Die Geschichte des Wiesbadener Hauptbahnhofs

Über 40.000 Fahrgäste bedient der Hauptbahnhof Wiesbaden jeden Tag. Jetzt feiert er sein 110-jähriges Jubiläum.

Die Geschichte des Wiesbadener Hauptbahnhofs

Für viele Reisende ist er das Tor nach Wiesbaden: der Hauptbahnhof. Schon seit über hundert Jahren ist er das Herz des öffentlichen Verkehrs in der Landeshauptstadt. Doch das war nicht immer so. Als Wiesbaden im 19. Jahrhundert seinen Aufstieg zu einer bedeuteten Kurstadt erlebte, gab es noch drei Bahnhöfe in der Innenstadt. Diese waren der Taunusbahnhof, Rheinbahnhof sowie der Ludwigsbahnhof, die alle unterschiedliche Bahnstrecken bedienten. Um die, vor allem durch den Kurbetrieb, angestiegenen Fahrgastzahlen besser bewältigen zu können, entschied sich die Stadt 1904 für den Bau eines zentralen Hauptbahnhofs. 1906 war es so weit: Der neue Hauptbahnhof wurde eröffnet.

Der Kaiser-Bahnhof

„Kaiser Wilhelm II. hatte sich sehr um die Gestaltung des Bahnhofs bemüht“ - Bernhard Hager

Beauftragt mit dem Bau wurde der Architekt Fritz Klingholz, der sich schon mit der Errichtung des Koblenzer und Essener Bahnhofs einen Namen gemacht hatte. Doch auch eine andere prominente Person hatte bei dem Bau des im neogotischen Stil errichteten Bahnhofs mitgewirkt: „Kaiser Wilhelm II. hatte sich sehr um die Gestaltung des Bahnhofs bemüht“, erzählt Bernhard Hager. Der Wiesbadener Historiker hat sich intensiv mit der Geschichte des Gebäudes beschäftigt. So sollen besonders die roten und grünen Ziegel auf dem Dach des Bahnhofs auf die Ideen des Kaisers zurück gehen. Beim 40 Meter hohen Uhrturm setzte sich der Kaiser gegen den Architekten durch, der ursprünglich ein noch höheres Bauwerk anstrebte. Dass der König auch zur Eröffnung 1906 erschien, sei laut Hager aber eine Legende.

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Alles für die Kur

„Durch die Tallage von Wiesbaden war ein Kopfbahnhof alternativlos“ - Bernhard Hager

Dass der Wiesbadener Hauptbahnhof als - besonders für den Fernverkehr - eher ungünstiger Kopfbahnhof geplant wurde, habe laut Hager ganz bestimmte Gründe: „Durch die Tallage von Wiesbaden war ein Kopfbahnhof alternativlos“, sagt der Historiker. Um einen Durchgangsbahnhof zu ermöglichen, hätte der Bahnhof deutlich weiter von der Innenstadt entfernt errichtet werden müssen. Ein Vorteil eines Kopfbahnhofes ist es aber, dass sich die Gleise auf der selben Ebene wie der Eingang befinden. „Damals gab es ja noch keine Rolltreppen. Für viele Kurgäste wäre das Treppensteigen sehr beschwerlich gewesen“, so Hager. Dazu lebten zum Beginn des 20. Jahrhunderts viele wohlhabende Pensionäre in Wiesbaden.

So erklärt sich auch die damals sehr prunkvolle Gestaltung der Eingangshalle. Dazu gab es neben Gleis 1 den Kaiserpavillon, wo die höchsten Herrschaften auf ihre Züge warteten. Der Pavillon wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Fassade lässt sich heute am Gleis aber noch gut erkennen.

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Hauptbahnhof ist heute überdimensioniert

Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder Versuche, den Wiesbadener Bahnhof besser an das Fernverkehrsnetz anzubinden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Fernverkehr aber immer stärker auf die linke Rheinseite verlegt, da sich Mainz mit seinem Durchgangsbahnhof deutlich besser dafür eignete. „Daher wirkt der Bahnhof heute etwas überdimensioniert“, meint Hager. Trotzdem sei Wiesbaden durch die schnellen Verbindungen nach Frankfurt und Mainz sehr gut an das Verkehrsnetz angebunden. Im Laufe des 20.Jahrhunderts kam es immer wieder zu Modernisierungen am Bahnhof, zuletzt zwischen 2009 und 2013, als die Eingangshalle komplett neu gestaltet wurde.

Zum Geburtstag des Bahnhofs ist von der Stadt keine Feier geplant, was Bernhard Hager sehr bedauert. „Wir haben einen sehr schönen und geschichtsträchtigen Bahnhof in Wiesbaden, das könnte die Stadt durchaus mehr würdigen.“ Auch das 100-jährige Jubiläum vor zehn Jahren sei von offizieller Seite kaum gewürdigt worden.

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