Mehr Platz für Jugendliche im Künstlerviertel

Viele Jugendliche im Künstler- und Europaviertel wohnen in kleinen Wohnungen und halten sich deshalb oft auf Spielplätzen auf. Ein neuer Jugendtreff soll ihnen einen Rückzugsort bieten.

Mehr Platz für Jugendliche im Künstlerviertel

Als der auffällige Bau in der Holzstraße 60 am Donnerstag Richtfest feierte, war viel los im Künstlerviertel. Bei Kaffee und Kuchen unterhielten sich die Besucher über die Nutzung des Gebäudes. Vielen sah man ihre Freude darüber regelrecht an. Neben den Initiatoren vom „Centrum für Stadtteilarbeit“ (CASA), dem Ortsbeirat und politischen Akteuren, sind auch viele Eltern mit ihren Kindern gekommen. Denn für sie soll das ehemalige Bahngebäude zum Jugendtreff und Rückzugsort werden.

„Die Jugendlichen haben hier nicht viel Platz und sind in diesem Alter noch nicht so mobil, wie 18-Jährige.“ - Gabriele Kammerer, Ortsvorsteherin

„Rund zehn Jahre lang haben wir im Ortsbeirat dafür gekämpft, jetzt ist es endlich soweit“, sagt Ortsvorsteherin Gabriele Kammerer. Der neue Jugendtreff soll Raum für die rund 500 Jugendlichen sein, die im Künstler- und Europaviertel leben — vor allem aber für die 13- bis 15-Jährigen. „Die Jugendlichen haben hier nicht viel Platz und sind in diesem Alter noch nicht so mobil, wie 18-Jährige“, sagt Kammerer. Viele würden in kleinen Wohnungen leben und sich ihre Zimmer vielleicht noch mit Geschwistern teilen. „Deshalb treffen sie sich auf Spielplätzen in der Umgebung und sorgen manchmal auch für Ärger“, so Kammerer weiter. In Zukunft können sie sich in dem ehemaligen Stellwerkhäuschen aufhalten. Finanziert wird das Projekt vom Amt für Soziale Arbeit, der Stadt und durch Spenden mehrerer Unternehmen.

Wenig Raum, viel vor

Im Erdgeschoss des neuen Jugendtreffs werden eine Küche und ein Café entstehen. Im Obergeschoss sollen die Jugendlichen entspannen können. „Vielleicht mit einer Hängematte bei der schönen Aussicht“, sagt Silke Müller von CASA. Das „Centrum für Stadtteilarbeit“ will den Jugendlichen dort einiges bieten. „Bis jetzt mussten sich die Jugendlichen unsere Räume mit Babys, kleinen Kindern und Erwachsenen teilen“, erklärt sie.

Im Stadtteilzentrum veranstaltet CASA regelmäßig Projekte, Veranstaltungen und Aktionen für die Bewohner des Viertels. Der neue Jugendtreff soll jetzt ein ganz eigener Raum für die Jugendlichen werden, in dem sie kochen, sich austauschen, austoben und entspannen können. „Es wird zum Beispiel einen Tag für die Mädels und einen für die Jungs geben“, so Müller.

Auch bei der Gestaltung des Hauses sollen die Jugendlichen mithelfen. „Wie man sieht, gibt es hier viele Kreative im Viertel“, stellt der zuständige Architekt Holger Zimmer fest. Die neue Holzfassade wurde schon mit einigen Graffiti-Tags „geschmückt“. „Das wollen wir so aber auch“ sagt Silke Müller. Wenn genug Geld zusammen käme, würde man die Fassade gerne zum Teil professionell besprayen lassen, aber auch von den Jugendlichen selbst. Außerdem sollen sie dabei helfen, den Innenraum und den Außenbereich zu gestalten.

Denn zusätzlich zu dem Gebäude, steht den Jugendlichen auch ein Außenbereich mit Bauwagen zur Verfügung. Weil Anwohner bereits Bedenken zur Lautstärke geäußert haben, hätte der Ortsbeirat bereits gehandelt. Die geplante Tischtennisplatte wurde kurzerhand auf der andere Seite des Hauses aufgestellt, wo die Lautstärke weniger störe, sagt Ortsvorsteherin Kammerer. „Man darf nicht immer nur verbieten, man muss auch anbieten.“ Die Anwohner seien mit dieser Lösung ebenso glücklich, wie die Jugendlichen.

„Die Jugendlichen nennen den Treff jetzt schon ‘ihre Villa’.“ - Silke Müller, CASA

Wenn alles glatt läuft, soll der Jugendtreff am 16. Juni, pünktlich zu Beginn der Kulturtage im Rheingauviertel, eröffnet werden. Die jungen Menschen dürfen die Eröffnung ihres eigenen Reiches aber natürlich schon vor dem offiziellen Teil betreten, sagt Silke Müller. „Die Jugendlichen nennen den Treff jetzt schon ‘ihre Villa’.“ (nl/lp)

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