Streit um barrierefreien Weg in Erbenheim

Ein gepflasterter Fußweg vom Kreuzberger Ring zum Rewe-Markt in der Berliner Straße endet an einem Bordstein. Um die letzten Meter gibt es jetzt Streit zwischen zwei Grundstücksverwaltern.

Streit um barrierefreien Weg in Erbenheim

Eigentlich hatte die Wiesbadener Baufirma „KTB“ eine simple Idee: Am Kreuzberger Ring 72 hatte sie vor Kurzem ein neues Bauprojekt fertiggestellt. Neben Arztpraxen und einer Einrichtung zur Tagespflege soll in dem Haus in Erbenheim auch eine Apotheke entstehen. Da der hintere Teil des Grundstücks unmittelbar an den Parkplatz des Rewe-Marktes angrenzt, will KTB einen direkten Fußweg dorthin errichten. Doch die Verwaltung des Nachbargrundstücks ist von der Idee gar nicht begeistert.

Bordstein als Hindernis

Der Fußweg zwischen Kreuzberger Ring und Rewe endet an einem Bordstein. Zwar ist es gut möglich, das kurze Stück zu Fuß zu überqueren, Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen stehen aber vor einer schweren Hürde. „Wir hatten mehrfach versucht, uns mit der Hausverwaltung des Nachbargrundstücks darauf zu einigen, einen barrierefreien Zugang zu errichten“, erklärt Alex Conradi von KTB.

Das habe die Gegenseite aber kategorisch abgelehnt. Dabei hätte der Zugang laut Conradi viele Vorteile: „Schon jetzt nutzen viele Passanten den Weg, um die Strecke zum Rewe-Markt oder der Bushaltestelle in der Berliner Straße zu verkürzen.“ Das käme laut Conradi allen am Kreuzberger Ring zugute, nicht nur dem von KTB verwalteten Projekt. „Wir haben auch schon vom Erbenheimer Ortsbeirat und vom Behindertenbeauftragten der Stadt Zustimmung für unsere Idee erfahren.“

Da sich die Hausverwaltung des Nachbargrundstücks aber weiterhin gegen die Pläne wehrte, beschloss KTB, den Weg einfach selbstständig zu pflastern und eine Hecke zu entfernen. Der Verwalter des Nachbargrundstückes in der Berliner Straße 207-211 ist die Bensheimer Immobilienverwaltungsfirma „Dietz Asset Management GmbH.“ Diese sah in der Aktion, so eine Sprecherin des Unternehmens, eine klare Missachtung der Eigentumsrechte, sodass die Pflasterung wieder entfernt wurde.

Dietz GmbH sieht Fehlverhalten

Aus der Sicht der „Dietz GmbH“ sei der Plan von KTB auch lediglich eine Maßnahme, um ihr eigenes Fehlverhalten auszubessern. „Der Eigentümer des Grundstücks im Kreuzberger Ring 72 hat sich offenbar gegenüber seinen Mietern – einem Ärztehaus und nach seinen Angaben gegenüber dem Ortsbeirat – verpflichtet, Stellplätze vorzuhalten,“ so die „Dietz“-Sprecherin. Diese könne KTB, so die Sprecherin, anscheinend nicht anbieten. „Stattdessen möchte KTB einen direkten Zugang von ihrem Grundstück zum Parkplatz des Objekts in der Berliner Straße bauen, damit ihre Mieter und deren Patienten diese Parkplätze eines fremden Eigentümers zu nutzen“, meint die Sprecherin. Die Parkplätze würden sich dann aber auf einem fremden Grundstück befinden, für die KTB keinerlei Kosten entstehen würden.

Auch den anderen Argumenten von KTB erteilt „Dietz“ eine Absage. Der Rewe-Markt sei schon von der Berliner Straße aus gut barrierefrei zu erreichen. Zudem führe der Weg zwischen den beiden Grundstücken durch die Anlieferungszone von Rewe und des benachbarten Elektrogroßhandels, was laut „Dietz“ eine erhöhte Unfallgefahr darstellen würde, für die sie als Eigentümer haften würden. Auch gebe es gegenüber Rewe die Verpflichtung, eine bestimmte Anzahl von Parkplätzen vorzuhalten. Dies wäre durch das Risiko von Fremdparkern nicht mehr einhaltbar. (js)

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