Neue Maßnahmen sollen Sicherheitsgefühl erhöhen

Die Wiesbadener fühlen sich immer unsicherer. Und das, obwohl die Kriminalitätsrate stetig sinkt. Wie passt das zusammen? Und was können Stadt und Polizei tun, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Neue Maßnahmen sollen Sicherheitsgefühl erhöhen

Es ist ein Phänomen, das schon seit vielen Jahren zu beobachten ist: Jedes Jahr präsentiert die Polizei Westhessen die Kriminalstatistik für Wiesbaden. Das jährliche Fazit: Wiesbaden ist eine vergleichsweise sichere Stadt. 2018 war die Kriminalitätsrate gar so niedrig, wie schon seit 35 Jahren nicht mehr. Auf der anderen Seite steht jedoch das Sicherheitsgefühl der Wiesbadener, das ja eigentlich parallel zum Rückgang der Gesamtstraftaten steigen sollte. Doch das Gegenteil ist der Fall: „Die Schere zwischen beiden Parametern scheint immer weiter auseinanderzugehen“, sagt Bürgermeister Oliver Franz.

Diese Beobachtung lässt sich auch mit konkreten Zahlen unterfüttern, die 2017 im Rahmen einer Jugendbefragung gewonnen wurden. So fühlen sich 12 Prozent der jungen Männer selbst tagsüber in Wiesbaden nicht sicher, bei den jungen Frauen sind es 9 Prozent. Abends und nachts sind die Zahlen noch höher, 30 Prozent der jungen Männer und 42 Prozent der jungen Frauen haben kein gutes Gefühl, wenn sie in den Abendstunden in der Stadt unterwegs sind.

Wie kann man dem entgegenwirken?

Zunächst einmal wollen Stadt und Polizei genauer herausfinden, wo und warum sich die Bürger unsicher fühlen. Dazu ist im Herbst dieses Jahres eine neue Befragung von 16- bis 29-jährigen Wiesbadenern geplant. Gefragt wird zum Beispiel, ob die Betroffenen selbst schon einmal in einer unsicheren oder gefährlichen Situation waren, oder diese eher nur vom „hörensagen“ kennen. „Daraus können wir konkrete Maßnahmen zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls ableiten“, sagt Polizeipräsident Stefan Müller.

Dabei interessiert die Verantwortlichen auch, wo genau sich die Wiesbadener unsicher fühlen. In den Vororten, oder nur in der Innenstadt? Und gibt es Furcht- und Angsträume in der Stadt? Um aus den Ergebnissen der Umfrage konkrete Maßnahmen abzuleiten, soll darüber hinaus auch die Arbeitsgemeinschaft „Sicherheitsgefühl im Präventionsrat“ gebildet werden.

Ein Auge auf das Westend werfen

Wie Umfragen gezeigt haben, fühlen sich besonders viele Wiesbadener im Westend unsicher. Um dem entgegenzuwirken, wird dort demnächst die kommunale Sicherheitsinitiative „Kompass“ gestartet. „Kompass“ steht für „KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel“. Die Polizei erarbeitet derzeit gemeinsam mit Bewohnern und dem Ordnungsamt Maßnahmen für den Wiesbadener Stadtteil. Auch ein gemeinsames Lagebild über die Situation vor Ort wurde bereits erstellt. Als nächster Schritt findet am 19. März eine Sicherheitskonferenz mit Akteuren aus dem Westend statt.

Weiterhin will die Polizei die Bevölkerung stärker für die sogenannten Schutzmänner vor Ort sensibilisieren. Diese haben die Aufgabe, Ansprechpartner für die Bürger in den jeweiligen Stadtteilen zu sein. Mit einem Werbeprogramm soll das Profil der Beamten geschärft und ihre Personen bekannter gemacht werden. Sie werden außerdem häufiger als bisher in Problem- und Angsträumen sichtbar unterwegs sein.

Mehr sichtbare Polizei im Stadtbild

Um das Sicherheitsgefühl durch bloße Sichtbarkeit zu verstärken, aber auch jederzeit ansprechbar zu sein und eingreifen zu können, sollen künftig außerdem die Fußstreifen im öffentlichen Raum verstärkt werden. „Hier geht es darum, ansprechbar und nah zu sein und nicht hinter getönten Scheiben in Streifenwagen zu sitzen“, erklärt Müller. Daher sei man auch bewusst verstärkt ohne Fahrzeuge unterwegs.

Zusätzlich wird — damit in der Waffenverbotszone erst gar keine Messer sichergestellt werden müssen — künftig schon in Schulen Präventionsarbeit gegen das Tragen von Messern eingeführt. Unter dem Motto „Messer machen Mörder“ soll deutlich gemacht werden, dass die Folgen eines Messereinsatzes völlig unterschätzt werden und auch Gefahr besteht, dass man dadurch selbst verletzt wird.

(nl)

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