Corona: So gehen Drogerien mit Schmink-Testern um

Noch immer nutzen einige Drogerie-Kunden Tester von Kosmetikprodukten, bevor sie sich zum Kauf entscheiden. In Zeiten von Corona gehen Drogerien damit auf unterschiedliche Weise um.

Corona: So gehen Drogerien mit Schmink-Testern um

In den Drogeriemarkt gehen, sich einen Lippenstift anschauen und ihn auf dem Handrücken austesten, bevor man ihn kauft — für viele ist das Alltag beim Einkaufen. Auch während der aktuellen Corona-Krise kann man noch immer Kunden beobachten, die die Tester in den Kosmetikabteilungen nutzen — manchmal sogar direkt auf den Lippen oder im restlichen Gesicht. Merkurist-Leserin Christina findet das in diesen Zeiten befremdlich. Sie fragt sich, ob sich das Coronavirus durch die Tester ausbreitet und würde sich wünschen, dass sie aus den Regalen verschwinden:

Die beiden Drogeriemarktketten dm und Rossmann, die mit 18 und elf Filialen häufig in Wiesbaden und Mainz vertreten sind, gehen ganz unterschiedlich mit dem Thema um. So erklärt Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung, dass man die Kunden mithilfe von Aushängen an Regalen darum bitte, zurzeit keine Produkttester zu verwenden.

Das Unternehmen stelle aber trotzdem fest, dass viele weiterhin Artikel ausprobieren möchten. Deshalb habe man entschieden, die Produkttester vorerst in den Regalen zu belassen, so Werner. „So möchten wir vermeiden, dass Produkte, die zum Verkauf stehen, zum Testen verwendet werden.“

„Derzeit stehen die Tester sowie Teststationen in unseren Rossmann-Filialen aus hygienischen Gründen nicht mehr zur Verfügung.“ - Sprecherin von Rossmann

Anders sieht es bei Rossmann aus, wie eine Sprecherin erklärt. Man stehe im engen Austausch mit sicherheitsrelevanten Behörden und Gesundheitsämtern und habe deshalb eine Entscheidung getroffen. „Derzeit stehen die Tester sowie Teststationen in unseren Rossmann-Filialen aus hygienischen Gründen nicht mehr zur Verfügung.“

Virus könnte über Oberflächen übertragbar sein

Aber wie gefährlich sind die Tester in den Drogerien im Hinblick auf die Ausbreitung des neuen Coronavirus überhaupt? Eine genaue Antwort darauf gibt es bislang nicht. Zu der Frage, ob sich Sars-Cov-2 über Kosmetiktester überträgt, gibt es keine genauen Erhebungen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt aber immer wieder aktualisierte Hinweise zum Umgang mit Oberflächen in Zeiten von Corona heraus.

Aktuell geht man davon aus, dass sich Sars-Cov-2 bis zu sechs Tage lang auf bestimmten Oberflächen hält. Deshalb schließt das Institut nicht aus, dass man sich auch über Oberflächen, die kurz zuvor von infizierten Personen benutzt wurden, mit dem Virus anstecken kann. Nachweise gibt es aber keine. Vorbeugen könne man, indem man sich regelmäßig die Hände wasche und sich mit ungewaschenen Händen nicht ins Gesicht fasse.

Verbraucherzentrale rät von Nutzung ab

„Man sollte derzeit einfach darauf verzichten.“ - Daniela Hubloher, Verbraucherzentrale Hessen

Die Verbraucherzentrale Hessen rät trotz fehlender Erhebungen und im Hinblick auf die Ansteckungsgefahr aber davon ab, aktuell Kosmetik-Tester zu nutzen. „Gerade in solchen Zeiten sollte man vorsichtig sein“, sagt die Medizinerin Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale gegenüber Merkurist.

Hubloher stellt sich folgendes Szenario vor: Jemand, der mit dem Virus infiziert ist, testet einen Lippenstift — womöglich sogar direkt auf den Lippen — und stellt ihn zurück. Kurz danach testet jemand anderes denselben Lippenstift ebenfalls auf den Lippen, oder auf dem Handrücken und fasst sich daraufhin in das Gesicht. „Dann ist theoretisch eine Übertragung möglich“, so Hubloher. Denn ein Virus könne sich nicht nur durch Tröpfchen- sondern auch durch eine Schmierinfektion über den Speichel übertragen. „Eigentlich gibt es nicht viel zu diskutieren“, so Hubloher. „Man sollte derzeit einfach darauf verzichten.“ (ab)

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