Mehr Platz, keine Toiletten: So sehen die neuen S-Bahnen nach Wiesbaden aus

Mehr Platz für mehr Fahrgäste: Die S-Bahn Rhein-Main erhält ein neues Design. Die ersten modernisierten Züge sollen bereits Ende des Monats zwischen Frankfurt und Wiesbaden fahren.

Mehr Platz, keine Toiletten: So sehen die neuen S-Bahnen nach Wiesbaden aus

Die Züge auf den Wiesbadener S-Bahn-Linien S1, S8 und S9 fahren ab Ende Oktober in einem neuen Design. Die Fahrzeuge sind dann nicht mehr im typischen DB-Rot, sondern in „S-Bahn-Grün und RMV-Blau“ unterwegs (wir berichteten).

Noch viel bedeutender sind die Änderungen im Innenraum: Eine neue Aufteilung der Sitzplätze und der Verzicht auf die erste Klasse sollen die Kapazität der Fahrzeuge um 15 Prozent steigern. Künftig sollen somit 559 Fahrgäste Platz finden können.

S-Bahnen heute „stark ausgelastet“

Besonders im Frankfurter S-Bahn-Tunnel sowie zwischen Frankfurter Innenstadt und Flughafen seien die Züge bisher stark ausgelastet, schreibt ein Sprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) auf Merkurist-Anfrage. Da man von weiter steigenden Fahrgastzahlen bei gleichbleibender Anzahl von Gleisen, Bahnsteigen und Fahrten ausgehe, sei der Umbau der Züge die beste Option.

Die neuen Einstiegsbereiche werden trichterförmig gestaltet und sollen den Fahrgastwechsel beschleunigen, um Haltezeitüberschreitungen zu reduzieren und die Pünktlichkeit zu verbessern, so der RMV auf seiner Internetseite. Die Bereiche für Rollstühle und Kinderwägen sowie für Fahrräder werden künftig getrennt. Für Fahrräder gibt es pro Zugeinheit künftig zwei Bereiche mit insgesamt sechs Abstellplätzen. Dort sollen die Räder schräg in der Wand am Vorderrad fixiert werden können.

Gepäckablagen raus, Steckdosen rein

Die Gepäckablagen entfallen in den neuen Zügen. Stattdessen soll genügend Platz unter den Sitzen zu finden sein. Statt Halteschlaufen von der Decke gibt es künftig Haltegriffe auf Handhöhe. Zum Laden des eigenen Laptops oder Smartphones stehen erstmals 34 Steckdosen pro Wagen zur Verfügung. Größere Monitore mit mehr Information sollen die Orientierung erleichtern.

Der Wechsel wird allerdings nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach stattfinden. Insgesamt wollen der RMV und die Deutsche Bahn bis Sommer 2029 alle 98 S-Bahnen der Baureihe ET430 modernisieren. Die zehn bis zwölf Jahre alten Wagen sind vor allem auf dem sogenannten S-Bahn-Teilnetz Kleyer (benannt nach dem Abzweig Kleyerstrasse, wo sich die Strecken nach Höchst und Niederrad gabeln) auf der Ost-West-Achse unterwegs.

Die Linien S2 bis S6 werden hingegen mit der Baureihe ET430 befahren und bleiben vom neuen Design ausgeschlossen. Die dortigen Fahrzeuge sind bereits über zwanzig Jahre alt, wurden bereits vor einigen Jahren modernisiert und werden nicht mehr so lange wie die ET430 im Einsatz sein, teilt ein Sprecher des RMV mit.

Weiter keine Toiletten

Wer bei den neuen Zügen auch auf Toiletten gehofft hat, wird allerdings enttäuscht. Gegenüber dem Hessischen Rundfunk verteidigte der RMV seine Entscheidung: Zusätzliche Toiletten würden zu viel Platz in Anspruch nehmen und damit "dem mit dem Redesign verbundenen Ziel, noch mehr Fahrgästen pro Fahrzeug Platz zu bieten, zuwiderlaufen". Die durchschnittliche Fahrtzeit im S-Bahn-Netz betrage zudem nur 15 Minuten. Dies sei "nicht vergleichbar mit dem Regionalzugverkehr".

Zwischen Wiesbaden und dem Frankfurter Hauptbahnhof beträgt die Fahrtzeit mit der S-Bahn allerdings 43 Minuten mit der Linie S1. Mit der Linie S8 sind es auf gleicher Strecke sogar 55 Minuten. Hier wird man auch in Zukunft etwas länger einhalten müssen.