Die Stadt Wiesbaden und ihre städtischen Gesellschaften haben von 2023 bis 2025 rund 1,31 Millionen Euro für Online-Partnerschaften und Influencer-Marketing bezahlt. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, geht dies aus einer Antwort des Magistrats auf eine Anfrage der Fraktion FWG/Pro Auto hervor. Insbesondere eine Kooperation mit der Facebook-Gruppe „Lust auf Wiesbaden“ (LaW) steht in der Kritik.
Laut dem Bericht habe die Stadtverwaltung in den vergangenen drei Jahren 545.000 Euro für Online- und Mediendienstleistungen aufgewendet. Hinzu kämen Zahlungen des Wirtschafts- und Umweltdezernats in Höhe von 56.590 Euro sowie rund 70.000 Euro von den Bäderbetrieben Mattiaqua. Die Fraktion FWG/Pro Auto störe sich dabei nicht grundsätzlich an den Ausgaben für Social Media, sondern an der Vergabe an die Facebook-Gruppe.
Der Fraktionschef Christian Bachmann kritisiert laut F.A.Z., es sei „absurd, dass einer geschlossenen Gesellschaft eine von Steuergeldern bezahlte Kampagne präsentiert wird“. Bachmann, der nach eigenen Angaben selbst aus der Gruppe ausgeschlossen wurde, bemängele, dass bezahlte Medienpartnerschaften politische Meinungen bewusst ausschlössen. Auch aus den Reihen der Regierungskoalition gebe es demnach Kritik an der Zusammenarbeit.
Bei der Kampagne sei unter anderem Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Grüne) als „unermüdliche Macherin für die Sache“ und als Teil von „ausgesuchten ,Vorzeige-Mindsetter‘“ bezeichnet worden.
Stadt und Gruppen-Admin verteidigen Kooperation
Eine Sprecherin aus Hinningers Dezernat habe auf die Kritik reagiert. „Lust auf Wiesbaden“ sei die größte Plattform und erreiche die meisten Menschen in der Stadt. Das überschwängliche Lob für die Bürgermeisterin sei nicht Teil des Auftrags gewesen. „Wir haben nicht beauftragt, in den höchsten Tönen gelobt zu werden“, wird die Sprecherin zitiert. Es habe sich um die persönliche Meinung des Gruppen-Administrators Andreas Rolle gehandelt. Wie viel Geld für die Kampagne gezahlt wurde, sei nicht mitgeteilt worden. Laut Recherchen der F.A.Z. soll die Summe knapp 40.000 Euro betragen haben.
Rolle selbst habe sich ebenfalls geäußert. Die Kampagne sei eine Antwort auf die gegenwärtige Stimmung und solle die Menschen für ein Miteinander gewinnen. Die Zusammenarbeit mit der Bürgermeisterin liege auf der Hand, da sie wichtige Themen verantworte. Wer sich nicht konstruktiv äußere, müsse die Gruppe verlassen.