Einzelhändler leiden unter hohen Parkhausgebühren

Wer in Wiesbaden eine Shoppingtour macht, ist häufig auf einen Autostellplatz im Parkhaus angewiesen. Doch weil die Preise immer weiter steigen, beobachten viele Einzelhändler ein verändertes Kaufverhalten.

Einzelhändler leiden unter hohen Parkhausgebühren

Wer in Wiesbaden eine Runde durch die Innenstadt bummeln will, zahlt am Ende seines Shoppingstrips gut und gerne mal bis zu 16 Euro an Parkhausgebühren — so hoch liegt nämlich der Tageshöchstsatz bei den meisten Anbietern. Merkurist-Leser Thorsten kennt das Problem mit den hohen Preisen. In einem Snip fragt er jetzt, ob die Parkplatzsituation in der Innenstadt auch Auswirkungen auf die Umsätze in den Geschäften hat.

Geändertes Kaufverhalten

„Weil die Parkgebühren immer weiter steigen, überlegen sich viele zweimal, ob sie in die Stadt fahren.“ - Ilka Guntrum, „Wiesbaden wunderbar“

Ja, meint Ilka Guntrum. Sie ist Vorsitzende der Werbegemeinschaft „Wiesbaden wunderbar“ und kennt die Bedenken und Sorgen der rund 120 Ladeninhaber in der Innenstadt. Auch mit Kunden kommt sie häufig ins Gespräch. Und die erzählen den Händlern, dass sich ihr Einkaufsverhalten in den vergangenen Jahren geändert habe. „Weil die Parkgebühren immer weiter steigen, überlegen sich viele zweimal, ob sie in die Stadt fahren, oder lieber versandkostenfrei online bestellen“, nennt sie ein Beispiel. Und auch der Cappuccino mit Freundinnen im Straßencafé werde immer häufiger in den eigenen Garten verlegt. Zudem haben viele Kunden schon erzählt, dass sie für größere Einkäufe nach Sulzbach ins dortige Main-Taunus-Zentrum (MTZ) fahren. Die Spritkosten sind dann zwar höher, das Parkhaus dort aber kostenlos.

Für Wiesbadener hat Guntrum einen Tipp. „Das Parkhaus im RMCC ist günstiger als viele andere — und meistens sind genug Stellplätze frei.“ Doch Besucher von außerhalb, so fürchtet sie, steuern meistens die Parkhäuser an, die möglichst zentral liegen. „Das Parkleitsystem müsste besser ausgearbeitet werden. Auch könnten die Parkgebühren auf Hinweisschildern transparenter gemacht werden“, wünscht sich Guntrum. Sie weiß, dass die Stadt viele Parkhäuser an einen privaten Betreiber verpachtet hat und deshalb vor Auslaufen der Verträge keinen Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen kann (wir berichteten).

Hoffnungsträger Park & Ride

Stattdessen wünschen sich viele Einzelhändler, dass die Stadt ihre Park & Ride-Parkplätze nicht nur dem Pendler-, sondern auch dem Einkaufsverkehr anpasst. Von dieser Idee hat auch Melanie Dietz, Pressesprecherin der IHK, schon gehört. „Im Sommer 2017 haben die Unternehmer unserer Vollversammlung, dem gewählten Wirtschaftsparlament für unsere Region, dazu einen einstimmigen Beschluss gefasst und gefordert, das Parkleitsystem auf den Prüfstand zu stellen und zu optimieren.“ Konkrete Vorschläge gab es dabei auch. Etwa, dass Park & Ride-Parkplätze auf Navigationsgeräten angezeigt werden, mehr innenstadtnahe Standorte geprüft werden könnten und für den Abend mehr Beleuchtung geschaffen wird. Guntrum schlägt zudem kostenlose Shuttles vor. Sie könnten nicht nur ein finanzieller Anreiz sein, sondern auch Staus in der Innenstadt verringern.

„Das Parkhaus ist für uns ein eindeutiges Plus.“ - Anton Kroll, Luisenforum

Das Luisenforum hingegen profitiert von eigenen Parkplätzen. „Das Parkhaus ist für uns ein eindeutiges Plus“, sagt Centermanager Anton Kroll. „Wir machen unsere Preise selbst und passen sie den eigenen Betriebskosten an, an der Konkurrenz orientieren wir uns nicht“, erklärt er. So seien auch Sonderaktionen möglich. An verkaufsoffenen Sonntagen zum Beispiel parkt jeder fünfte Kunde kostenlos. „Solche Aktionen sind für viele Besucher ein klarer Anreiz, bei uns auch was zu kaufen“, zieht er ein Fazit. Er sagt aber auch: „Nicht nur Autostellplätze machen eine Innenstadt attraktiv.“ Das merke er vor allem, wenn sich potentielle neue Mieter an das Center wenden. „Auch die Sauberkeit der Fußgängerzone, die Lage und die Mitbewerber sind wichtig, um eine Innenstadt langfristig für Kunden attraktiv zu halten.“ (lp/ts)

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