zu AfD-Post geht viral

„Kulturstätte oder linkes Zentrum?“ Diese Frage stellte die AfD-Fraktion Wiesbaden am Mittwoch in einem Facebookpost. Damit meinte der kulturpolitische Sprecher der Partei, Klaus-Dieter Lork, den Wiesbadener Schlachthof. Er vergleicht ihn sogar mit der „Roten Flora“, dem Autonomen Zentrum auf der Hamburger Schanze:. „Wir müssen aufpassen, dass der Schlachthof nicht zur Roten Flora wird“, schreibt die AfD in dem Post — und diesen bemerkte auch das Team des Kulturzentrums selbst.

Reaktion mit Humor

„Zunächst dachten wir, der Postillon adelt uns durch seine Aufmerksamkeit.“ - Schlachthof Wiesbaden

Nur wenige Stunden später teilte der Schlachthof den Post auf seiner eigenen Seite und schrieb dazu: „Zunächst dachten wir, der Postillon adelt uns durch seine Aufmerksamkeit. Aber nein, es ist die lokale AfD!“ und antwortet mit viel Ironie: „Da sind uns vor Lachen mal kurz die Zecken aus den linksversifften Dreadlocks gefallen.“

Der Schlachthof erntete innerhalb weniger Minuten zahlreiche Likes für seinen Umgang mit dem vorwurfsvollen Post. Mehr als 400 mal wurde der Beitrag über Nacht geteilt, mehr als 300 Schlachthofbesucher hinterließen einen Kommentar und drückten dabei ihre Sympathie für das Programm und das Konzept des Kulturzentrums aus. „Zwischendurch einen großen Dank, Eure unendlich geilen Kommentare haben uns jetzt schon den besten und auch lustigsten Vormittag seit Langem beschert!“, bedankte sich das Schlachthof-Team für die Unterstützung.

Kritik an politischer Entscheidung

Die AfD hingegen hat weitaus weniger Reaktionen mit ihrem Ursprungspost ausgelöst. Dieser sollte eigentlich eine Entscheidung kommentieren, die der Ausschuss für Schule, Kultur und Städtepartnerschaften in seiner letzten Sitzung getroffen hat — und zwar die Verlängerung eines sogenannten Betrauungsaktes zwischen der Stadt und dem Kulturzentrum. Dabei handelt es sich um eine spezielle Finanzspritze, mit dem die Stadt 2016 den Schlachthof unterstützte, als es dort zu einem großen Wasserschaden kam und die Halle saniert werden musste. Im Gegenzug verpflichtete sich der Schlachthof dazu, das Kultur-, Freizeit- und Bildungsangebot der Stadt attraktiver zu machen.

„Die Erfahrung zeigt, dass sich solche Stätten allzu oft zu Sammelpunkten der linksautonomen Szene entwickeln.“ - AfD-Fraktion Wiesbaden

Die AfD wollte nicht, dass der Schlachthof weiter von der Stadt unterstützt wird. Dabei argumentierte die Partei mit Auszügen aus dem Vertragsdokument. Dort heißt es nämlich, dass „Subkultur als wichtiger Bestandteil des Kulturzentrums angesehen“ wird. Die AfD sieht genau diesen Punkt als nicht unterstützenswert und schreibt bei Facebook: „Die Erfahrung zeigt, dass sich solche Stätten allzu oft zu Sammelpunkten der linksautonomen Szene entwickeln, in denen die gewaltbereite Antifa ihren Nachwuchs rekrutiert“, und sagt über den Schlachthof selbst: „Die Betreiber des Schlachthofes scheinen auch kein Problem mit der offenen Unterstützung einer aus meiner Sicht terroristischen und gewalttätigen Organisation wie der Antifa zu haben.“

Erste Reaktionen aus der Politik

Oberbürgermeisterkandidat Ingo von Seemen (Linke) zeigt sich am Tag nach dem Facebookpost empört über die Aussagen der AfD. Er sieht den Schlachthof als „das kultur- und jugendpolitische Aushängeschild Wiesbadens“ und fordert den AfD-Fraktionsvorsitzenden und OB-Kandidaten Eckhard Müller dazu auf, sich ebenfalls zum Thema zu positionieren. „Sieht er den Schlachthof ebenso als Brutstätte von Terror und will er ihn am liebsten schließen?“, fragt von Seemen und fordert, „wenn nicht sollte Müller den Herrn Lork schnellstmöglich aus der AfD-Fraktion ausschließen.“ (lp)

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