Gerich: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“

Nachdem Gerüchte laut wurden, Oberbürgermeister Sven Gerich würde Privates mit Geschäftlichem vermischen, ging er in eine „Transparenzoffensive“. Doch auch für die musste er Kritik einstecken. Was er dazu sagt.

Gerich: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“

Zunächst waren es nur Gerüchte um angebliche Urlaube mit dem Vorstandsvorsitzenden der IFM Immobilien AG, Volker de Boer. Der Meldung, die im Februar die Runde machte, stellt sich Oberbürgermeister Sven Gerich entschlossen entgegen, „das ist schlicht falsch“, sagt er in einem Telefonat mit Merkurist. Trotzdem hielten sich Gerüchte über angebliche Urlaube, in denen Privates mit Geschäftlichem vermischt worden sei. „Darum habe ich die Liste vorgelegt“, so Gerich.

Darin dokumentiert: Seine privaten Urlaube mit seinem Mann Helge. Doch aus der angestrebten „Transparenzoffensive“ entwickelte sich erneut „eine Geschichte“, wie Gerich es nennt. Stein des Anstoßes dieser Geschichte sind Übernachtungen Gerichs bei der Familie Kuffler. Aus seiner Liste geht hervor, dass der Oberbürgermeister auf verschiedenen Reisen insgesamt dreimal bei Familie Kuffler in Südfrankreich übernachtet hatte. Hinzu kommen ein Abendessen bei den Kufflers in Aurach während eines Urlaubs 2015 und angenommene Einladungen der Kufflers in den Jahren 2015, 2016 und 2017 zum Wiesneinzug plus Frühstück auf dem Oktoberfest.

Die Vorwürfe

Das Geschmäckle an der Geschichte: Die Kufflers sind in Wiesbaden nicht unbekannt. Das Unternehmen der Familie betreibt unter anderem die Gastronomie des Kurhauses und im neuen Rhein-Main-Congress-Center - deren Eigentümer der Wiesbadener Eigenbetrieb TriWiCon ist. Vermischte der Oberbürgermeister also Privates mit Geschäftlichem?

„Da gibt es keine Verbindung.“ - Sven Gerich

„Da gibt es keine Verbindung“, betont Gerich. Ihn und die Kufflers verbinde eine lange Freundschaft. „Daher habe ich in dieser Situation nicht darüber nachgedacht, dass es falsch sein könnte“, so Gerich. Heute sieht er ein, dass es „vielleicht ein bisschen blöd“ gewesen sei. Vorzuwerfen habe er sich aber nichts.

„Grundsätzlich sollte bereits der Anschein einer Beeinflussung bei Entscheidungen der Stadt Wiesbaden vermieden werden“, erklärt Inge Schupp, die Antikorruptionsbeauftragte der Stadt Wiesbaden. Man solle sich so verhalten, „dass allein der Anschein einer möglichen Vorteilsgewährung und Vorteilsnahme ausgeschlossen wird.“

„Die Gerüchteküche wird sich nicht vermeiden lassen.“ - Inge Schupp, Antikorruptionsbeauftragte

Doch könne man nicht aus einem „freundschaftlichen Zusammentreffen“ eine Vorteilsgewährung ableiten. „In den Zeiten des bevorstehenden Wahlkampfes wird sich die Gerüchteküche trotzdem nicht vermeiden lassen“, so Schupp.

Ein harter Schlag

Gerich hat viel über die Situation nachgedacht. Nicht gedacht habe er jedoch, dass er über private Urlaube Buch führen, sie genau dokumentieren müsste.

„Wir haben sie von unserer Hochzeit ausgeladen.“ - Sven Gerich

Erste Schritte gegen die Gerüchte - neben der Veröffentlichung der Liste - hat er auch schon unternommen. „Unter anderem ist es nun so, dass mein Mann und ich die Kufflers, die schon eingeladen waren und zugesagt hatten, von unserer gemeinsamen Hochzeit wieder ausgeladen haben“, so Gerich. Das sei ein harter Schlag gewesen, die Bilder, die auf der Hochzeit entstanden wären, wolle er aber nicht produzieren. Schon gar nicht ein Jahr vor der Oberbürgermeisterwahl.

Dazu rät auch Inge Schupp: „Herr Gerich ist sicher gut beraten, insbesondere nachdem solche Gerüchte aufgetreten sind, eine allzu große Nähe zu vermeiden.“ Auch wenn sich das bei gesellschaftlichen Anlässen sicher nicht vermeiden lasse oder man aufgrund einer gewachsenen Freundschaft davon keinen Abstand nehmen wolle. „Wenn frühzeitig die nötige Transparenz hergestellt wird, sollten Gerüchte eigentlich keinen Nährboden finden“, so Schupp.

Keine Konflikte?!

„Ich bin da nicht eingebunden.“ - Sven Gerich

Angegeben werden hätten die Übernachtungen und Essen bei den Kufflers nicht. „Private Einladungen, die in keinem Zusammenhang zum Amt stehen, sind nicht bei mir anzugeben“, so die Antikorruptionsbeauftragte. Darüber hinaus betont Gerich, dass er für die Vergabe an die Kufflers ohnehin nicht zuständig sei. „Die geschäftlichen Verbindungen gab es schon vorher und liegen beim Dezernat III von Herrn Bendel. Ich bin da nicht eingebunden.“

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