Mit Migrationshintergrund bei der Polizei: Drei Wiesbadener Beamte erzählen

Matthias Frontczak, Suayip Bilir und Abdellah Amrouch haben einen Migrationshintergrund und arbeiten bei der Polizei. Als Migrationsbeauftrage sorgen sie dort für ein gutes Miteinander.

Mit Migrationshintergrund bei der Polizei: Drei Wiesbadener Beamte erzählen

Die hessische Polizei wird vielfältiger. Laut einer Studie des „Mediendienst Integration“ hat sich der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund im Polizeidienst in den letzten sechs Jahren verdoppelt. Auch im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden ist der Anteil gestiegen.

Bindeglied

Drei von ihnen sind Matthias Frontczak, Suayip Bilir und Abdellah Amrouch. Sie alle fungieren als Migrationsbeauftragte in dem Wiesbadener Präsidium. „Wir sind das Bindeglied zwischen den ausländischen Communities und der Polizei“, erklärt Bilir ihre Aufgaben. Aufgrund seines türkisch-muslimischen Hintergrunds ist der gebürtige Wiesbadener die Kontaktperson bei den muslimischen Gemeinden: „Bald steht ja wieder der Fastenmonat Ramadan an. Dann kommt es manchmal zu Konflikten mit den Anwohnern, etwa wenn es beim Freitagsgebet zu Parkplatzproblemen kommt, oder es abends beim Fastenbrechen etwas lauter wird.“

„Wenn es in den Communities zu Problemen kommt, sind wir der erste Ansprechpartner“, sagt Frontczak, der aufgrund seiner polnischen Wurzeln für die slawische Bevölkerung zuständig ist. Man kläre die Menschen über die richtigen Verhaltensweisen in Deutschland auf, auch den Umgang mit der Polizei.

Eine große Baustelle für die Beauftragten waren in den vergangenen drei Jahren die vielen Flüchtlinge, die nach Wiesbaden gekommen waren. Auch hier waren die drei die ersten, die in den Unterkünften mit den Menschen in Kontakt traten: „Ganz wichtig zu Beginn waren vertrauensbildende Maßnahmen. Diese Menschen haben aus ihren Herkunftsländern ein sehr schlechtes Bild von der Polizei, das wir so versuchen zu nehmen“, erklärt Bilir. Weiterhin helfen sie etwa, bei Krisen zu intervenieren. „Wir dienen aber auch als Vorbild für die Jugendlichen, die sich für eine Karriere bei der Polizei interessieren.“

Seit 25 Jahren

Amrouch ist schon seit 25 Jahren als Migrationsbeauftragter bei der Wiesbadener Polizei, dabei hatte der studierte Chemiker zuvor eigentlich gar nichts mit der Polizei zu tun: „Die Polizei hatte Anfang der 90er-Jahre Menschen aus dem türkischen und nordafrikanischen Raum gesucht, daraufhin habe ich mich dann beworben.“ Seine Aufgabe war es, mit den Moscheen in den Dialog zu treten. Da es zu diesem Zeitpunkt noch kaum Polizisten mit Migrationshintergrund gab, traf er auf viel Skepis: „Auf beiden Seiten dachten manche, dass ich als eine Art ‘Spitzel’ fungieren könnte.“

Mittlerweile seien aber sowohl bei den Beamten als auch in der Bevölkerung Polizisten mit Migrationshintergrund völlige Normalität. Und das sei auch gut so, wie Bilir findet: „Wir haben alle auf das Grundgesetz geschworen, dass wir allen Menschen helfen wollen.“ Daher machen sie die Vorfälle in der Polizei, mit Bezug zum Rechtsextremismus, umso betroffener: „Durch wenige Ausreißer wird das Vertrauen in die gesamte Polizei beschädigt“, sagt Frontczak. Gerade sie als Migrationsbeauftragte würden sich besonders dafür einsetzen, dass so etwas bei der Polizei nichts zu suchen habe. Sie hoffen, dass durch ihre Arbeit das Bild der Polizei aber weiterhin bei allen Bevölkerungsteilen positiv bleibt. (ts/lp)

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