Tausende Menschen, davon die allermeisten kostümiert, säumten am Sonntag die Straßen entlang des großen Fastnachts-Umzugs in Wiesbaden. Bei kaltem, aber freundlichem Wetter versammelten sich rund 350.000 Besucher entlang der Strecke und feierten ausgelassen ohne große Zwischenfälle.
Hohe Besucherzahl
Der große Fastnachts-Umzug hatte in diesem Jahr närrisches Jubiläum und wurde zum 77. Mal ausgerichet. Damit gehörte der diesjährige Umzug zu den größten in der Geschichte der Stadt. Ganz zu Beginn mussten sich die Narren auf der Friedrich-Ebert-Allee, auf Höhe des Rhein-Main-Congress-Centers, aber gedulden: Nach nur wenigen Metern kam der Zug direkt wieder zum Stehen. Laut Polizei lag das an einem „technischen Problem“: ein Zufahrtsschutz konnte nicht vollständig aktiviert werden, so dass keine (Sicherheits-)Freigabe erfolgt sei. Es habe jedoch kein sicherheitsrelevanter Vorfall vorgelegen.
Gute Laune trotz verzögertem Start
Die so zwangsweise stillstehende Marching Band „Tümpelgumper Linthal 1996“ sorgte am Zug-Anfang mit improvisierten Songs für gute Laune bei den Feiernden auf diesem Streckenabschnitt. Die Guggenmusiker aus dem Kanton Glarus (Schweiz) pflegen seit den 1960er Jahren eine freundschaftliche Verbindung mit dem Wiesbadener Stadtteil Biebrich, so die DACHO, die das Geschehen an mehreren Punkten entlang der Strecke für die Zuschauer per Lautsprecher kommentierte. Mit etwa einer halben Stunde Verspätung setzte sich der Zug dann in Bewegung.
Tausende neugierige Besucher und verkleidete Narren säumten die etwa vier Kilometer lange Strecke durch die Wiesbadener Innenstadt, die von der Friedrich-Ebert-Allee und der Wilhelmstraße in die Taunusstraße führte, um in ihrem Verlauf unter anderem am Kranzplatz, der Langgasse und dem Rathaus vorbeizuziehen.
Zahlreiche Traditionsvereine
Unter dem Motto „77 Jahre Fastnachtssonntagzug“ nahmen etwa 5200 Aktive aus zahlreichen Wiesbadener Traditionsvereinen am großen Umzug teil, berichtete die DACHO schon im Vorfeld der Veranstaltung auf ihrer Webseite. Am Sonntag selbst sorgten diese dann mit ihren Tanz- und Musikshows, ihren Wagen und jeder Menge Kamelle für sichtbare Begeisterung bei den Zuschauern. 179 Zugnummern wurden schließlich durchgesagt.
Der Wiesbadener Oberbürgermeister durfte bei dem närrischen Treiben nicht fehlen. Auch wenn er am Tag zuvor bei der symbolischen Erstürmung der Ortsverwaltung Mainz-Kastel für die Dauer der Fastnachtszeit die Macht bereits abgegeben hatte. Auf dem Wagen des facettenwerks e.V., der sich für die Inklusion behinderter Menschen einsetzt und mehrere Standorte in und um Wiesbaden betreibt, fuhr Mende (SPD) bis zum Rathaus, um die Vorbeiziehenden anschließend von dort zu grüßen.
Einsatzkräfte ziehen positive Bilanz
Für die medizinische Absicherung des Zuges waren rund 111 Einsatzkräfte der Wiesbadener Hilfsorganisationen vor Ort. Entlang der Strecke standen zehn zusätzliche Rettungswagen bereit. Zudem waren mobile Erstversorgungsteams unterwegs, und am Warmen Damm wurde eine Unfallhilfsstelle eingerichtet, teilte die Feuerwehr Wiesbaden mit.
Bis 19 Uhr am Abend zählten die Rettungskräfte insgesamt 89 medizinische Hilfeleistungen. Darunter waren 34 Einsätze für Rettungswagen und ein Notarzteinsatz. Das Niveau der Einsätze bewege sich in einem ähnlichen Bereich wie in den Vorjahren, so die Bilanz.