Wiesbadener Comedy-Künstlerin spricht über ihren Alltag in der Corona-Krise

Weil Live-Auftritte im Moment nicht möglich sind, nutzt die Wiesbadener Comedy-Künstlerin Negah Amiri die Zeit für Online-Auftritte und inspirierende Spaziergänge im Wiesbadener Kurpark.

Wiesbadener Comedy-Künstlerin spricht über ihren Alltag in der Corona-Krise

Für viele Künstler bedeutet die Arbeit während der Corona-Maßnahmen Ausnahmezustand. So auch für die Wiesbadener Comedy-Künstlerin Negah Amiri. Im Interview mit Merkurist erzählt sie, wie sie die Bühnenpause nutzt, und warum Online-Auftritte für Künstler so wichtig geworden sind.

Wie lange ist Dein letzter Live-Auftritt her und auf welcher Bühne standest Du?

Mein letzter Auftritt auf der Bühne war bei „NightWash“ in Köln. Das war allerdings ein Livestream ohne Publikum. Es war eine tolle Erfahrung. Außerdem wurden Zuschauer über Zoom virtuell in den Waschsalon geschaltet.

Wie viele Live-Auftritte hast Du normalerweise?

Auf offenen Bühnen habe ich drei Mal die Woche Auftritte, um neues Comedy-Material für mein Soloprogramm zu testen. Bezahlte Auftritte habe ich circa ein Mal die Woche, je nach Saison. Im Sommer gibt es deutlich weniger Aufträge, dafür aber im Oktober teilweise drei Stück pro Woche.

Wie nutzt Du die Zeit ohne die Bühne?

„Ich verbringe deshalb viel Zeit in der Natur zum Beispiel im Wiesbadener Kurpark.“

Letzten Monat hatte ich viel für die „Die Faisal Kawusi Show“-Aufzeichnungen in SAT.1 zu tun. In der Show durfte ich sowohl mit Comedy-Sketchen als auch als Instagram-Expertin teilnehmen. Außerdem nutze ich die Zeit, um meine Videos, die ab Juni auf allen Channels geteilt werden, auszuarbeiten. Ich produziere generell auch viele Online-Beiträge, in dieser Hinsicht eignet sich die aktuelle Situation gut. Ansonsten versuche ich die freie Zeit für mein Stand-up-Programm zu nutzen. Ich verbringe deshalb viel Zeit in der Natur zum Beispiel im Wiesbadener Kurpark – ein schöner Ort, um abzuschalten und über neue Ideen, die mehrere Menschen zum Lachen bringen können, nachzudenken.

Auf der Bühne kann man Dich zwar derzeit nicht sehen, aber in der App „Smyle“. Was steckt hinter diesem Angebot?

Smyle ist eine neue App, die uns Comedians eine zusätzliche Plattform bietet, um auf uns aufmerksam zu machen – wie ein virtueller Comedy-Club. Ich finde es sehr schön, dass es diese Möglichkeit gibt, eine größere Fanbase aufzubauen und eine größere Zielgruppe zu erreichen. Plattformen wie Smyle und auch Webshows und TV-Aufzeichnungen unterstützen uns Künstler zusätzlich und geben uns in der Öffentlichkeit eine Stimme.

Wie wichtig sind solche „Alternativen“ derzeit für Künstler, die den Großteil ihrer Einnahmen normalerweise durch Live-Auftritte haben?

Ich finde nicht nur in dieser Phase, sondern generell sind Online-Beiträge und Plattformen enorm wichtig für uns Künstler. Ich liebe es coole Videos zu produzieren und ich liebe dieses Gefühl, dass manche Comedians auf Facebook oder Instagram teilweise Millionen von Menschen erreichen und tausende von Likes und Kommentare erhalten. Wenn ich dann die Zuschauer teilweise in Real-Life treffe, kann ich es manchmal kaum glauben, wie effektiv die so genannten Alternativen für uns Künstler sind.

Gerade in Krisenzeiten tut Humor ja bekanntlich gut. Wie wichtig ist es für die Leute im Moment, „einfach mal nur unterhalten“ zu werden?

„Humor verbindet.“

Humor ist für mich persönlich schon immer die einfachste Variante gewesen, um mit schwierigen Situationen und Schmerz umzugehen. Dinge mit Humor zu nehmen, ist eine Entscheidung und beweist Stärke. Humor verbindet. Unterhaltung ist sehr, sehr wichtig und systemrelevant, und damit meine ich persönlich die Unterhaltung jeglicher Art. Es muss nicht immer ein Künstler auf der Bühne sein, sondern kann auch der nette Bäcker von nebenan sein, der einen lustigen Witz erzählt, und uns zum Lachen bringt.

In Deinem Programm nimmst Du kein Blatt vor den Mund. Besonders gerne sprichst Du viel über Deine Kindheit und Jugend in Deutschland. Wie viel Wiesbaden steckt in Deinen Geschichten?

„Wiesbaden ist echt mein Zuhause geworden. “

Wiesbaden ist echt mein Zuhause geworden. Obwohl ich mittlerweile sehr viel reise und viele tolle Städte in Deutschland sehe, freue ich mich immer wieder hier zu sein. Gerade weil viele Geschichten, die ich im Programm erwähne, hier in Wiesbaden oder in der Umgebung geschehen sind. In Wiesbaden bin ich das erste Mal in Deutschland zur Schule gegangen, habe die ersten Freunde gefunden, die ersten Berufserfahrungen gesammelt und mein überdurchschnittlich schlechtes Abitur gemacht. Im Allgemeinen gesagt: Die ersten wichtigen Erfahrungen gemacht und natürlich auch mal Fehlentscheidungen getroffen, zum Beispiel im Bezug auf meinen Exfreund.

Und das Thema Corona? Könntest Du Dir auch vorstellen, den Alltag in der Krise irgendwann in einem Comedy-Programm zu verarbeiten?

Ich glaube die erste Zeit nicht, weil wir erstmal alle froh sind, wenn wir den Begriff ‚Corona‘ nicht mehr so oft hören müssen. Ich glaube, wenn ein bisschen Zeit vergangen ist, wird der ein oder andere Gag über Corona fallen. Eins kann ich aber garantieren: keine Klopapierwitze, denn das Thema liegt mir zu sehr am Herzen (lacht). (ms)

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