Falschparker im Westend behindern die Feuerwehr

Gemeinsam mit der Verkehrspolizei hat die Feuerwehr eine Kontrollfahrt im Westend durchgeführt. Dabei erwischten sie viele Falschparker, die im Ernstfall ein großes Hindernis darstellen würden.

Falschparker im Westend behindern die Feuerwehr

„Oh mein Gott, das tut mir so Leid!“ Völlig geschockt steht eine junge Autofahrerin vor ihrem Wagen in der Waterloostraße im Westend. Denn rund um ihren Kleinwagen stehen neben einem Drehleiterfahrzeug der Wiesbadener Feuerwehr drei Einsatzwagen der kommunalen Verkehrspolizei. Glücklicherweise brennt es gerade nicht, denn der Einsatz der Feuerwehr am Mittwochabend hat einen anderen Grund: „Wir führen regelmäßig Kontrollfahrten im Stadtgebiet durch, um zu überprüfen, wo es mögliche Engstellen für die Feuerwehr gibt“, erklärt Winnrich Tischel, Leiter des Straßenverkehrsamtes den Einsatz.

Millimeterarbeit für die Einsatzkräfte

Und genau so seine Engstelle stellt der Kleinwagen der jungen Autofahrerin dar. Denn statt auf einem gekennzeichneten Parkplatz steht ihr Fiat auf der Fahrbahn. Die kleine Lücke in der engen Einbahnstraße ist zwar augenscheinlich groß genug für ein Auto, das Feuerwehrfahrzeug kommt aber nicht so leicht vorbei. Neben den Falschparkern stellen auch hohe Bäume ein Hindernis für die eingeklappte Drehleiter dar.

„Wenn es wirklich um das Retten von Leben geht, kann auf mögliche Blechschäden keinerlei Rücksicht genommen werden.“ - Wolfgang Preißler, Feuerwehr Wiesbaden

Was bei der Übung noch mit viel Rangieren gelöst werden kann, könnte im Notfall fatal sein, wie Wolfgang Preißler von der Feuerwehr erklärt: „Im Brandfall muss neben dem ersten Rettungsweg im Haus auch der zweite Rettungsweg auf der Straße frei sein.“ Falls dieser, etwa durch einen Falschparker, blockiert ist, erfolgt zunächst eine Nachfrage bei der Einsatzleitung, wie akut der gemeldete Notfall genau ist, sagt Preißler. „Wenn es wirklich um das Retten von Leben geht, kann auf mögliche Blechschäden keinerlei Rücksicht genommen werden.“

Damit es gar nicht soweit kommen muss, finden solche Kontrollfahrten von Verkehrspolizei und Feuerwehr regelmäßig statt. „Gerade im Westend, wo es nur wenige Parkplätze gibt, kommt es oft zu Problemen“, erläutert Tischel. Besonders gerne werden Kreuzungen blockiert. Da die Feuerwehrautos aber durch ihren großen Wendebereich beim Abbiegen ausscheren, müssen diese unbedingt frei bleiben.

Die Besitzerin des Fiats hat an diesem Abend Glück im Unglück: Nach einer Halterabfrage finden die Verkehrspolizisten sie in ihrer Wohnung in der Nähe. Sie zeigt sich einsichtig und fährt ihr Auto, mit Knöllchen im Gepäck, sofort weg.

Problembereich inneres Westend

Weniger Glück hat da ein Autobesitzer im inneren Westend. An der Ecke Walram- und Sedanstraße ragt sein Wagen zwar nur ein Stück in die Kreuzung hinein — da aber auf der gegenüberliegenden Straße ein hoher Baum an der Straße steht, ist für das Feuerwehrauto kein Durchkommen. Da der Besitzer nicht vor Ort zu finden ist, bleibt den Einsatzkräften nur der Ruf nach einem Abschleppwagen. „Ob ein Auto abgeschleppt werden muss, wird immer vor Ort entschieden. Wir haben einen gewissen Spielraum, aber in diesem Fall gibt es keine andere Möglichkeit“, erläutert Tischel.

Einige Anwohner zeigen sich über den Schritt der Verkehrspolizisten verwundert, da der Parksünder kurz vor der gezackten Linie geparkt hat, sein Auto also augenscheinlich legal abgestellt ist. Die Linie hat aber keine Gültigkeit, erklärt Tischel: „Maßgeblich ist nicht die Linie, sondern das Verkehrsschild, dass den Anfang der Parkzone markiert.“

Die zu kurze Markierung sei ein Problem, welches das Straßenverkehrsamt nun ändern will. „Auch das ist ein Grund für unsere Kontrollfahrten: Wir schauen nach Stellen, wo die Verkehrslage unklar ist und versuchen dann, eine Nachbesserung zu erreichen.“

„Das Problem sind dabei in der Regel nicht die Anwohner, sondern auswärtige, welche die Bars und Spielotheken besuchen.“ - Winnrich Tischel, Straßenverkehrsamt

Ansonsten gestaltet sich die Kontrollfahrt am Mittwoch eher ruhig — durch die Ferienzeit sind weniger Autos da als sonst. Ungewöhnlich, findet Tischel, denn gerade in den Abendstunden würde im inneren Westend jeder frei Raum zum Parken genutzt: „Das Problem sind dabei in der Regel nicht die Anwohner, sondern auswärtige, welche die Bars und Spielotheken besuchen.“ Dort käme es dann aufgrund fehlenden Verständnisses häufig zu Konflikten. (ab)

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