Oberbürgermeister Mende: „Wir lassen Sie mit Ihren Sorgen nicht allein“

Der Wiesbadener Oberbürgermeister hat am Donnerstag erneut an die Wiesbadener appelliert, sich an die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronaviurs' zu halten. Auch dankte er allen, die in der Krise ihrer Arbeit nachgehen.

Oberbürgermeister Mende: „Wir lassen Sie mit Ihren Sorgen nicht allein“

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) hat sich am Donnerstag in einer Rede vor der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung zur Corona-Krise in der Stadt geäußert. In der Rede betonte Mende, dass Krise alle Ämter der Stadt vor eine große Herausforderung stelle. Man bereite sich darauf vor, dass die Zahl der Menschen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, ansteigen werde.

Dazu soll die Zahl der Beatmungsplätze in den Wiesbadener Kliniken verdoppelt werden. Für die 3000 Wiesbadener, die sich aktuell wegen einer möglichen Infektion in Quarantäne befinden, habe die Stadt in kürzester Zeit ein Quarantänemanagement auf die Beine gestellt. Zum Schluss dankte Mende allen, die in der Krise weiterhin ihrer Arbeit nachgehen, besonders im Gesundheitswesen und dem Einzelhandel. Zudem appellierte er erneut an die Wiesbadener Bürger, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie weiter einzuhalten.

Hier die Rede des Oberbürgermeisters im Wortlaut:

„Angesichts der Corona-Lage möchte ich Sie, in aller Kürze über die Maßnahmen der Landeshauptstadt Wiesbaden informieren. Aus meiner Sicht ist der Magistrat Ihnen das in dieser beklemmenden und sorgenvollen Lage schuldig. Und ich spreche hier auch ganz ausdrücklich im Namen von Bürgermeister Dr. Franz, dessen Dezernat mit den Zuständigkeiten für Gesundheit, Wirtschaft, Recht und öffentliche Sicherheit eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Aufgaben spielt.

„Die Pandemie ist eine enorme Belastungsprobe.“ - Gert-Uwe Mende

Die Pandemie ist eine enorme Bewährungs- und Belastungsprobe für alle Ebenen vom Bund bis zu den Kommunen und für unsere gesamte Gesellschaft. Alle städtischen Ämter und alle kommunalen Unternehmen stehen großen Herausforderungen gegenüber und verfolgen dabei drei zentrale Ziele: Das Erste ist, den Anstieg der Fallzahlen zu begrenzen. Das Zweite ist, die gesundheitliche Versorgung sicherzustellen. Das Dritte, die kritische Infrastruktur abzusichern, auch für den Fall, dass sich die Situation weiter zuspitzt.

„Wir bereiten uns darauf vor, dass die Lage über einen längeren Zeitraum anhält.“ - Gert-Uwe Mende

Wir bereiten uns darauf vor, dass die Lage über einen längeren Zeitraum anhält und insbesondere die Zahl von intensivmedizinisch zu betreuenden Patientinnen und Patienten zunimmt. Wir haben für die notwendigen Entscheidungen einen Verwaltungsstab eingesetzt, in dem alle Dezernate sich täglich zielorientiert koordinieren.

Innerhalb von nicht einmal zwei Wochen wurde das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren. Am 10. März hieß es noch eher unverbindlich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Inzwischen dürfen Menschen ohne Familienbezug gerade einmal zu zweit an öffentliche Orte. Von 1000 auf 2 in 12 Tagen. Das zeigt die unglaubliche Dynamik und Dramatik der Entwicklung. Diese rechtlichen Regelungen, die sich binnen Tagesfrist geändert haben, umzusetzen und zu kontrollieren, war und ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden.

Parallel mussten medizinische Maßnahmen organisiert werden. Zum einen galt es, überhaupt Tests in Wiesbaden zu ermöglichen. Wir sind froh, dass das auch in kurzer Zeit realisiert werden konnte. Wesentlich aufwendiger sind die Planungen für die Bereitstellung ausreichender Kapazitäten in den Kliniken. Die geplante Verdoppelung der Beatmungsplätze in Wiesbadener Kliniken und Bereitstellung weiterer Plätze für die klinische Versorgung ist eine große logistische, finanzielle und personelle Herausforderung. Herr Dr. Franz und Frau Dr. Butt sowie die Feuerwehr haben hier sehr zielführende Gespräche mit den Kliniken geführt, dafür ein herzlicher Dank.

Zur medizinischen Organisation gehört auch, dass die rund 3000 Menschen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, nicht aus dem Blick geraten. Dafür wurde jetzt innerhalb kürzester Zeit ein Quarantäne-Management realisiert, das regelmäßige telefonische Kontakte zu den isolierten Patienten herstellt. Außerdem gibt es ein Infotelefon, das täglich hunderte Fragen abarbeitet.

„Gesundheitsamt, Stadtpolizei, Feuerwehr und viele andere arbeiten mit Hochdruck.“ -Gert-Uwe Mende

Sie sehen: Gesundheitsamt, Stadtpolizei, Feuerwehr und viele andere arbeiten mit Hochdruck an den großen Herausforderungen. Viele Ämter stellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die zusätzlichen Aufgaben zur Verfügung. So wird zum Beispiel das Quarantäne-Management maßgeblich von den Kolleginnen und Kollegen der Schulsozialarbeit gestemmt.

Bei allem müssen wir im Blick behalten, unsere eigenen Mitarbeiter zu schützen. Den Mitarbeitern, die selbst zu einer der Risikogruppen gehören, versuchen wir im Rahmen des dienstlich und technisch Machbaren Homeoffice zu ermöglichen. Ebenso erleichtern wir den Kolleginnen und Kollegen mit betreuungspflichtigen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen den Alltag im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Im Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern liegt der Schwerpunkt unserer Maßnahmen nicht in der Restriktion, sondern in Hilfe und Aufklärung. Gleichwohl kontrolliert die Stadtpolizei mit großem Personalansatz die Einhaltung der Regeln.

„Wir arbeiten die anstehenden Fragen so effektiv wie möglich ab.“ - Gert-Uwe Mende

Wir arbeiten die anstehenden Fragen so effektiv wie möglich ab und haben dabei weitestgehend darauf verzichtet, Wiesbadener Sonderregeln zu schaffen. Ich bin mir mit Dr. Franz einig, dass uns eine einheitliche Handhabung wichtig ist, weil die Regeln dann leichter zu vermitteln sind. Außerdem agieren wir in dem festen Bewusstsein, alle Handlungen im Hinblick auf Rechtssicherheit und Verhältnismäßigkeit verantworten zu können, denn so weitreichende Eingriffe in Freiheitsrechte können in einem Rechtsstaat nicht mit leichter Hand angeordnet werden.

Über die Lage hinaus beschäftigen wir uns natürlich auch intensiv mit den Folgen der Pandemie. Diese sind für viele Unternehmen, viele Vereine und Organisationen vor allem in finanzieller Hinsicht sehr belastend. Axel Imholz als Stadtkämmerer und Kulturdezernent hat gemeinsam mit Dr. Franz und Stadtrat Kessler bereits die ersten Maßnahmen auf den Weg gebracht, um hier für Hilfe zu sorgen. Die Stundung der Gewerbesteuer oder die Stundung von Mieten für gewerblich genutzte Räume gehören ebenso dazu wie die finanzielle Stabilisierung von Kulturinstitutionen. Sozialdezernent Manjura hat mit seinem Vorschlag, auf die Einziehung der Kita-Beiträge zu verzichten, auch schnell betroffene Familien entlastet.

Es gehört nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, dass die Corona-Lage auch im städtischen Haushalt tiefe Spuren hinterlassen wird, aber das ist heute noch nicht das Thema. Soweit der kurze Überblick. Sie sehen es mir bitte nach, dass ich aus Zeitgründen viele Detailfragen nicht thematisiert habe.

„Ich möchte allen Menschen danken, die jetzt für ihre Mitmenschen da sind.“ - Gert-Uwe Mende

Zum Schluss möchte ich noch zwei Aspekte ansprechen: Zum einen möchte ich allen Menschen innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung – zum Beispiel den Beschäftigten im Gesundheitswesen oder im Einzelhandel - danken, die jetzt für ihre Mitmenschen da sind, die teilweise über sich selbst hinauswachsen und ihren Beitrag dazu leisten, dass unsere Stadt auch in dieser Lage zusammenhält. Zum anderen möchte ich nochmals mit allem Nachdruck an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger appellieren: Halten Sie sich an die Regeln. Niemand kann Ihnen heute verbindlich sagen, wie lange dieser Ausnahmezustand anhält. Aber wir lassen Sie mit Ihren Sorgen nicht allein. Solidarität, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein sind auch in dieser Lage die richtigen Maßstäbe, damit wir das gemeinsam durchstehen.

Mein dringender Appell ist: Unterstützen Sie durch ihr eigenes Verhalten die Maßnahmen zur Eindämmung weiterer Infektionen. Halten Sie soziale Distanz, aber bewahren Sie sich dabei Mitgefühl und Solidarität. Das sind Sie Ihren Mitmenschen und sich selbst schuldig. Bleiben Sie gesund!“ (js)

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