So erlebte ein Anwohner die Festnahme des mutmaßlichen Terroristen in Mainz

Am Samstag nahm die Polizei in Mainz-Marienborn einen Syrer fest, der einen Terroranschlag in den Niederlanden geplant haben soll. Ein Anwohner erzählt, wie der Einsatz und die Festnahme abliefen.

So erlebte ein Anwohner die Festnahme des mutmaßlichen Terroristen in Mainz

Blaulicht, brüllende Polizisten und klickende Handschellen: Was wie eine Szene aus einem Actionfilm klingt, ist am Samstag im zweitkleinsten Stadtteil von Mainz passiert. Nachmittags nahm die Polizei in der Straße „Im Borner Grund“ in Marienborn einen 26-jährigen Syrer fest, der einen terroristischen Anschlag in den Niederlanden mitgeplant haben soll (wir berichteten). Anwohner Julius Georg war Augenzeuge der Festnahme und erzählt gegenüber Merkurist, wie er den Einsatz erlebte.

Eigentlich wollte Georg gegen 13:30 Uhr zur Arbeit gehen, doch dann bemerkte er, dass die Straße voll mit Polizeiautos und Blaulicht war. Durch das Fenster konnte er beobachten, wie vier Polizisten einen Mann aus einem Auto zerrten und ihm Handschellen anlegten. „Die ganze Straße war gesperrt, niemand wurde durchgelassen“, sagt Georg. Auch er selbst wurde von den Zivilbeamten aufgehalten und durfte sein Grundstück nicht verlassen. „Es standen mehrere Streifenwagen quer, etwa 10 bis 15 Polizisten waren da.“ Auch andere Anwohner verfolgten den Einsatz, während die Polizei die Wohnung durchsuchte, in der sich der Syrer zuvor aufhielt.

„Wir wussten nicht, was vor sich geht. Es wurde absolut geheim gehalten.“ – Julius Georg, Augenzeuge

Dass es sich bei dem 26-Jährigen um einen mutmaßlichen Terroristen handelt, wusste Georg zu dem Zeitpunkt nicht. Gesehen hatte er den Mann davor noch nie. Laut Polizei hatte er keinen festen Wohnsitz in Deutschland, lebte wahrscheinlich nicht in Marienborn. Bei Nachfragen der Anwohner während des Einsatzes schwieg die Polizei. „Wir wussten nicht, was vor sich geht. Es wurde absolut geheim gehalten“, so Georg. Generell sei die Situation sehr angespannt gewesen. „Als ich mit meinem Handy ein Foto machen wollte, hat ein Polizist mich angebrüllt, dass ich es wieder einstecken soll.“

Einsatz „stärkt den Glauben an die deutsche Polizei“

Trotzdem ist Georg froh, Augenzeuge des Einsatzes gewesen zu sein. „Es war gut, mit eigenen Augen zu sehen, dass die Polizei hinter solchen Leuten her ist. Das stärkt den Glauben an die deutsche Polizei.“ Auch die Straßensperrung lobt er. „Das war ein großer Aufwand. Die Autos standen quer auf der Straße, niemand kam mehr durch. Daran sieht man, dass der Einsatz geplant war.“

Inzwischen hat sich die Lage in Marienborn wieder beruhigt. Laut dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz (LKA) führt die Polizei in Rotterdam die Ermittlungen. Wie das Nachrichtenmedium Focus Online berichtet, hatte die niederländische Polizei dort am Samstagvormittag bereits vier Männer wegen Terrorverdachts festgenommen. Der 26-jährige Syrer wurde am heutigen Sonntag dem Haftrichter in Mainz vorgeführt. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz wird schnellstmöglich den Erlass eines Auslieferungshaftbefehls bei dem Oberlandesgericht Koblenz beantragen. Bis zur Entscheidung, die Ende der ersten Januarwoche erwartet wird, verbleibt der Festgenommene in Deutschland in Haft.

(rk)

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