Homeoffice: Nicht nur Vorteile, aber die richtige Entscheidung

Die einen bangen um ihren Job, für andere geht der Arbeitsalltag ganz normal weiter. Nicht jeder kann während der Coronakrise zuhause bleiben. Wem es möglich ist, sollte aber spätestens jetzt auf Homeoffice umstellen, findet unsere Autorin.

Homeoffice: Nicht nur Vorteile, aber die richtige Entscheidung

„Bleiben Sie zuhause“, dieser Appell macht spätestens seit Anfang der Woche die Runde in den sozialen Netzwerken und Ansprachen von Politikern. Viele versuchen die Empfehlung umzusetzen. Homeoffice steht an. Auch das Team von Merkurist arbeitet seit gut einer Woche von zuhause aus und hat schon ganz eigene Erfahrungen damit gesammelt. Laptops werden auf Küchentischen aufgebaut, der Austausch mit den Kollegen läuft über regelmäßige Skype-Konferenzen. Treffen mit Pressesprechern oder anderen Ansprechpartnern wurden bereits in der vergangenen Woche abgesagt oder auf Telefonkonferenzen umgelegt.

Doch es bedeutet auch Stress, wenn wichtige Unterlagen noch im Büro liegen. Und das Abschalten nach Feierabend fällt schwer, wenn das Diensthandy am Abend neben dem Fernseher zum Aufladen liegt. Trotzdem ist Homeoffice ein wichtiger Schritt, um die Verbreitung des Virus‘ einzudämmen.

Viele Arbeitnehmer haben diese Möglichkeit nicht. Sie müssen weiterhin jeden Tag an Supermarktkassen, in Arztpraxen und in Krankenhäusern arbeiten, um die Versorgung in der Stadt aufrecht zu erhalten. Und auch in vielen Büros in Wiesbaden und Mainz geht der Betrieb nach den Schließungen vieler Geschäfte weiter.

Während viele kleine Unternehmen und Gastrobetriebe um ihre Existenz bangen, herrscht bei vielen Dienstleistern Hochbetrieb. Die Angestellten sind froh, noch ihr volles Gehalt beziehen zu können, doch gerade an den Arbeitsplätzen kippt inzwischen zum Teil die Stimmung. Nicht jeder Betrieb bietet Homeoffice Lösungen an, und selbst wenn Kundenbesuche ausfallen, kommen die Mitarbeiter ihren Kollegen regelmäßig sehr nahe - obwohl das in vielen Berufen nicht nötig wäre.

Nicht alle erlauben Homeoffice

Gegenüber Merkurist erzählen viele Arbeitnehmer aus Wiesbaden und Mainz, dass sie sich unwohl fühlen, mit mehr als fünf Kollegen in einem Raum zu arbeiten. Zum Teil berichten sie, dass sie Schreibtisch an Schreibtisch sitzen. Auch sei in einigen Firmen das Desinfektionsmittel ausgegangen – Nachschub auf eigene Faust zu kaufen, ist derzeit in den Drogeriemärkten nicht möglich. Andere sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und müssen täglich mit Bussen und Bahnen fahren — Fahrten, die durch die Arbeit im Homeoffice eingespart werden könnten.

Bisher gibt es weder auf Landes-, noch auf kommunaler Ebene verpflichtende Anweisungen für Arbeitgeber, ab welcher Teamstärke die Bürobesetzung ausgedünnt werden muss, oder welche Hygienemaßnhamen in Büros erforderlich sind. Bei vielen löst das Unsicherheit aus. Kollegen versuchen, sich aus dem Weg zu gehen. Gleichzeitig verlieren viele das Vertrauen ins eigene Unternehmen und fühlen sich ausgebeutet. Doch sie sprechen ihren Wunsch nach Homeoffice nicht öffentlich aus – aus Angst, missverstanden zu werden. Bei vielen herrschen Bedenken, der Chef könnte meinen, zuhause würde nicht so fleißig gearbeitet, wie im Büro.

Tatsächlich aber bedeutet der Schreibtisch in den eigenen vier Wänden mitunter viel Stress. Viele Selbstverständlichkeiten, die man aus dem Büroalltag gewohnt ist, fallen weg. Was macht der Kollege neben mir? Wer ist gerade in der Pause? Wer will ungestört telefonieren? Für Fragen, die man gewöhnlich durch einfaches Kopfnicken klärt, müssen von zuhause Lösungswege über digitale Angebote oder das Telefon gefunden werden. Dabei braucht es ein hohes Maß an Organisation und Disziplin, um Gruppendiskussionen einzurichten und Gesprächsverläufe übersichtlich zu halten. Auch Geduld ist oft notwendig – vor allem in Situationen, in den es schnell gehen muss. Zum Teil kommt es plötzlich auf ganz andere Fähigkeiten an. Wie gut Teamwork funktioniert, zeigt sich nicht nur obwohl, sondern gerade weil alle plötzlich alleine am Tisch sitzen.

Deshalb müssen entsprechende Strukturen wie Arbeitspläne geschaffen und notwendiges Arbeitsmaterial bereit gestellt werden. Dann funktioniert das Arbeiten auch von zuhause aus - ohne unnötigen Kontakt zu anderen. Arbeitgeber sollten in einem Homeoffice-Angebot spätestens jetzt zwei wichtige Vorteile sehen: Den Schutz ihrer Mitarbeiter und die Förderung von Zusammenhalt, von dem die Firmen auch nach der Coronakrise noch profitieren werden. (ts)

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