So arbeitet die FSK-Prüfstelle

Gewalt, Drogen und Sex: Actionreiche Filme fesseln das Publikum durch ihre Spannung. Ab welchem Alter einzelne Szenen aber richtig verarbeitet werden können, ohne zu erschrecken, das prüft die FSK in Wiesbaden.

So arbeitet die FSK-Prüfstelle

Zu fünft allein im großen Kinosaal während andere im Büro am Schreibtisch sitzen. Auf der Leinwand läuft ein Film, der in den deutschen Kinos noch nicht zu sehen ist. Was vormittags im Murnau Filmtheater in Wiesbaden passiert, klingt für viele wie ein Traumjob.

Doch wenn sich ein Prüfungskomitee der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) zum Arbeiten trifft, dann müssen die Experten ganz genau hinsehen und erkennen, welche Altersfreigabe für Neuerscheinungen angemessen ist. Diese Entscheidung hat gesetzliche Wirkkraft und gilt für Kinovorstellungen und DVD-Verkäufe in ganz Deutschland.

Auf den Kontext kommt es an

Wenn ein Sturm aufzieht und eine junge Frau im Boot alleine zu einer Insel fährt, ihr die Leine vom Segel aus der Hand rutscht und sie geradewegs auf einen Felsen zusteuert, dann wandern die Blicke der FSK-Prüfer für einen kurzen Moment weg von der Leinwand hin auf ihre Notitzbögen. Sie notieren sich jede Szene, die junge Kinogänger verängstigen könnte. Doch wenn der nächste Schnitt dann zeigt, dass Rettung naht, und die große Liebe schon am Ufer wartet, kann auch der Segelunfall als „nicht nachhaltig ängstigend“ eingestuft werden.

„Kinder können nicht immer zwischen Fiktion und Realität trennen“ - Birgit Goehlnich

Szenen, die Gewalt, Drogen oder Sex zeigen, werden bei der Prüfung immer im Kontext der Geschichte beurteilt. Dafür wird die Entwicklungspsychologie von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt. „Kinder unter sechs Jahren können nicht immer zwischen Fiktion und Realität trennen. Für sie sind Filme geeignet, die eine episodische Erzählanlage haben, damit Spannung schnell wieder aufgelöst wird“, sagt Birgit Goehlnich.

„Für mich ist diese Aufgabe gelebter Jugendschutz“ - Birgit Goehlnich

Im Anschluss an die Vorführung diskutieren die Prüfer offen über kritische Szenen. „Wir geben keine pädagogischen Empfehlungen und auch keine ästhetischen Bewertungen ab. Wir achten nur auf jugendschutzrelevante Szenen und Darstellungen“, sagt Goehlnich. Sie ist als ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK der Filmwissenschaft und somit Vorsitzende des Ausschusses, der über die Altersfreigabe von Kinofilmen entscheidet. „Für mich ist diese Aufgabe gelebter Jugendschutz.“

Eine bunte Mischung

„So entsteht ein Prüfungsausschuss“ - Inge Kempenich

Mehr als 250 Prüfer werden immer wieder neu durchmischt. Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen mit und reisen aus allen Bundesländern an. An jeder Prüfung beteiligen sich neben der Vorsitzenden auch zwei von der FSK benannte Prüfer, die aus allen beruflichen Bereichen kommen. Einzige Voraussetzung: Kein FSK-Prüfer darf in der Filmwirtschaft tätig sein. Ein Vertreter der öffentlichen Hand ist ebenfalls anwesend, benannt von der katholischen oder evangelischen Kirche, dem Zentralrat der Juden oder dem Bundesjugendring. Hinzu kommt ein Jugendschutzsachverständiger aus einem der 16 Bundesländer. „So entsteht ein pluraler Prüfungsausschuss“, erklärt Inge Kempenich, Verwaltungsleiterin der FSK.

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Mit der Zeit gehen

Gegründet wurde die FSK 1949. Der erste Film „Intimitäten“ wurde noch im Biebricher Schloss geprüft. Inzwischen beurteilen die Prüfer rund 8000 Filme jährlich, neben Kinofilmen auch DVDs. Die Einschätzungen können sich dabei im Laufe der Jahre ändern. „Wenn eine ältere Fernsehserie neu auf DVD herausgebracht wird, kann es sein, dass der Publisher eine neue, der Zeit angemessene Altersfreigabe beantragt“, sagt Goehlnich. Solche Prüfungen aufgrund „veränderter Zeitumstände“ gäbe es beispielsweise häufig in Bezug auf die Sexualität.

Kommt eine DVD auf den Markt, richtet sich die FSK-Freigabe nicht nach dem Hauptfilm, sondern nach dem am höchsten eingestuften Inhalt des Datenträgers. Publisher nutzen diese Regelung oft bei Horrorfilmen aus: Indem sie einen Trailer von einem FSK-18-Film auf die DVD packen, wird die gesamte DVD höher eingestuft. Die Publisher wollen so den Eindruck erwecken, der Film sei brutaler, als er eigentlich ist.

Einstufungen und Begründungen gibt die FSK kurz vor der Veröffentlichung auf ihrer Homepage preis. Außerdem existiert eine App, die Film-Trailer zum Kinostart ohne zusätzliche Werbung anbietet. Für Filmfans gilt die App als beste Quelle, um zu wissen, was demnächst im Kino läuft.

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