Am Set der „Flaschenpostinsel“

In den Ferien zu arbeiten klingt erst einmal nicht so lustig. Für die jungen Darsteller von Wiesbadens erstem Kinderkinofilm bedeutet es dagegen Spaß, spannende Begegnungen und jede Menge neue Erfahrungen.

Am Set der „Flaschenpostinsel“

Am Montagnachmittag ist es warm und sonnig. Eigentlich perfektes Schwimmbadwetter, aber Jan Niklas Thomsen steht unter der Mainbrücke in Ginsheim-Gustavsburg in der Maske. Der 14-jährige Schüler aus Gonzenheim bei Bad Homburg spielt eine der Hauptrollen in „Die Flaschenpostinsel“, dem ersten Wiesbadener Kinofilm für Kinder. Während drei Crewmitglieder ihn mit Pinsel, Kamm und Haarspray auf den Dreh vorbereiten, wirkt Jan so gelassen wie ein Profi, dabei steht er zum ersten Mal vor der Kamera. „Ich habe mich schon immer für Schauspielerei interessiert, hatte aber bisher keine Gelegenheit dazu und als wir von dem Casting in Wiesbaden gehört haben, sind wir einfach mal hingefahren“, erklärt er. Aus zahlreichen Mitbewerbern wählte das Castingteam um Regisseur Toni Kurtin Jan für die Rolle des Paul aus.

Die erste Hauptrolle

Anfangs sei er schon aufgeregt gewesen, auch weil er wusste, dass er mit erfahrenen Schauspielern wie Tobias Licht, Nadine Heidenreich und Philip Bender arbeiten würde. „Vor dem Kennenlernen war ich nervös, aber die Erwachsenen sind sehr nett und nach der ersten Szene war die Aufregung weg“, sagt er.

„Vor dem Kennenlernen war ich nervös, aber die Erwachsenen sind sehr nett und nach der ersten Szene war die Aufregung weg.“ - Jan Niklas Thomsen, Hauptdarsteller

Mittlerweile hat Jan herausgefunden, dass auch kameraerfahrene Profis ihren Text vergessen, sich versprechen oder kleine Pannen verursachen: „Als Philip während einer Szene gegen den WD-Rahmen gelaufen ist, mussten wir alle lachen und es dauerte, bis wir neu drehen konnten.“ Auch bei einer anderen Szene, die er gemeinsam mit einer Gruppe gleichaltriger Jungs gedreht hat, habe es viel Gelächter gegeben. „Die machen dann auch schonmal Faxen, das ist normal“, findet Produzentin Corinna van Eijk. „Regisseur Toni bleibt in solchen Situationen gelassen, aber ich als Produzentin werde dann doch etwas nervös.“

Aufwändige Dreharbeiten

Van Eijk und Co-Produzent Jan Czmok sind nicht nur bei den Dreharbeiten anwesend, sondern kümmern sich auch um Organisatorisches, wie das Team der DLRG, das für Dreharbeiten im Wasser vor Ort sein musste.

Die Arbeit mit den jungen Darstellern bedeutet mehr Aufwand als mit erwachsenen Schauspielern: „Wir brauchen nicht nur das Einverständnis der Eltern, sondern auch Genehmigungen von Behörden wie Jugend- oder Gesundheitsamt“, erklärt Czmok. Zudem sei die Drehzeit begrenzt: „Die Kinder dürfen täglich maximal drei Stunden vor der Kamera stehen und insgesamt höchstens fünf Stunden am Set sein.“

Blick hinter die Kulissen

Jan hat keine Schwierigkeiten damit, von lustig auf ernst umzuschalten. Auch seinen Text beherrscht er sicher: „Meistens sind das nur vier oder fünf Sätze pro Szene und Auswendiglernen fällt mir auch für Vokabeltests in der Schule leicht.“

In die Rolle von Paul, den Sohn eines in Deutschland stationierten US-Soldaten, der das Mädchen Laini auf ihrer Entdeckungsreise durch Wiesbaden und in ihre eigene Vergangenheit begleitet, habe Jan schnell hineingefunden: „Er ist ein bisschen netter als ich, empathischer, aber sonst sind wir uns schon ähnlich.“ Wirklich schwer seien ihm nur die emotionalen Szenen mit seinem Filmvater gefallen. „Einen fremden Mann zu umarmen und so zu tun, als wäre er mein Vater, das fand ich seltsam.“

„Wie lange man drehen muss, bis eine Minute Film fertig ist, sieht man im Fernsehen ja nie.“ - Jan Niklas thomsen, Hauptdarsteller

Während der Drehtage hat Jan gelernt, wie viel Arbeit in einer Filmproduktion steckt: „Wie lange man drehen muss, bis eine Minute Film fertig ist, sieht man im Fernsehen ja nie. Oder dass ein Großteil der Arbeit aus Warten besteht, weil Kamera und Kulisse umgebaut werden müssen.“ In den Pausen unterhält er sich mit den Crewmitgliedern, geht mit Regisseur Toni seine Szenen durch oder schaut den Kollegen über die Schulter.

Tatsächlich klingt er schon wie ein Kameraprofi, wenn er über Schärfe- und Belichtungseinstellungen spricht. „Ich würde gern Schauspieler werden und möchte Unterricht bei Corinna nehmen, um noch mehr zu lernen. Aber auch wenn meine Schauspielkarriere nicht weitergeht, war das hier eine spannende und großartige Erfahrung.“

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