City-Manager: „Sicherheit und Sauberkeit sind die drängendsten Themen“

Gut drei Monate lang ist Wiesbadens City-Manager Axel Klug nun im Amt. Kein leichter Start in Zeiten von Corona. Im Interview spricht er über seine ersten Monate, wie es um die Wiesbadener Innenstadt steht und welche Ziele er sich gesetzt hat.

City-Manager: „Sicherheit und Sauberkeit sind die drängendsten Themen“

Seit Anfang Februar hat Wiesbaden mit Axel Klug einen City-Manager. Er soll — wenn es nach der Stadt geht — Kümmerer und Ideengeber sein und zwischen Einzelhändlern, Gewerbetreibenden und Immobilienbesitzern in der Innenstadt vermitteln. Aber auch die Entwicklung von neuen Ideen und Konzepten gehört zu seinen Aufgaben. Alles mit dem Ziel, Wiesbadens Innenstadt attraktiver zu machen. Nicht leicht, in Zeiten von Corona. Wir haben Klug gefragt, wie er diese Ziele und die derzeitigen Beschränkungen unter einen Hut bekommt und was sich in Wiesbaden verändern muss.

Herr Klug, Sie sind jetzt seit Anfang Februar im Amt – Wie würden Sie die erste Zeit als Citymanager in Wiesbaden beschreiben?

Vor dem Beginn der Coronakrise war ich zum einen mit der Kontaktaufnahme zu den relevanten Akteuren hier in Wiesbaden beschäftigt und zum anderen auch in den Umzug des Referats für Wirtschaft und Beschäftigung eingebunden. Unmittelbar nach dem Bezug des neuen Büros trat die Krise ein, die mich nun seit Wochen beschäftigt.

Insgesamt würde ich sagen, konnte das gesamte Team des Referats für Wirtschaft und Beschäftigung sehr gut informieren und somit auch für ein wenig Ruhe in der anfänglichen Aufregung sorgen. Das gilt natürlich für den innerstädtischen Einzelhandel, der überproportional stark von der Krise betroffen ist und von mir betreut wird.

Das heißt, Sie haben Ihr neues Büro auf dem Mauritiusplatz bereits bezogen?

Ja, dies ist in den ersten Wochen, genauer Anfang März, geschehen. Nun befinde ich mich „mitten im Geschehen“ und konnte natürlich auch während der Coronakrise mit verschiedenen Geschäftsleuten Kontakt halten.

Bei Ihrer Vorstellung Ende Januar haben Sie gesagt, Sie möchten sich zunächst mal mit den wichtigen Akteuren vernetzen. Wie gut ist Ihnen das bisher gelungen und welche Rolle spielt Corona nun dabei – können Sie das derzeit überhaupt noch?

Wie ich eingangs bereits erwähnt hatte, war ich unter anderem mit der Kontaktaufnahme zu den wichtigen Akteuren der Stadt beschäftigt, als die Coronakrise den Vorstellungsrunden ein jähes Ende bereitete. Direkte Kontakte sind zwar noch stark eingeschränkt, allerdings wird regelmäßig per E-Mail, zusätzlich per Telefon kommuniziert. Auch Skypekonferenzen wurden bereits abgehalten oder sind in Planung.

Sie haben außerdem zu Beginn gesagt, dass Sie den „privaten Blick“, den Sie zu diesem Zeitpunkt auf die Stadt hatten, nun professionalisieren wollen. Wie hat sich denn Ihr Blick bislang verändert, was ist Ihnen aufgefallen?

Mein privater Blick auf die Stadt hat sich verfestigt und hält auch der professionellen Betrachtung stand. Mein erster Eindruck war, dass sich die Einkaufsinnenstadt Wiesbaden gar nicht in einem so schlechten Zustand befindet, wie von manchen Protagonisten beschrieben. Natürlich ist nicht „alles Gold was glänzt“, und es gibt einige Stellen, die sich gern noch etwas weiter entwickeln können.

Dazu hatte ich schon einige gute Gespräche mit Händlern, die mir Hinweise gaben und meinen Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung. Ein gutes Beispiel hierfür ist das „Refit“-Programm, das die bereits sanierte Fußgängerzone erneut verbessern soll.

Sie haben gesagt, sie wollen den Fokus zunächst auf Sicherheit und Sauberkeit legen. Warum haben Sie diese Auswahl getroffen? Und wurden in diesen Kategorien schon Maßnahmen umgesetzt?

Das Thema Sauberkeit und Sicherheit entwickelte sich in Wiesbaden in den letzten Jahren offensichtlich zu einem drängenden Thema und geriet so stark in den Fokus der Öffentlichkeit und der Stadtpolitik. Bürgermeister Dr. Franz hatte ja schon vor meinem Dienstbeginn mit verschiedenen Maßnahmen sowohl die innerstädtische Sicherheit als auch Sauberkeit gestärkt.

Aus genau diesem Grund hatte ich schon in den ersten Wochen Kontakt zum Ordnungsamt, beziehungsweise der Stadtpolizei und den ELW gesucht, um mich mit den zuständigen Akteuren zu vernetzen und die bisher erfolgten Schritte kennen zu lernen. Nach der Besprechung mit den ELW habe ich mir sofort die „Sauberes Wiesbaden“-App herunter geladen, welche mittlerweile mehrmals erfolgreich zum Einsatz kam. So konnte die Fußgängerzone schnell von ärgerlichen Hinterlassenschaften ignoranter Mitmenschen befreit werden. Diese App kann jede und jeder herunterladen und sich so an einem sauberen Erscheinungsbild — übrigens völlig anonym — beteiligen.

Obwohl ich als City-Manager kein städtischer Hilfspolizist bin, hatte ich, was die Sicherheit betrifft, bereits vor Corona, bei einigen Zeitgenossen klare Worte gefunden. Natürlich können das auch Bürgerinnen und jeder Bürger mit der nötigen Vorsicht tun. Wenn unfreundliche Reaktionen kommen, sollte man allerdings auf jeden Fall sehr schnell Unterstützung durch die Stadtpolizei anfordern. Mit ein wenig Aufmerksamkeit und einem freundlichen Hinweis auf die Regeln des Zusammenlebens können sich die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener ein Stück ihrer liebenswerten Stadt zurückholen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Leerstand und Vermietung in der Innenstadt – herrscht hier Handlungsbedarf?

Das Verhältnis von Leerstand zu Vermietung war in Wiesbaden vor der Coronakrise relativ gut. Natürlich hat man Leerstände gesehen, was aber nicht immer gleichbedeutend ist mit Flächen die tatsächlich auch zur Vermietung stehen. Manchmal sind bereits neue Mietverträge geschlossen, alte laufen — trotz Auszug — noch, oder Baugenehmigungen für Umwidmungen wurden erteilt. Bei den „echten“ Leerständen können aber auch die Vorstellungen von Vermieter und Mietinteressenten manchmal weit auseinander liegen, so dass man sich nicht auf eine Vertragsgrundlage einigen kann.

Hier wurden erste Ansätze mit Hauseigentümern Gespräche zu führen jäh von der Coronakrise ausgebremst. Wie sich das nun in den nächsten Monaten weiter entwickelt, kann seriös niemand voraussagen. Allerdings bin ich im Kontakt mit der Immobilienbranche, auch im Rahmen der Branchengespräche des Referats für Wirtschaft und Beschäftigung.

Und darüber hinaus – Was planen Sie, in Zukunft anzupacken / zu verändern?

Für mich ist es wichtig ein tragfähiges Netzwerk aus „Enablern“, also Möglichmachern, zu bilden. Wie Sie sich sicher vorstellen können, kann ein City-Manager manche Tür öffnen, Ideen liefern und vielleicht auch mal die eine oder andere Aktion anstoßen, aber nie alleine! Auch das Referat für Wirtschaft und Beschäftigung, von dessen Team ich ein Teil bin, kann nicht im „luftleeren Raum“ agieren. Wir brauchen auch Mitgestalter und tragfähige Netzwerke die uns Feedback auf unsere Gedanken liefern oder — noch besser — eigene Vorstellungen einbringen, deren Umsetzung wir unterstützen können. Das sind jedoch Dinge, die in den Medien erst diskutiert werden können wenn sie konkret werden.

Was ist — wenn die Corona-Einschränkungen aufgehoben sind — das erste, was Sie in der Stadt wieder tun möchten?

Ich freue mich darauf, dass die Geschäfte wieder öffnen und ich frei ein- und ausgehen kann, wie es mir gerade in den Sinn kommt. Wenn ich dann außer einzukaufen auch noch Cafés und Restaurants besuchen kann, kommen wir dem urbanen Leben schon wieder ganz nah. Natürlich gehören dann auch Kultur, Feste und private Feiern dazu — aber bis dieser Idealzustand erreicht ist, kann es noch ein wenig dauern.

Wie das Geschäftsleben in der Stadt sinnvoll wieder in Schwung gebracht wird ist ein Thema, welches wir im Referat für Wirtschaft und Beschäftigung diskutieren und worüber ich mich auch schon mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen in anderen Städten ausgetauscht habe. Hier gilt es, die Balance zu finden, um die bereits erfolgte Öffnung der Geschäfte nicht durch Aktionismus zu gefährden. Weder Ladenbesitzer noch Kunden mögen lange Warteschlangen vor den Geschäften. Hier ist natürlich jeder Einzelne angehalten in den Randzeiten zu shoppen. (ms)

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