Was Externe über Wiesbaden denken

Spießig, schick, schön. Das sind nur ein paar Adjektive, die Außenstehende nennen, wenn sie die Stadt Wiesbaden beschreiben sollen. Doch was stimmt denn nun und was sind bloß Klischees?

Was Externe über Wiesbaden denken

„Mia san mia“ heißt es in München. Die Münchener machen ihr eigenes Ding, Hauptsache mit einer Maß in der Hand. Die Hamburger hingegen sollen kühl und verschlossen sein, die Stadt Bielefeld gibt es gar nicht und Frankfurt nennt man auch „Mainhattan“. Viele deutsche Städte unterliegen Klischees, Außenstehende machen sich immer ihr eigenes Bild. Doch was denken Externe über Wiesbaden?

Als Merkurist-Leser Jens damals in die Landeshauptstadt zog, fiel ihm vor allem eines auf: Er empfand die Wiesbadener als unnahbar. Ihm fehlte die Herzlichkeit, die ihm Menschen in anderen Regionen Deutschlands entgegenbrachten. In Halle an der Saale zum Beispiel sei er nach der Flut, die 2013 große Teile Deutschlands verwüstet hat, von Menschen, die er nicht kannte, wie ein Sohn aufgenommen worden. „Obwohl ich noch Stunden davor fremd war.“ 2014 wollte dann er helfen, als ein Hochwasser auch Wiesbaden heimsuchte. Er durfte zwar nach einem längeren Hin und Her mit anpacken, doch wirkliche Dankbarkeit und Herzlichkeit schlug ihm danach nicht entgegen.

Wiesbaden oder Spießbaden?

„Die Wiesbadener sind halt ein anderes Völkchen.“ - Barbara, Leserin

„Die Wiesbadener sind halt ein anderes Völkchen“, rechtfertigt Leserin Barbara das Verhalten. Aber gibt es auch eine Rechtfertigung für die Spießigkeit, die der Landeshauptstadt vorgeworfen wird?

Leserin Silvia zumindest sagt, dass vor allem viele junge Leute Wiesbaden spießig finden. Merkurist-Leserin Susanne denkt, es könnte daran liegen, dass die „Leute eher älter, reicher und insgesamt nicht so fröhlich dem Leben zugewandt sind wie auf der anderen Rheinseite in Mainz.“

Besondere Architektur

„Wiesbaden hat sehr schöne Häuser, man kann gut einkaufen und auch gut essen, die Umgebung ist attraktiv.“ - Susanne, Leserin

Aber Susanne meint, dass die Stadt auch ihre guten Seiten hat: „Wiesbaden hat sehr schöne Häuser, man kann gut einkaufen und auch gut essen, die Umgebung ist attraktiv.“ Dass die Architektur Wiesbadens besonders sei, bekommt auch Leser Bertel Baum oft zu hören: „Die Altbauten über die gesamte Stadt verteilt sind sehr schön“, sagen Bekannte. Doch liegt es auch an der Architektur, dass Externe denken, Wiesbaden stinkt gegen Frankfurt ab? Das zumindest meint Thorben, der aus dem fernen Kiel kommt und Wiesbaden gar nicht richtig kennt. „Meine erste Assoziation: Landeshauptstadt im Schatten von Frankfurt“, antwortet er auf die Frage hin, was er über Wiesbaden denkt. Mit der Skyline von Frankfurt kann Wiesbaden tatsächlich nicht mithalten.

Großes Kulturangebot

„Die Stadt hat einen hohen Freizeitwert.“ - Susanne, Leserin

Mit dem Freizeitwert aber vielleicht schon. Das meint zumindest Leserin Susanne. Die Stadt habe einen hohen Freizeitwert. Rhein, Rheingau, Taunus, Wandern, Radeln, Wassersport, Weingenuss. „Das Kulturangebot ist auch nicht schlecht.“ Schließlich gibt es eine Vielzahl Museen, Ausstellungen, Thermalquellen oder auch gute Restaurants in der Landeshauptstadt. Genau wie eine Menge Grünanlagen und Parks. Und auch um die werden die Wiesbadener von Externen beneidet, sagt Leser Bertel. „Die Parks sind sehr gepflegt“, hört er oft.

Auch das mag ein Grund dafür sein, dass Wiesbaden für viele „schick“ daherkommt. Das denkt auch Leserin Silvia. „Hab auch schon gehört, dass es manchen zu schick ist“, schreibt sie. Leser Nod Don widerspricht da aber ganz klar: „Schick war einmal in den 90ern“. Da stimmen ihm die Leser Jens und Lili zu, Lili habe leider auch nie ein „Zuhause“ in Wiesbaden gefunden.

Eigenes Bild machen

„Hier sind alle sehr aufgeschlossen und herzlich.“ - Frank, Leser

Merkurist-Leser Frank hingegen schon. Er ist im Juni 2017 nach Mainz-Kastel gezogen — aus Rheinland-Pfalz. „Hier sind alle sehr aufgeschlossen und herzlich“, erzählt er. Es wirke auch alles sehr organisiert und leicht übersichtlich. „Ich fühle mich hier richtig wohl.“ Das, was Externe mit Wiesbaden verbinden, ist also ziemlich unterschiedlich. Eines hilft jedoch ganz sicher: Sich sein eigenes Bild machen und dann ein Urteil fällen. (js)

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