Fünfmal so viel Windkraft auf derselben Fläche: „Der Graslutscher“ im NDR

Der Publizist erzählt im Gespräch mit Bettina Tietjen, warum es aus seiner Sicht trotz Klimakrise „Grund zum Hoffen“ gibt.

Fünfmal so viel Windkraft auf derselben Fläche: „Der Graslutscher“ im NDR

„Bitte alles doppelt so viel, doppelt so schnell, doppelt so motiviert“ – das wünscht sich der Wiesbadener Autor Jan Hegenberg in Bezug auf seine Spezialthemen Nachhaltigkeit und Energiewende. In der NDR-Sendung „DAS!“ vom 8. Januar erzählt er, dass die Voraussetzungen für seine ehrgeizigen Ziele längst da seien. Man müsse nicht den Weltuntergang beschwören, sondern nur wissen, was gegen ihn zu tun sei. Und es dann auch wirklich tun.

Moderatorin Bettina Tietjen spricht mit Hegenberg unter anderem darüber, wie er trotz der besorgniserregenden Forschungsberichte zum Klima so optimistisch bleiben könne. Der Autor erklärt, dass er den Forschern zugleich Glauben schenken und dennoch an eine Besserung des Klimanotstands glauben könne. Der Blick werde nämlich zu wenig auf die Möglichkeiten gelenkt. Jedes Zehntel Grad Erderwärmung, das verhindert werden könne, sei ein Gewinn. Man müsse und könne die Klimakrise mit vielen kleinen Schritten angehen.

Jedes verhinderte Zehntel Grad Erderwärmung zählt

Für den wichtigsten Schritt hält Hegenberg die Energiewende. Drei Viertel der weltweiten Emissionen kämen aus der Energiewirtschaft. Das bedeute, dass dieser „große Brocken“ nur einmal angegangen werden müsse, wenn man viel erreichen wolle. Die Technik dafür sei bereits da. Beispielsweise seien die neuesten Windräder deutlich effektiver als die Modelle, die aktuell noch auf den meisten deutschen Flächen stünden. Es wäre problemlos möglich, mit derselben Menge an Fläche vier- oder sogar fünfmal soviel Energie zu produzieren, wenn man die Anlagen mit den neuesten Modellen ausstatte, so Hegenberg. Das sei doch eigentlich eine sensationelle Aussicht. Es sei nur komplett versäumt worden, darüber zu berichten. Die Prioritäten seien andere gewesen.

Hegenberg erzählt, dass er die Folgen des Ukrainekriegs – speziell die Energiekrise – als Brennglas betrachte, unter dem die bisherigen Versäumnisse in der Energiepolitik deutlich hervortreten: Zum einen müssten die langwierigen Genehmigungsverfahren für Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen vereinfacht werden. Zum anderen könne es nicht sein, dass Energie aus fossilen Ressourcen noch immer so viel günstiger sei als erneuerbare. „Für uns war immer klar: Das Benzin kommt aus der Zapfsäule und der Strom kommt aus der Steckdose“, so Hegenberg. „Dass das alles super ineffizient aus Ländern kommt, mit denen wir auch wenige Werte teilen, das haben wir immer von uns weggeschoben und jetzt stehen wir ein bisschen mit heruntergelassenen Hosen da.“ Statt in Schockstarre zu verfallen, sollte man jetzt die Chance zum Handeln ergreifen und ausbügeln, was in den letzten Jahren versäumt wurde.

Vom Veganismus zum Graslutschen

Neben weiteren Fragen zur Energiewende beantwortet Hegenberg auch die Frage, wieso er als Blogger „Der Graslutscher“ heißt. „Das kommt noch aus der Zeit, als ich eigentlich nur über vegane Ernährung gebloggt habe“, verrät er. „Da war die Stimmung sehr aggressiv und wenn man irgendwo gesagt hat, dass man vegan isst – vegetarisch reicht eigentlich auch schon – dann wurde man oft im Internet als ‘Graslutscher’ beschimpft. Und wenn man das Schimpfwort dann selbst als sein Pseudonym verwendet, dann ist es für die Gegner langweilig, das weiter zu benutzen.“

Die ganze Sendung könnt ihr in der ARD-Mediathek anschauen.

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