Warum auf dem Dach eines Wiesbadener Hotels Bienen wohnen

Seit einem Jahr befinden sich auf dem Dach eines Nordenstadter Hotels drei Bienenvölker. Der Honig, der dort produziert wird, kommt auch auf den Frühstückstisch der Hotelgäste.

Warum auf dem Dach eines Wiesbadener Hotels Bienen wohnen

Auf dem Hoteldach des *Courtyard by Marriott *-Hotels in Nordenstadt stürmt es am Donnerstag noch kräftiger als sonst. Am Himmel steigen schwarze Wolken auf, immer wieder blitzt es. Das immer näher kommende Gewitter bemerken auch die drei Bienenvölker, die seit einem Jahr auf dem Dach des Hotels wohnen. „Die Bienen sind nervös wegen des Wetters“, erklärt Johannes Wolf. Der Imker ist für die über 60.000 Bienen auf dem Dach verantwortlich.

Er lässt sich aber weder durch das drohende Unwetter noch durch die umherschwirrenden Bienen aus der Ruhe bringen. Mit stoischer Ruhe - und ohne Schutzkleidung - greift er in den Bienenstock. Dass sich dabei hunderte Bienen auf seinem Arm niederlassen, macht ihn nicht nervös: „Meine Bienen sind gut erzogen, da brauche ich keine Angst vor Stichen haben.“ Dazu gehöre natürlich auch eine gewisse Erfahrung als Imker, wie man es vermeidet, gestochen zu werden. Gerade ist er dabei, das bereits dritte Bienenvolk auf dem Hoteldach heranzuzüchten, zwei weitere bestehen schon seit dem vergangenen Jahr.

Honig für Hotelgäste

Die Idee, Bienen auf dem Hotel anzusiedeln, kam dem Courtyard by Marriott Nordenstadt im Rahmen eines grünen Projekts der Hotelkette, erklärt Stefan Krämer von der Presse-Agentur des Hotels. Gemeinsam mit dem Imkerverein Wiesbaden wurde das Projekt dann im vergangenen Jahr gestartet. Und die Brummer scheinen sich hoch über dem Gewerbegebiet Nordenstadt wohl zu fühlen, vor wenigen Tagen konnte der erste Honig für dieses Jahr geschleudert werden, fast 30 Kilo kamen dabei zusammen. Der fertige Honig wird jetzt den Hotelgästen serviert.

„Das ist eine tolle Sache für die Gäste, viele sind verblüfft, dass der Honig auf ihrem Frühstückstisch quasi direkt aus dem Haus kommt“, sagt Krämer. Sonst würde die Gäste aber nicht viel von den Bienen mitbekommen, zu Beschwerden über lästige Flieger in den Hotelzimmern sei es laut Krämer jedenfalls noch nicht gekommen. Für die Zukunft plant das Hotel eine Webcam auf dem Dach zu installieren, sodass die Gäste von ihren Zimmern aus die Bienen über ihren Köpfen auf dem Fernseher beobachten können. Neben den Hotelgästen freuen sich aber auch andere Besucher des Hotels über die Bienen. Regelmäßig kommen Kindergarten- oder Grundschulgruppen in Nordenstadt vorbei, um etwas über Bienen zu lernen.

Wolf ist sehr zufrieden mit dem Standort auf dem *Courtyard by Marriott *: „Obwohl wir im Gewerbegebiet sind, gibt es hier genügend Pflanzen in der Umgebung für die Bienen.“ Er könnte sich auch gut vorstellen, auf anderen Dächern in Wiesbaden Bienenvölker anzusiedeln. Ein Beitrag gegen das drohende Bienensterben seien die Stadtbienen jedoch nicht, erklärt Wolf: „Das betrifft ja eher die Wildbienen, die mit Dingen wie Glyphosat zu kämpfen haben.“

Das Unwetter zieht an diesem Donnerstag zum Glück vorbei, sodass Wolf in Ruhe seine Arbeit an dem neuen Bienenvolk beenden kann. Als er den Deckel schließt, hat er keinen einzigen Stich abbekommen. Alles eben ein Frage von Erfahrung und guter Bienenerziehung.

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