Gibt es in Wiesbaden noch Schutzbunker?

Welche Sicherheitsstruktur hat die Stadt Wiesbaden, gibt es Schutzräume, in denen sich die Bevölkerung im Katastrophenfall in Sicherheit bringen kann?

Gibt es in Wiesbaden noch Schutzbunker?

Ganz unscheinbar versteckt sich ein historisches Denkmal an der Friedrich-Ebert-Allee. Der Betonklotz direkt neben dem Finanzministerium ist eine der drei großen städtischen Luftschutzanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Die beiden anderen großen, zivil genutzten Luftschutzbereiche befanden sich an der Coulinstraße in einem Stollensystem und in einem Tiefbunker an den Quellen am Kaiser-Friedrich-Platz.

Doch würden Anlagen wie der Bunker in der Friedrich-Ebert-Allee auch heute noch den Menschen Schutz bieten und könnten sie überhaupt wieder als Schutzräume verwendet werden? Das fragen sich einige Merkurist-Leser angesichts des Kriegs in der Ukraine: „Immer wieder hört man aus der Ukraine, dass U-Bahn Stationen als Schutzräume gebaut wurden und jetzt auch wieder genutzt werden. Aber wie sieht es hier bei uns aus? Wie kann sich die Bevölkerung in Wiesbaden im Falle eines Falles schützen?“, will ein Leser wissen.

Zivilschutz als Aufgabe des Bunds

Zivilschutz, also der Schutz der Bevölkerung vor den Folgen eines Kriegs, ist grundsätzlich Aufgabe des Bundes. Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist zu erfahren, dass Schutzbauwerke als Luftschutzanlagen in Form von Hoch- und Tiefbunkern während des Zweiten Weltkriegs und bis in die 1980er-Jahre errichtet wurden. Hier sollte die Bevölkerung vor möglichen Kriegseinwirkungen geschützt werden. In den alten Bundesländern gab es 2000 öffentliche Schutzraumanlagen.

Vor allem in Ballungsräumen wurden zusätzlich seit Mitte der 1960er-Jahre öffentliche Schutzräume errichtet, größtenteils als Mehrzweckanlagen. Hier sollten mehrere Tausend Menschen im Fall von Flächenbombardierungen und beim Einsatz chemischer und nuklearer Waffen Schutz finden. Inzwischen befinden sich die meisten dieser Schutzräume im Privateigentum der Städte und Gemeinden. Hinzu kamen vom BBK geschätzte 9000 private „Hausschutzräume“ in der Bundesrepublik. Sie wurden vom Staat mit rund 55 Millionen Euro gefördert.

Im Jahr 2007 beschlossen Bund und Länder schließlich gemeinsam, öffentliche Schutzräume nicht weiter zu erhalten. Mit dem Fall der Mauer und dem Ende des Ost-West-Konflikts schien das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen nicht mehr zeitgemäß. Die Schutzräume wurden als entbehrlich angesehen, sodass sie den Eigentümern heute zur freien Nutzung zur Verfügung stehen. Dementsprechend fällt auch die Antwort der Stadt aus, wenn man sie nach Bunkern in Wiesbaden fragt. „Es gibt in Wiesbaden keine Luftschutzbunker mehr“, sagt Stadtpressesprecher Ralf Munser dazu. Der unter Denkmalschutz stehende Bunker an der Friedrich-Ebert-Allee wird stattdessen unter anderem als Lagerraum vom Finanzministerium genutzt. Es sei aktuell nicht geplant, ihn noch einmal als Bunker zu reaktivieren.

Das passt auch zur Einschätzung des BBK. Das Bundesamt geht davon aus, dass Luftschutzanlagen nicht mehr den Schutz bieten würden, den die Bevölkerung im Fall der Fälle bräuchte. „Schutzräume können der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit bieten“, heißt es dazu. Denn die Sicherheitslage habe sich inzwischen sehr verändert, es gebe neue Bedrohungsszenarien, auch gehe man von einem „Schadenszenario ohne Vorwarnzeit“ aus.

Was stattdessen tun in Notsituationen?

Laut BBK sei es unwahrscheinlich, dass Deutschland vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine einem Luftangriff ausgesetzt sein wird. Ganz unabhängig davon hat das Bundesamt aber schon vor Jahren Empfehlungen formuliert, wie man sich auch ohne Bunker in der Stadt im Ernstfall in Sicherheit bringen kann.

„Im Fall eines Angriffs gehen Sie am besten in einen innenliegenden Raum mit möglichst wenigen Außenwänden, Türen und Fenstern: Glasflächen können bei Explosionen durch die Druckwelle zersplittern und Verletzungen verursachen.“ Wer in der Stadt unterwegs ist, sollte in ein Gebäude mit Innenräumen oder unterirdischen Gebäudeteilen gehen. Außerdem sollte man grundsätzlich die Treppe und nicht den Fahrstuhl nehmen, um nicht eingeschlossen zu werden. Wie man am besten vorsorgt und in Notsituationen richtig handelt, erklärt das BBK ausführlich in einem Ratgeber. Dort findet man auch Antworten auf Fragen rund um den Krieg in der Ukraine und die Sicherheitslage in Deutschland.

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