Das hat es mit der blauen Säule in Taunusstein auf sich

Sie ist groß, sie ist rund und sie macht Bilder - fast könnte man die Säule an der B417 im Bereich der Siedlung Platte mit einem Blitzer verwechseln. Dabei müssen Pkw-Fahrer das blaue Gerät nicht fürchten.

Das hat es mit der blauen Säule in Taunusstein auf sich

Seit kurzem sorgt auf der B 417 in Taunusstein eine blaue Säule für Verwirrung. Direkt am Feldrand auf Höhe der Siedlung Platte, ragt die Säule mehrere Meter in die Höhe und scheint, als würde sie den entgegenkommenden Autofahrern jeden Moment ein rotes Licht gegen die Windschutzscheibe schießen wollen. Merkurist-Leserin Kim fragt sich in einem Snip, was es mit dem vermeintlichen Blitzer, der so anders aussieht als die anderen, auf sich hat.

Anfang Juli hat sich etwas auf deutschen Straßen verändert: Seit wenigen Wochen sind nicht mehr nur ausgewählte Bundesstraßen und alle Autobahnen mautpflichtig, sondern gleich das ganze rund 52.000 Kilometer lange Bundesstraßennetz. Fahrzeuge, die über 7,5 Tonnen schwer sind und im Güterverkehr eingesetzt werden, müssen jetzt also auch auf allen Bundesstraßen für ihre Fahrt zahlen. Durch diese Ausweitung des Mautnetzes, werden laut Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in den nächsten fünf Jahren rund 36 Millionen Euro Mauteinnahmen erwartet. Das Geld solle dann in „moderne und sichere Straßen in ganz Deutschland“ investiert werden, wie er in einer Pressemitteilung schreibt. Um sicherzustellen, dass diese erweiterte Mautpflicht eingehalten wird, werden nach und nach neue Kontrollstationen errichtet.

Unterschiede zu Blitzern

„Man erkennt sie daran, dass sie blau und fast vier Meter hoch sind.“ - Antje Schätzel, Toll Collect GmbH

Hier kommt die blaue Säule zum Einsatz. Sie ist trotz vieler Ähnlichkeiten kein Blitzer, sondern eine Kontrollsäule der Betreibergesellschaft Toll Collect GmbH. „Man erkennt sie daran, dass sie blau und fast vier Meter hoch sind“, sagt Pressesprecherin Antje Schätzel. Rund 600 solcher blauen Kontrollsäulen sollen die Einhaltung der Mautpflicht auf den Bundesstraßen in Zukunft überprüfen. Die ersten - wie die Säule in Taunusstein - sind schon installiert. Dabei hätten sie ähnliche Funktionen wie die Kontrollbrücken auf den Autobahnen, die schon seit Jahren rund 12.800 Kilometer Bundesautobahnen kontrollieren würden. Allerdings sollen sie durch ihre schlanke Optik besser in die „Landschaftsbilder der Bundesstraßen passen“, sagt Schätzel. Geschwindigkeitskontrollen würden die Säulen nicht durchführen, Bilder machen sie aber trotzdem.

So funktioniert's

Die Kontrollsäulen erstellen Übersichts-, ein Seitenansichts- und ein Kennzeichenbild von vorbeifahrenden Fahrzeugen. LKW, Sattelschlepper und andere große Nutzfahrzeuge werden darauf geprüft, ob die Maut bezahlt wurde. Hat der Fahrer eine sogenannte On-Board Unit im Fahrzeug installieren lassen, empfängt die Kontrollsäule Informationen über eingegangene Zahlungen. Der Fahrer des Fahrzeugs kann Fahrdaten, die Schadstoffklasse, die Anzahl der Achsen und das Kennzeichen bereits vor Fahrtantritt eingeben und muss dann nichts weiter tun. Kann die Kontrollsäule die angegebenen Daten und die Einzahlung der Maut vor Ort bestätigen, werden auch diese Bilder noch in der Säule gelöscht.

Ist das nicht der Fall, wird das Kennzeichen an das Toll Collect-Rechenzentrum gesendet, um einzusehen, ob die Maut über eine zugehörige App, die Website oder über die Maut-Terminals an Autobahnen und Raststätten bezahlt wurde. Wurde die Maut nicht bezahlt, muss der Fahrer oder das zuständige Unternehmen mit Nachzahlungen oder Bußgeldern rechnen.

„Das Gerät erkennt, wenn das Fahrzeug zu klein ist.“ - Antje Schätzel

Pkw-Fahrer müssen sich nicht vor den Kontrollsäulen fürchten. Sie werden zwar ebenfalls fotografiert, aber nicht berücksichtigt. „Das Gerät erkennt anhand der Fotos, wenn das Fahrzeug zu klein ist, um das mautpflichtige Gewicht von 7,5 Tonnen überschreiten zu können und verwirft die Bilder sofort“, sagt Antje Schätzel. Zumindest solange, bis auch eine Pkw-Maut in Deutschland eingeführt wird.

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