Wer in Wiesbaden eine Immobilie erwerben möchte, muss dafür viele Jahre sparen. Das zeigt eine neue Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Demnach dauert es in der hessischen Landeshauptstadt im Schnitt 17 Jahre, um das für den Kauf notwendige Eigenkapital aufzubringen – also einen kleinen Teil des Kaufpreises, das Geld für die Grunderwerbsteuer und den Notar.
Laut der Studie entfallen von der gesamten Anspardauer in Wiesbaden allein 2,2 Jahre auf die Grunderwerbsteuer und knapp ein halbes Jahr auf die Notarkosten. Grundlage der Berechnung ist allerdings eine Annahme: dass ein Haushalt monatlich 20 Prozent seines verfügbaren Einkommens zurücklegt.
Betrachtet haben die Wissenschaftler dann unter anderem die Angebotspreise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser sowie die durchschnittlich verfügbaren Haushaltseinkommen in der jeweiligen Region.
Im benachbarten Mainz ist die durchschnittliche Anspardauer mit 15 Jahren etwas geringer. Ein Grund dafür ist die etwas niedrigere Grunderwerbsteuer in Rheinland-Pfalz. Während sie dort aktuell fünf Prozent beträgt, liegt sie in Hessen bei sechs Prozent.
Bundesweit große Unterschiede
Bundesweit ist die Spanne noch größer: Im Landkreis Starnberg bei München müssen Käufer fast 28 Jahre sparen, im thüringischen Kyffhäuserkreis sind es nicht einmal vier Jahre.
„Ein Teil der Hürde beim Eigentumserwerb entsteht nicht nur durch hohe Preise, sondern auch durch politisch gesetzte Erwerbsnebenkosten“, sagt Jonas Zdrzalek, Wissenschaftler am Kiel Institut. Dies sei besonders für Haushalte ohne vorhandenes Vermögen relevant, da diese Kosten sofort beim Kauf anfallen. Allein für die Grunderwerbsteuer müsse man je nach Landkreis sechs Monate bis knapp drei Jahre sparen.
Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden bleibt für viele Menschen demnach in Deutschland ein Traum, so das Fazit der Analyse. Nicht einmal jeder Zweite wohnt im Eigentum, was den niedrigsten Wert innerhalb der Europäischen Union darstellt.