„Click & Meet ist nur der erste Schritt - mehr nicht“: Weitere Lockerungen im Einzelhandel gefordert

Seit Mittwoch dürfen die Wiesbadener Einzelhändler Shoppen nach Termin anbieten. Das ist ein erster Lichtblick, aber noch lange nicht genug, findet die Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer.

„Click & Meet ist nur der erste Schritt - mehr nicht“: Weitere Lockerungen im Einzelhandel gefordert

Termin ausmachen, Maske anziehen und ab in das Lieblingsgeschäft - seit Mittwoch (2. Juni) dürfen Wiesbadener Einzelhändler wieder Shoppen nach Termin (Click & Meet) anbieten. Einen negativen Test müssen die Wiesbadener nicht unbedingt mitbringen, die Landesregierung empfiehlt es aber. Diese Lockerung der Corona-Regeln ist eine erste Erleichterung für die gebeutelten Einzelhändler der Stadt - retten wird sie das aber nicht. Sabine Meder, Geschäftsführerin der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer (IHK) und IHK-Vizepräsident Andreas Voigtländer, der als Geschäftsführer des Wiesbadener Traditions-Hutgeschäfts „Hut Mühlenbeck“ selbst von der Krise betroffen ist, erzählen was der Handel jetzt braucht.

„Click & Meet und Click & Collect bringen den Händler:innen nur mäßige Umsätze.“ - Andreas Voigtländer, Hut Mühlenbeck

„Die Hoffnung stirbt immer zuletzt, aber vielen Händlerinnen und Händlern geht es schlecht“, sagt Andreas Voigtländer. „Click & Meet und Click & Collect bringen nur mäßige Umsätze und auch jetzt bin ich nicht allzu euphorisch.“ Er befürchtet, dass sich viele Kunden zunächst zurückhalten werden, auch wenn die Geschäfte wieder offen sind. Das sieht auch Sabine Meder. „Die Öffnungsmöglichkeiten sind ein Lichtblick für die Händler, aber die Einschränkungen führen oft dazu, dass das Geschäft nicht rentabel ist“, sagt sie. Die Kosten des Betriebs können dann schnell höher sein als die Einnahmen.

Einige Einzelhändler haben die lange Zeit mit Einschränkungen nicht überstanden. „Sie müssen nur durch die Stadt gehen, da haben Sie Einzelhändler und Gastronomen, die sind schon zu. Die haben frustriert aufgegeben, weil sie keine Chancen mehr gesehen haben“, sagt Voigtländer. Es gibt zwar keine Insolvenzwelle in Wiesbaden, aktuell stehen aber 54 Läden allein im Historischen Fünfeck leer. Voigtländer rechnet damit, dass weitere Schließungen folgen.

Einzelhandel braucht weitere Lockerungen und Unterstützung

Was muss jetzt also passieren, damit es dem Einzelhandel wieder besser geht? „Click & Meet ist nur der erste Schritt, mehr nicht“, sagt Sabine Meder. „Unsere Unternehmerinnen und Unternehmer zeigen schon lange, wie verantwortungsvolles Öffnen gehen kann, zumindest wenn es die Rahmenbedingungen zulassen.“ Auch Andreas Voigtländer hofft auf weitere Lockerungen: „Wir erhoffen uns natürlich eine Rückkehr in eine Art Normalzustand - Einkaufen ohne Termin, ohne Flächenbeschränkung, das wären entscheidende Schritte.“

Neben weiteren Lockerungen sollten auch weitere Unterstützungsprojekte an den Start gehen. „Parallel zu den Öffnungsschritten müssen wir Quickwins machen“, sagt Sabine Meder. „Maßnahmen, wie zum Beispiel Eventideen aus dem städtischen Projekt „Restart City“, sollten so schnell wie möglich in die Umsetzung kommen.“ Die Stadt will mit dem „Restart City“-Programm unter anderem eine Sympathiekampagne für die Innenstadt starten, damit wieder mehr Menschen einkaufen gehen, wie City-Manager Axel Klug erst kürzlich im Merkurist-Gespräch erklärte. Auch die IHK will mit einer Taskforce den Austausch zwischen Stadt und Einzelhändlern und Gastronomen fördern, damit die Innenstadt wieder attraktiver wird.

„Gut, dass die Sondernutzungsgebühr für Außenflächen für das ganze Jahr ausgesetzt wird. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht gewesen.“ - Sabine Meder, IHK

„Auch brauchen unsere Unternehmer weniger bürokratische Hürden“, sagt Meder. „Gut, dass die Sondernutzungsgebühr für Außenflächen für das ganze Jahr ausgesetzt wird und die Erhöhung ausbleiben soll. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht gewesen.“ Andreas Voigtländer wünscht sich eine größere Gleichbehandlung der Branchen im Bezug auf die Öffnungsmöglichkeiten. Außerdem sollte sich die Stadt im Hinblick auf Leerstände Gedanken über Zwischennutzungen machen. Eine gute Entwicklung sieht er aber auch in der Krise: „Die Städte, nicht nur Wiesbaden, scheinen zu erkennen, wie wichtig es ist, den Einzelhandel in der Stadt zu haben. Neue Allianzen sind entstanden und da sind wir auch in Wiesbaden näher zusammengerückt.“

Was neben „Click & Meet“ jetzt noch alles in Wiesbaden möglich ist, lest ihr hier:

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