Wiesbadener Schulcaterer: Betrieb nicht wegen Hygienemängeln geschlossen

Vor einer Woche hat die Wiesbadener Aufsichtsbehörde einen Betrieb geschlossen, der mehrere Schulen mit Mittagessen belieferte. Der Betreiber wehrt sich nun vehement gegen die Vorwürfe.

Wiesbadener Schulcaterer: Betrieb nicht wegen Hygienemängeln geschlossen

Nachdem ein Wiesbadener Cateringunternehmen, das vor allem Essen an Schulen ausliefert, wegen „nicht unerheblicher hygienischer Mängel“ geschlossen wurde, wehrt sich der Inhaber nun gegen die erhobenen Vorwürfe.

Zwar bedauere er die Schließung, „vor allem, weil sie auf Kosten diverser Schüler*innen erfolgte, die seitdem ohne Essenslieferung ihren Schulalltag bewältigen müssen“, schreibt Tariq Said in einer Stellungnahme. Dennoch weise er sämtliche Vorwürfe zurück. „Die Schließung meines Caterings basiert auf keinen Kontrollergebnissen der Aufsichtsbehörde.“

Die bisherigen Stichproben der Aufsichtsbehörde seien immer unauffällig verlaufen. In den letzten drei Monaten hätten Mitarbeiter der Behörde seinen Betrieb jedoch zwölf Mal besucht und Essensproben entnommen. Während sie bei einer Probe im September minimal erhöhte Listerienwerte im Hackfleisch und Salat gefunden hätten, seien die Werte bei der nächsten Untersuchung „wieder in Ordnung“ gewesen. Dann wiederrum sei der Kühlschrank defekt gewesen und aufgrund dessen Bandnudeln und Reis schlecht geworden. Noch bevor seine Mitarbeiter die Ware vor Betriebsbeginn hätte aussortieren können, sei diese kontrolliert wurden.

Betrieb nicht wegen Hygienemängeln geschlossen

Das Ausschlaggebende sei jedoch: Sein Betrieb sei gar nicht wegen hygienischer Mängel geschlossen worden, sondern wegen unangemessener interner Prozesse. „Ich wurde sowohl schriftlich als auch persönlich dazu aufgefordert, meine Küchen und die Abläufe meiner Arbeitsschritte so anzupassen, dass diese die eines Großcaterers entsprechen“, so Said. „Denn für das Amt war es nicht nachvollziehbar, wie mein Team es schaffte, in zwei Schulküchen für zehn Schulen zu kochen.“

Er solle seinen als Schulküche konzipierten Betrieb umbauen, „andernfalls sollten Großcaterer die Schulen beliefern“, berichtet er weiter. Doch dann hätte es nicht mehr frisch zubereitetes, sondern abgepacktes Essen gegeben. Er stimmte dem trotzdem zu. Dennoch sei sein Betrieb am nächsten Tag ohne Ankündigung geschlossen worden.

„Die Qualität unseres Essens wurde noch nie bemängelt, so Said. „Meine Mitarbeiter*innen und ich haben ebenfalls regelmäßig dasselbe Essen konsumiert.“ Zudem frage er sich, wieso die Aufsichtsbehörde nicht mit ihm gemeinsam nach einer Lösung für die betroffenen Schüler gesucht habe, die während der Umbaumaßnahmen auf eine Alternative hätten zurückgreifen müssen. Eine Schließung ohne Rücksicht auf die Folgen sei „verantwortungslos und rücksichtslos“.

Seine Mitarbeiter musste er nun alle entlassen. Said indes bezeichnet das Vorgehen der Behörden als „Diffamierung“. Es tue ihm leid, auf so eine Art und Weise von Kooperationspartnern, Eltern und Schülern Abschied nehmen zu müssen.

Hintergrund:

Die Aufsichtsbehörde hatte am Dienstag (10. Januar) den Betrieb geschlossen, da die „hygienischen Mängel“ laut dem Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz Wiesbaden „eine nachteilige Beeinflussung der im Betrieb verarbeiteten Lebensmittel bewirkten“ und seit einer Kontrolle im Dezember nicht beseitigt wurden. Auf das Essen zurückzuführende Erkrankungen bei den betroffenen Schulkindern seien nicht festgestellt worden.

Zehn Schulen in Wiesbaden sind von der Schließung betroffen. Welche das sind, erfahrt ihr hier:

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