„Wir sind alle Deutschland“: Muslimische Gemeinde kämpft gegen Vorurteile

Mit einer neuen Kampagne will die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde in Wiesbaden ihre Heimatverbundenheit und Loyalität gegenüber der Stadt zeigen. Plakate sollen dazu einladen, in den Dialog zu treten - vor allem um Vorurteile abzubauen.

„Wir sind alle Deutschland“: Muslimische Gemeinde kämpft gegen Vorurteile

Wenn die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde in Wiesbaden etwas auf Facebook postet, dann muss sie sich nicht selten Kritik und manchmal auch Hass aussetzen. Nicht nur auf Social Media, sondern auch im echten Leben werden die Mitglieder der Religionsgemeinschaft immer wieder mit Vorurteilen und Schuldzuweisungen konfrontiert. Die wohl häufigsten Anklagen: Alle Muslime seien Extremisten, würden sich nicht integrieren und Frauen seien im Islam nichts wert. Diese Vorurteile wollen die Ahmadi-Muslime jetzt aus der Welt schaffen. Eine auffällige Kampagne soll dabei helfen.

„Wir sind alle Deutschland“

Im Rahmen der deutschlandweiten Aktion „Wir sind alle Deutschland“ werden auch in zehn Wiesbadener Stadtteilen vom 28. Juni bis zum 7. Juli große Plakate mit Zitaten und Glaubenssätzen der Gemeinde hängen. An Infoständen und mithilfe von Flyern wollen die Gemeindemitglieder Vorurteile aus dem Weg räumen. Über eine kostenlose Hotline stehen muslimische Theologen auch telefonisch bereit.

„Wir wollen damit niemanden missionieren, das ist nicht unser Anliegen.“ Ferhad Ahmad Malik Ghaffar, Theologe und Imam

„Wir wollen damit niemanden missionieren, das ist nicht unser Anliegen“, sagt Ferhad Ghaffar, Imam der Gemeinde. Er hofft stattdessen, dass sich durch die Kampagne mehr Menschen mit der Gemeinde und dem Islam beschäftigen, Fragen stellen und somit Vorurteile aus der Welt geschafft werden. „Wir müssen mehr miteinander reden, als übereinander“, wünscht er sich. „Das, was in islamischen Ländern geschieht, ist nicht unser Islam.“

Denn die Ahmadiyya-Gemeinde trete vor allem für Frieden, Bildung, Trennung von Religion und Staat und die Gleichwertigkeit von Mann und Frau ein. Ein Teil der Religion sei auch die Liebe zum Land in dem man lebe. Regelmäßig organisieren die Mitglieder deshalb auch in Wiesbaden unter anderem Charity-Läufe, räumen nach Silvester die Straßen auf, veranstalten regelmäßig Infoveranstaltungen und kochen für Obdachlose.

Anfeindungen in Erfurt und Berlin

Die neue Plakat-Kampagne wurde auch aufgrund von Erfahrungen der vergangenen Jahre ins Leben gerufen. Vor rund zwei Jahren spießten Unbekannte vor der geplanten Moschee in Erfurt Schweineköpfe auf Holzpfählen auf. Vor dem Bau der Berliner Moschee gab es ähnliche Proteste. In Wiesbaden fühlen sich die Gemeindemitglieder aber sicher, sagt der Imam.

„Wir laden jeden ein, der Fragen oder Ängste hat, mit uns zu sprechen.“ Ferhad Ghaffar

Hass und Anschuldigungen würden sie immer mit einem Angebot begegnen: „Wir laden jeden ein, der Fragen oder Ängste hat, mit uns zu sprechen“, sagt Ghaffar. Aus vielen Kritikern seien so sogar Freunde geworden. Mithilfe der Kampagne so kurz vor der Eröffnung der neuen Moschee in Dotzheim im Herbst, hofft der Imam auf noch mehr gute Gespräche und Diskussionen. (nl)

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