Salzbachtalbrücke: Wie könnte das Verkehrschaos beendet werden?

Bund, Land und Stadt arbeiten an einem Verkehrskonzept, um den Verkehr trotz der Sperrung der Salzbachtalbrücke regeln zu können. Auch die Wiesbadener haben Vorschläge dafür - von Fahrverboten über neue Buslinien bis hin zum Umbau von Straßen.

Salzbachtalbrücke: Wie könnte das Verkehrschaos beendet werden?

Egal auf welchem Weg man aktuell nach Wiesbaden kommt: die Anreise ist nicht einfach. Die gesperrte Salzbachtalbrücke sorgt nicht nur für Stau in und um Wiesbaden, sondern auch für Einschränkungen im Bahnverkehr - und ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht. Nach Auskunft der zuständigen Autobahngesellschaft werden die Sperrungen wohl über viele Wochen, wenn nicht sogar über Monate andauern. Es müssen also schnelle Lösungen her, damit der Verkehr in der nächsten Zeit auch ohne Brücke besser fließen kann. Einige Wiesbadener haben dafür bereits Ideen entwickelt.

Pop-up-Busspuren, Fahrverbot und Kostenerstattung

Nadine Ruf von der Wiesbadener SPD will, dass die Verantwortlichen jetzt auch an unkonventionelle Ideen denken. „In einer Situation solchen Ausmaßes ist aus meiner Sicht richtig, auch auf den ersten Blick unkonventionell erscheinende Ideen aufzugreifen“, sagt die Bundestagskandidatin. „Hierbei könnte beispielsweise zumindest teilweise an eine Kostenerstattung gedacht werden, damit Wiesbadener und Wiesbadenerinnen weiterhin an ihren Arbeitsplatz kommen.“ Außerdem fordert Ruf ein „notfalls zeitlich befristetes Durchfahrtsverbot“ für alle Lkw, die nicht unbedingt dort lang fahren müssen. „Somit wären Lkw gezwungen, die Stadt weiträumig zu umfahren“, sagt sie. Für die großen Fahrzeuge sei es stellenweise zu eng und durch Rangierversuche würden sie den Verkehr weiter behindern.

Außerdem müsse der Busverkehr gestärkt werden. Vor allem die Verbindungen vom Hauptbahnhof zu den Bahnhöfen Wiesbaden Ost und Mainz-Kastel müssten jetzt verschnellert werden. „Der Busverkehr darf nicht auch im Stau feststecken. Hierfür könnte über zusätzliche Busspuren nachgedacht werden, die zumindest temporär dem Verkehrsfluss dienen“.

Express-Bus auch in den Vororten

Auch die Nordenstädter Bürgerbewegung „Norschter in Bewegung“ hofft auf eine bessere Busverbindung. Schon vor der Sperrung hatte die Gruppe eine Express-Bus-Linie für die östlichen Vororte gefordert, die zwischen Mainz-Kastel, dem Ländchen und dem Flughafen pendelt. „Es macht keinen Sinn, wenn nun trotzdem alle erst zum Hauptbahnhof fahren, dort mit entsprechender Wartezeit in den Schienenersatzverkehr umsteigen, und am Ende der Ersatzstrecke erneut umsteigen und warten müssen.“, so der Vorsitzende der Wählergruppe, Philipp Jacks. Deshalb sei die Express-Linie wichtig: „Das wäre ein enormer Gewinn für die Beschäftigten und die Umwelt.“

Umbau der Mainzer Straße

Gleich mehrere Ideen bietet auch der Blog „Fließbaden“. Neben Vorschlägen, wie man den Verkehr besser regeln könnte, findet man dort auch Ideen, wie die Straßen baulich angepasst werden könnten. Einen Vorschlag hat Merkurist-Leser Michael entdeckt:

Die Idee: An der Anschlussstelle Mainzer Straße kann man aktuell nur zwei Auf- beziehungsweise Ausfahrten nutzen. „Die zwei dadurch ungenutzten Rampen eröffnen eine charmante Möglichkeit für den Busverkehr“, erklärt Autor Mathias Lück in dem Blogartikel. „Mit geringen Anpassungen ermöglichen sie eine Umfahrung der Salzbachtalbrücke, indem die Busse die Auffahrt hochfahren, die Autobahn kreuzen und direkt wieder abfahren.“ Für die Nord-Süd-Richtung müssten dafür die Leitplanken entfernt beziehungsweise verschoben werden, in der Gegenrichtung ein paar Meter asphaltiert werden, sagt Lück. Busse müssten so keine großen Umwege mehr fahren. „Freilich müsste per Schranke oder ähnlichem sichergestellt werden, dass diese Abkürzung nur von Bussen und zum Beispiel Rettungsfahrzeugen genutzt wird.“

Diese Lösung würde aber nur solange funktionieren, bis der Nordteil der Brücke wieder freigegeben wird. Auch für die Zeit danach hat Lück einen Lösungsvorschlag: „Sollte der Verkehr auf der nördlichen Brücke wieder aufgenommen werden, könnte eine Ampelanlage oder ähnliches in Betracht gezogen werden. Ein, zwei Minuten Wartezeit an der Ampel ist für Busse immer noch schneller als der Umweg über den zugestauten zweiten Ring und die Biebricher Allee.“

Bund, Land und Stadt entwickeln Verkehrskonzept

Ob Teile dieser Vorschläge umgesetzt werden könnten, wird sich wohl in den nächsten Tagen zeigen. „Vor dem Hintergrund der Sperrung der Salzbachtalbrücke wird aktuell ein Verkehrskonzept für die Individualverkehre erarbeitet“, teilt die Autobahn GmbH mit. Dafür sind Akteure von Bund, Land und Stadt in Gesprächen. Auch ESWE Verkehr ist involviert. „Ein Fokus liegt auf der Verbindung von Schienenersatzverkehren mit den lokalen Stadtverkehren“, sagt ESWE Verkehr-Sprecher Christian Giesen.

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