Nicht bei jeder Quarantäne gibt es auch einen Corona-Test

Wenn ein Wiesbadener positiv auf das Coronavirus getestet wird, müssen enge Kontaktpersonen in Quarantäne. Einen Test bekommen sie dann nicht immer. Das sorgt bei manchen Betroffenen für Unsicherheit.

Nicht bei jeder Quarantäne gibt es auch einen Corona-Test

Weil ein Schulkind einer Wiesbadener Schule positiv auf das Coronavirus getestet wurde, hat die Schulleitung die ganze Klasse nach Hause geschickt. Der Schüler hatte sich bei seinen Eltern angesteckt, diese zuvor wahrscheinlich auf einer Hochzeitsfeier. Doch bis das Testergebnis vorlag, besuchte der Junge weiter den Unterricht im Klassensaal, so berichtet es die Muter eines Mitschüler gegenüber Merkurist. Zwei Wochen lang soll ihr Kind nun ebenfalls zuhause bleiben, in Quarantäne, weil es als Kontaktperson gilt. Lieber wäre es ihr aber, wenn auch ihr Sohn direkt einen Test bekommen hätte.

Test oder Quarantäne?

Auch in anderen Situationen fühlen sich viele Wiesbadener derzeit beunruhigt. Merkurist-Leser erzählen, dass Lebenspartner oder Kollegen, die im gleichen Büro arbeiten, zum Test müssen, andere Kontaktpersonen aber stattdessen nur ins Homeoffice oder in Quarantäne geschickt werden. Aber wie wird entschieden, wer zuhause bleiben muss?

„Testungen beschreiben immer nur den aktuellen Istzustand.“ - Kaschlin Butt, Gesundheitsamt Wiesbaden

„Mit einer Quarantäne wird die Verbreitung einer Infektion gestoppt. Diese wird immer dann notwendig, wenn ein direkter Kontakt zu einer infizierten Person stattgefunden hat und lässt sich auch durch ein negatives Testergebnis nicht aufheben“, erklärt das Gesundheitsamt. Wird eine Person positiv getestet, müssen alle engen Kontaktpersonen, etwa die, die im gleichen Haushalt wohnen oder in der gleichen Schulklasse sind, in Quarantäne. Ein sofortiger Test bei den Kontaktpersonen, so sagen es viele Experten, sei nicht immer hilfreich. „Testungen beschreiben immer nur den aktuellen Istzustand“, erklärt Kaschlin Butt, Leiterin des Wiesbadener Gesundheitsamtes „je nachdem, zu welchem Zeitpunkt dieser nach einer möglichen Infektion durchgeführt wird, kann er gegebenenfalls eine Infektion noch nicht erfasst haben.“ Deshalb befreie ein negatives Testergebnis nicht von einer angeordneten Quarantäne.

Der ideale Testzeitpunkt liege demnach an Tag fünf bis sieben nach der möglichen Ansteckung, doch auch danach können noch Symptome auftreten und das Virus kann sich so vermehren, dass andere Personen angesteckt werden können. Diese Erkenntnis hat auch die Bundesregierung dazu veranlasst, die Verfahren bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten zu ändern (wir berichteten).

Gesundheitsamt ordnet Quarantäne an

Bei möglichen Ansteckungen von Wiesbadener zu Wiesbadener prüft derzeit das Gesundheitsamt alle Kontakte von Infizierten. Wer einen längeren Kontakt zu einem Positiv-Getesteten hatte, sich etwa über längere Zeit im gleichen Raum mit ihm aufhielt, bekomme einen Anruf von den Mitarbeitern des Amtes. Dabei bedeute eine angeordnete Quarantäne für einige Wiesbadener viel Stress.

Denn konkret bedeutet das 14 Tage lang: zu Hause bleiben, Abstand zu anderen halten (mindestens 1,5 Meter), Händewaschen, gut lüften und Geschirr oder Wäsche nicht mit anderen Mitbewohnern oder Familienmitgliedern teilen. Wenn möglich sollte die Person ein eigenes Badezimmer nutzen. Auch Hygieneartikel sollten nicht geteilt werden. Familie, Freunde oder Nachbarn sollten den Betroffenen mit den nötigen Dingen versorgen. Einkäufe oder ähnliches sollten laut Robert-Koch-Institut (RKI) vor der Tür abgestellt werden. Auch das Gassi gehen mit dem Hund oder Müll rausbringen sind in der Zeit der Quarantäne zu unterlassen.

„Wir wissen, dass es für Personen in Quarantäne eine schwierige Situation ist.“ - Kaschlin Butt, Gesundheitsamt Wiesbaden

„Wir wissen, dass es für Personen in Quarantäne eine schwierige Situation ist“, so Butt, „daher gehen wir sehr sorgfältig mit den Quarantäneverfügungen um und ordnen sie wirklich nur an, wenn es aus infektiologischer Sicht notwendig ist.“ Denn wer zuhause bleiben muss, könne sich der Anordnung nicht entziehen. Das Quarantänemanagement der Stadt überprüfe die Einhaltung. Wer zuhause nicht angetroffen werden kann, oder draußen erwischt wird, kann sogar zwangsabgesondert werden. Statt zuhause verbringen die Betroffenen die Zeit dann in einer überwachten Unterkunft.

Labore voll ausgelastet

Auch die Wiesbadener Mutter achtet seit Tagen darauf, dass ihr Sohn zuhause bleibt und hofft, dass auch seine Klassenkameraden die Quarantäne einhalten. Einen Test für alle hätte sie sich trotzdem gewünscht. Die Schulleitung teilte jedoch mit, dass die Kapazitäten von Gesundheitsamt und Laboren dafür nicht ausreichten. Stattdessen sollten sich die Eltern an ihren Kinderarzt wenden, wenn die Schüler nach einigen Tagen Symptome zeigen. Weil die Wiesbadener Mutter jedoch weiß, dass auch der positiv getestete Mitschüler keine Beschwerden hatte, war sie mit ihrem Sohn nach einigen Tagen bei einer Teststelle. Dort sei es mit der Vorgeschichte kein Problem gewesen, einen Abstrich machen zu lassen. Das Ergebnis steht noch aus. (ab)

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