„Fuel Dumping“ über Wiesbaden? Was die Behörden dazu sagen

Samstag, der 5. November, Wiesbaden-Südost: Ein Merkurist-Leser beobachtet, wie ein Flugzeug Kerosin ablässt, was zu brennenden Augen und einem übelriechenden Geruch führt. Müssen sich Wiesbadener nun Sorgen um ihre Gesundheit machen?

„Fuel Dumping“ über Wiesbaden? Was die Behörden dazu sagen

Mit dem Frankfurter Flughafen in unmittelbarer Nähe erlebt das Rhein-Main-Gebiet und damit auch Wiesbaden tägliche Starts und Landungen vieler Flugzeuge, die von hier aus Personen oder auch Waren in die ganze Welt transportieren. Dabei kommt es hin und wieder zum sogenannten Fuel Dumping, bei dem unterschiedliche Mengen Treibstoff gezielt abgelassen werden. So ein Abwurf soll nun auch über Wiesbaden-Ost beobachtet worden sein.

Entwarnung für Wiesbaden

Nach einer Merkurist-Anfrage bei den zuständigen Behörden steht fest: der Vorfall über Wiesbaden-Südost ist weder bekannt, noch dokumentiert. Tatsächlich ereignete sich der letzte Vorfall laut einer Auflistung des Luftfahrt-Bundesamts (LBA) im Oktober über Teilen Nordrhein-Westfalens. Innerhalb des deutschen Luftraums sind dem LBA im Jahr 2022 bisher 26 Fälle von Fuel Dumping bekannt. Neun davon in Teilen von Rheinland-Pfalz und fünf über Hessen. Nach Zählungen der Deutschen Flugsicherung befinden sich an Spitzentagen bis zu 10.000 Flieger im deutschen Luftraum. Im Vergleich dazu ist die Wahrscheinlichkeit, dass Treibstoff direkt über Wiesbaden oder Mainz abgelassen wird, also sehr gering.

Wann und wie kommt es zum Fuel Dumping?

Auf der Seite des LBA finden sich allerlei Informationen rund um das Fuel Dumping. Hier heißt es, dass ein Treibstoffschnellablass (TSA) erfolgt, wenn ein Flugzeug aufgrund unvorhersehbarer Gründe wie beispielsweise einem medizinischen Notfall oder technischen Störungen vorzeitig landen muss. Da aus Sicherheitsgründen das maximal zulässige Landegewicht meist niedriger angesetzt ist, als das Startgewicht, muss in solchen Fällen eine schnelle Gewichtsreduzierung eingeleitet werden. Betroffen sind hierbei vor allem größere Langstreckenflugzeuge wie der Airbus 380 oder die Boeing 747.

„Fuel Dumping ist ein meldepflichtiges Ereignis, welches in einer Datenbank dokumentiert und analysiert wird“ - Luftfahrt-Bundesamt (LBA)

Die Entscheidung, ob Treibstoff abgelassen wird, trifft im Falle einer akuten Gefährdung der Passagiere der leitende Pilot. Die Flugsicherung sucht dann nach einem geeigneten Luftraum, der das Fuel Dumping erlaubt und ermöglicht. In der Regel darf das frühestens ab einer Flughöhe von über 1800 Metern und einer Mindestgeschwindigkeit von 450 km/h passieren. Die allgemeinen Verkehrsregeln der LuftVO legen außerdem fest, dass Treibstoff nur an Stellen abgelassen werden darf, an denen keine Personen oder Sachen gefährdet sind. Eingrenzungen oder feste Zonen gibt es aber nicht.

Für den Worst-Case vorbereitet

In einer Studie aus dem Jahre 2020 untersuchte das Umweltbundesamt vier hypothetische Worst-Case-Szenarien und deren Einfluss auf Luft, Boden, Grundwasser sowie menschliche Gesundheit. Dabei konnten „nach derzeitigem Wissensstand keine kritischen Umweltauswirkungen von Treibstoffschnellablässen auf Boden, Grundwasser, Luft und menschliche Gesundheit“ festgestellt werden.

Jedoch gehen aus der Studie auch aktuelle Empfehlungen hervor, die Mindestablasshöhe wie in Großbritannien auf über 3000 Meter hochzusetzen, damit sich die Tröpfchen während des Absinkens stärker verteilen und verdunsten können. Außerdem sollte sich der Ort des Fuel Dumpings öfter abwechseln, damit es zu keiner Häufung kommt.

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