DRK-Sanitäter verärgert über respektlosen Zettel am Rettungswagen

Anfang Februar ärgerte sich ein Wiesbadener so sehr über einen Rettungswagen im Einsatz, dass er die Besatzung mit einem Zettel an der Windschutzscheibe als „Hohlköpfe“ bezeichnete. Die Sanitäter ärgern sich über das respektlose Verhalten.

DRK-Sanitäter verärgert über respektlosen Zettel am Rettungswagen

Wenn der Rettungsdienst im Einsatz ist, können wenige Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Klar, dass die Fahrer des Rettungswagens im Notfall nicht noch einen freien Parkplatz suchen oder einen Parkschein ziehen können. Nicht so für einen Anwohner in Dotzheim, der am Freitag, den 7. Februar einen Zettel an die Windschutzscheibe eines Einsatzfahrzeuges geklemmt hatte.

„1 Sekunde nachgedacht und gegenüber stehengeblieben. Hohlkopf“, stand in krakeliger Schrift auf das Papier geschrieben, das die Rettungskräfte nach einem Einsatz an ihrem Fahrzeug vorfanden. Eine Botschaft, die nicht nur die Mitarbeiter des DRK Rhein-Main-Taunus fassungslos machte.

„Keiner unserer Kollegen macht das zum Spaß.“ - Denise Hattenbach, Notfallsanitäterin

„Keiner unserer Kollegen macht das zum Spaß“, betont Denise Hattenbach, Notfallsanitäterin beim DRK. Und auch sie weiß: „Natürlich ist es für den Einzelnen ärgerlich, wenn gerade er eingeparkt wird.“ Und trotzdem: „In der Stadt ist es unvermeidbar, dass wir im Einsatz unseren Rettungswagen so aufstellen, dass andere Verkehrsteilnehmer behindert werden“, sagt sie.

Ihrem Ärger über den Zettel machte Hattenbach in einem Facebook-Post auf der Seite des DRK Rhein-Main-Taunus Luft. „Wir wehren uns entschieden gegen Beleidigungen in dieser Form“, ist unter dem Foto des Zettels zu lesen. Auch die Facebook-User können es nicht fassen, kommentierten den Post mehr als 250 Mal. Der Beitrag erhielt fast 1000 Reaktionen und wurde 420 Mal geteilt.

Hemmschwelle sinkt

„Man muss unterstellen, dass eigene Interessen über dem Wohl Anderer stehen.“ - Denise Hattenbach

Hattenbach ist noch immer verärgert über den Zettel, beobachtet aber generell, dass die Hemmschwelle gegenüber Rettungskräften sinkt. „Es scheint nicht mehr so viel Überwindung zu kosten, laut zu werden oder eben so einen Zettel zu schreiben und an ein Einsatzfahrzeug zu hängen“, sagt sie. Besonders ärgerlich findet sie die Tatsache, dass solche Menschen meist ja gar nicht wüssten, wie dringend der Einsatz gerade ist. „Man muss diesen Menschen unterstellen, dass sie die eigenen Interessen über das Wohl Anderer stellen“, folgert die Rettungssanitäterin.

Auch vor körperlicher Gewalt machen einige nicht Halt. Das mussten bislang aber die wenigsten ihrer Kollegen erleben. „Allerdings wird es immer wichtiger, dass wir uns Gesprächstechniken aneignen, die potenziell kritische Situationen entschärfen können“, sagt Hattenbach. So besuchen sie und ihre Kollegen Deeskalationstrainings und werden in der Ausbildung mit kritischen Szenarien konfrontiert, die sie dann kommunikativ lösen müssen.

Mangelndes Verständnis

Hattenbach wünscht sich von Außenstehenden mehr Verständnis und Perspektivübernahme. Die allermeisten Autofahrer beispielsweise würden dies auch an den Tag legen, respektloses Verhalten würde aber immer wieder und in vielen Formen auftreten — das fange bereits mit einem Zettel am Scheibenwischer an.

„Lasst uns in den ersten Minuten unsere Arbeit machen.“ - Denise Hattenbach

Wer das nicht versteht, dem möchte Hattenbach sagen: „Wenn man um Hilfe ruft, vergehen Minuten wie Stunden. Man ist aufgeregt und weiß nicht, was man machen soll. Vor allem, wenn es um ein geliebtes Familienmitglied geht, das verletzt oder erkrankt ist. Lasst uns in den ersten Minuten unsere Arbeit machen.“ Wenn dann festgestellt wird, dass die Eile nicht so groß ist, würden die meisten Kollegen mit Sicherheit zur Seite fahren, wenn man sie darum bittet. (nl)

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