US-Armee: Stadt Wiesbaden stellt Anfrage zu Raketen an Ministerium

Werden Langstreckenraketen in Kastel stationiert? Diesen Verdacht stellten mehrere Medien, als sich nach 30 Jahren das US-Militär wieder in Kastel stationierte. Nun will die Stadt der Sache auf den Grund gehen.

US-Armee: Stadt Wiesbaden stellt Anfrage zu Raketen an Ministerium

Das 56. Artilleriekommando ist wieder zurück in Mainz-Kastel, nach 30 Jahren wurde es am 8. November in der Lucius D. Clay Kaserne wieder aktiviert. Kurz darauf berichteten britische Medien wie die „Sun“ und die „Times“ über Nuklearwaffen, die sich nun in Kastel befänden, namentlich die neuen „Dark Eagle“-Langstreckenraketen. Mit fünffacher Schallgeschwindigkeit könnten sie innerhalb von 21 Minuten und 3o Sekunden in Russland sein. „Die USA haben zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg in Deutschland eine Atombombe reaktiviert“, schrieb die Sun.

US-Armee dementiert Raketenkommando

Von Seiten der US-Armee selbst war zu erfahren, dass das Artilleriekommando für die Koordination, Integration und Synchronisation der Einheiten in Europa und Afrika zuständig sei. „Im Gegensatz zum 56. Feldartilleriekommando während des Kalten Kriegs ist das aktuelle Headquarter kein Raketenkommando“, sagte eine Pressesprecherin gegenüber Merkurist (wir berichteten).

Die Stadt Wiesbaden selbst hingegen konnte im November keine Auskünfte erteilen. Doch nun will sie der Sache auf den Grund gehen. Direkt nach Amtsantritt habe sie die neue Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) angeschrieben, teilt Pressesprecher Ralf Munser mit. Konkret will die Stadt nun wissen, welche Erkenntnisse die Bundesregierung über die geplante Stationierung des Artilleriekommandos hat, „insbesondere was die öffentlichen Spekulationen über die Stationierung von Langstreckenraketen betrifft“.

Grund für die Anfrage seien die Berichte in den Medien gewesen, die US-Streitkräfte beabsichtigten, neue bodengestützte Langstreckenraketen in Wiesbaden zu stationieren, so Munser. „Da sich Teile der Bevölkerung darüber in Sorge befinden, hat der Oberbürgermeister zusätzlich die Verteidigungsministerin um Aufklärung gebeten.“ Es bestehe aber ein regelmäßiger Austausch zwischen der Stadt und der Wiesbadener Garnison. Der Stadt sei bekannt, dass die neu stationierte Einheit die strategischen Planungen der Landstreitkräfte unterstützt, sowohl der Vereinigten Staaten als auch multinationaler Einheiten. Einzelheiten der Aufgabenstruktur seien aber nicht bekannt.

Eine Rückmeldung aus dem Bundesverteidigungsministerium habe die Stadt übrigens bislang noch nicht erhalten.

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