Wie der Mordprozess gegen Ali B. Wiesbaden 2019 bewegte

Der Mord an der 14-jährigen Schülerin Susanna hatte 2018 über die Grenzen Wiesbadens hinaus für Entsetzen gesorgt. Auch der Prozess beschäftigte die Menschen 2019.

Wie der Mordprozess gegen Ali B. Wiesbaden 2019 bewegte

Wiesbaden hatte im Jahr 2019 viele spannende Geschichten zu bieten. Für Aufsehen hatte der Mordprozess gegen Ali B. gesorgt. Die Gerichtstermine zogen sich über mehrere Monate, ihre Entwicklung zeichnen wir im vierten Teil unseres Jahresrückblicks noch einmal nach.

So einen Andrang wie am 12. März hatte das das Wiesbadener Justizzentrum in der Mainzer Straße in seiner zehnjährigen Geschichte noch nicht erlebt. Bei kühlen Frühlingstemperaturen bildeten sich schon vor 7 Uhr lange Schlangen vor dem Eingang des Gebäudes, flankiert von Dutzenden Einsatzfahrzeugen der Polizei. Grund für die Menschenmassen war der Auftakt zu einem Strafprozess, über den in Wiesbaden 2019 viel gesprochen wurde. Auf der Anklagebank saß der 22-jährige irakische Flüchtling Ali B. Er wurde beschuldigt, im Mai 2018 die 14 Jahre alte Mainzer Schülerin Susanna in einem Waldstück bei Erbenheim zuerst vergewaltigt, dann ermordet und in einem Erdloch verscharrt zu haben.

Großes Medieninteresse

Unter großem Medien- und Zuschauerinteresse schilderten zahlreiche Zeugen und Dokumente eine Geschichte, die etwa im Frühjahr 2018 begann. Die 14-Jährige Susanna hatte in Wiesbaden einen neuen Freundeskreis gefunden, darunter auch ein paar Jungs, die in Wiesbadener Flüchtlingsheimen wohnten. In der Gruppe befand sich auch Keysi, der 14-jährige Bruder von Ali B., in den Susanna verliebt gewesen sein soll. So lernte auch Ali Susanna kennen. Gegenüber Freunden soll er schon früh gesagt haben, dass er gerne Sex mit ihr haben wollte. Am Abend des 22. Mai setzte Ali B. dann seine Pläne in die Tat um. Er lockte Susanna auf ein Feld in der Nähe seiner Unterkunft in Erbenheim, wo er sie vergewaltigte. Als sie dann damit drohte, zur Polizei zu gehen, erwürgte er sie und vergrub ihre Leiche im Wald.

Zwar hatte Ali B. schon vor dem Prozess gestanden, Susanna ermordet zu haben, die Vergewaltigung bestritt er aber. Dass diese Darstellung so aber nicht der Wahrheit entsprach, wurde beim Prozess schnell klar. „Man braucht schon viel Phantasie, zu glauben, dass es einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gab“, erklärte der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk in seinem Urteil. Auf der einen Seite formten Susannas Mutter und ihre Freundinnen ein Bild von einem zurückhaltenden Teenager, die wohl kaum freiwillig mit einem sieben Jahre älteren Mann im Wald Sex haben würde. Zudem sorgte der Angeklagte mit seiner Gleichgültigkeit während des Prozesses für Fassungslosigkeit bei vielen Beobachtern.

Lebenslänglich

In seinem Urteil beschrieb Bonk Ali B. als einen Mörder, der liberale, westlich lebende Frauen verachtete. Er sehe sie als minderwertig an und auch seine Aussage „Ich habe doch nur ein Mädchen totgemacht“ untermauerte dies. Entsprechend hart fiel auch das Urteil nach fast 20 Prozesstagen aus: Wegen Mord und Vergewaltigung an Susanna erhielt Ali B. im Juli die Höchststrafe lebenslänglich, darüber hinaus ordnete er die Prüfung einer Sicherungsverwahrung nach Ende der Haftstrafe an. (js/ts)

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