Polizeigewalt: Beamter schlägt auf Mann am Boden ein

Vor der Polizeiwache in Idstein wurde ein anscheinend wehrloser Mann von mehreren Beamten niedergerungen. Sie knieten sich auf ihn, drückten ihn zu Boden und schlugen ihn mit der Faust gegen den Kopf. Zu sehen ist der Vorfall auf einem Video im Netz.

Polizeigewalt: Beamter schlägt auf Mann am Boden ein

Die Bilder sind schockierend: Auf einem Video, das derzeit auf Youtube die Runde macht, ist zu sehen, wie mehrere Beamte vor der Idsteiner Polizeiwache auf einen anscheinend wehrlosen Mann einschlagen, ihn zu Boden ringen und seinen Kopf immer wieder gewaltsam nach unten drücken. Mehrfach schlägt einer der Beamten auf den Kopf des am Boden liegenden Mannes ein und kniet sich auf ihn.

Zwar ereignete sich der Vorfall bereits im September 2020, doch erst jetzt sind die Bilder aus dem Überwachungsvideo aufgetaucht. Dort zu sehen: vier Polizeibeamte, die Gewalt gegen einen Mann anwenden. Der Mann ist der damals 38-jährige Kickboxer-Trainer Liam Conway. Er wollte seinen Vater abholen, der wegen eines Verkehrsunfalls in der Wache vorstellig wurde. So berichtete es erstmals die Frankfurter Neue Presse.

Ein Beamter drückt den Kopf des Mannes zu Boden

Auf dem etwa vierminütigen Video ist zu sehen, wie die Beamten den Mann aus der Tür führen. Es kommt noch auf der Türschwelle zu einer Auseinandersetzung mit den Polizisten. Nicht erkennbar ist, von wem diese ausging. Einer der Polizisten versucht, den Mann zu fixieren, der sich zunächst dagegen wehrt. Eine Kollegin und zwei weitere Beamte kommen ihm zuhilfe. Für eine kurze Zeit verschwinden die Personen aus dem Bildausschnitt. Dann ist zu sehen, wie die drei Polizisten den Mann zu Boden bringen. Eine Frau filmt die Szene und ruft etwas in Richtung der Beamten. Ein Beamter spricht mit ihr, woraufhin sie das Handy wieder einsteckt und aus dem Bildausschnitt verschwindet.

Einer der Beamten drückt daraufhin den Kopf des Mannes mit der Hand am Hals zu Boden. Er fixiert den Kopf am Boden, indem er ihn an der Wange weiter nach unten drückt. Gleichzeitig kniet sich sein Kollege mit vollem Gewicht auf das Bein des am Boden Liegenden, der versucht, sich aus dem Griff der Beamten zu winden. Er schreit ihnen etwas entgegen. Dann drehen die Polizisten ihn auf den Bauch, einer kniet sich auf seinen Rücken und drückt seinen Kopf weiter zu Boden.

Über zwei Minuten geht das so, dann schlägt der Polizist den Mann erst mit der Faust auf den Hinterkopf. Kurz darauf schlägt er ihn ein zweites Mal mit der flachen Hand auf den Kopf. Er kniet sich auf seinen Nacken. Die Beamten drücken seine Arme auf den Rücken. Einer legt sich auf seinen Rücken, dann gelingt es ihnen, ihn zu fesseln. Er wird weiter auf den Boden gedrückt. Eine aus dem Gebäude kommende Beamtin greift nicht ein, sondern verschwindet nach ein paar Worten wieder im Haus. Wenige Sekunden später endet das Video.

Keine Angaben von Seiten der Polizei

Die Polizei Westhessen meldete am Donnerstag auf Twitter, sie könne noch keine weiteren Angaben über den Sachverhalt machen, da das Verfahren gegen die beteiligten Beamten noch laufe. „Wir nehmen jeden Vorwurf von Fehlverhalten von Polizeibediensteten sehr ernst“, sagt Felix Paschek, der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen. Aber auch für Polizisten gelte die Unschuldsvermutung. „Die Polizei ist als Träger des staatlichen Gewaltmonopols zur Anwendung von körperlicher Gewalt berechtigt. Solche Situation sehen nie schön aus, auch wenn sie im jeweiligen Fall geboten, rechtmäßig und unvermeidlich sind“, so Paschek. Solch „schwierige und herausfordernde Momente“ gehörten zum Aufgabenprofil der Polizeibeamten.

Die Kollegen müssten zwar verstehen, dass interne Stellen und die Staatsanwaltschaft nun umfassend untersuchen. Gleichzeitig dürften sie aber auch zu Recht von der Öffentlichkeit eine objektive und nicht vorverurteilende Bewertung erwarten. Wenn das laufende Strafverfahren abgeschlossen sei, werde das Polizeipräsidium prüfen, ob Fehlverhalten vorlag, das disziplinarrechtlich zu würdigen sei.

„Solche Situation sehen nie schön aus, auch wenn sie im jeweiligen Fall geboten, rechtmäßig und unvermeidlich sind“ – Felix Paschek, Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen

Laut der F.A.Z. hieß es im Polizeibericht von damals, dass sich der Mann auf der Wache aggressiv gezeigt habe, die Beamten geschubst und versucht habe, eine Polizistin zu schlagen. Daraufhin sei der Mann nach draußen gebracht worden. Conway spricht der FNP gegenüber von grundloser Gewalt. Er habe blutige Verletzungen im Gesicht davongetragen. Die Videoaufnahmen der Überwachungskamera, die zunächst mit neuen Filmen überschrieben worden waren, konnten mit viel Aufwand wiederhergestellt werden. Eigentlich hatte ein Beamter die ausdrückliche Anweisung gehabt, die Aufnahmen nicht zu löschen. Beide Parteien haben sich gegenseitig angezeigt.

Nun will der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) den Innenausschuss des Landtags über den Vorfall informieren.

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