Warum Pendeln nach Wiesbaden für viele zum Luxus wird

Täglich pendeln über 140.000 Menschen nach oder aus Wiesbaden. Die Gewerkschaft NGG kritisiert die hohen Kosten und fordert ein „Mobilitätsgeld“ für alle Beschäftigten.

Warum Pendeln nach Wiesbaden für viele zum Luxus wird

Täglich pendeln 87.690 Beschäftigte zur Arbeit nach Wiesbaden, während 53.920 Wiesbadener ihren Job außerhalb der Stadt haben. Diese Zahlen aus der aktuellen Pendler-Statistik der Bundesagentur für Arbeit greift nun die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf und fordert eine finanzielle Entlastung für Arbeitnehmer.

Für die NGG Rhein-Main seien längere Arbeitswege ein „Co-Faktor beim Job, der Zeit, oft Nerven und vor allem auch Geld kostet“. Die Gewerkschaft warnt vor der Belastung durch hohe Spritpreise, die Löcher in die Haushaltskassen reißen würden. „Geringverdiener trifft das besonders hart. Erst recht, wenn sie nur den Mindestlohn verdienen“, sagt Hendrik Hallier, Geschäftsführer der NGG Rhein-Main.

Forderung nach Mobilitätsgeld

Die Gewerkschaft spricht sich deshalb für ein „Mobilitätsgeld“ aus. Dabei sollen jedem Pendler 17 Cent pro Kilometer vom Staat ausgezahlt oder bei der monatlichen Lohnsteuer verrechnet werden – unabhängig von der Höhe des Einkommens.

Solange es dieses Mobilitätsgeld nicht gebe, müssten die Betriebe in die Pflicht genommen werden, so Hallier. Er fordert einen „Wegegeld-Zuschuss“ für Job-Pendler. „Das fängt bei den 63 Euro pro Monat fürs Deutschland-Ticket an. Und das geht über ein konkretes Wegegeld bis zum günstigen oder freien ‚Stromtanken‘ an der Ladesäule für E-Autos auf dem Firmengelände“, erklärt Hallier. Die NGG kündigt an, die Kosten für Mobilität künftig stärker bei Tarifverhandlungen zum Thema machen zu wollen.

Kritik an Preisen der Deutschen Bahn

Zudem kritisiert die NGG Rhein-Main „die zum Teil saftigen Preise für Bahn-Tickets“. Besonders im Fernverkehr werde man ohne Rabatte kräftig zur Kasse gebeten. Für Menschen mit unterem oder mittlerem Einkommen grenze das Bahnfahren an „Mobilitätsluxus“.

Hallier rechnet vor: „Wer nur den gesetzlichen Mindestlohn verdient, dem kann es passieren, dass er im Fernverkehr der Deutschen Bahn für eine Stunde Zugfahrt vier Stunden arbeiten muss. Oder sogar mehr. Und dabei geht es um eine Bahnfahrt in der 2. Klasse, versteht sich.“