So sieht das Jagdschloss Platte von innen aus

Herzoglicher Wohnsitz, ausgebrannte Ruine, Eventlocation: Das„Jagschloss Platte“ kennen viele Wiesbadener. Wir haben beim Tag der offenen Tür einmal hinter die Kulissen geguckt.

So sieht das Jagdschloss Platte von innen aus

Mit dem Fahrrad, dem Auto oder zu Fuß: Die „Platte“ gilt als beliebtes Ausflugsziel. Während das umliegende Gelände und die Gastronomie gerade im Sommer gut besucht sind, ist das Jagdschloss selbst meist nur während Veranstaltungen und Events geöffnet. Am Wochenende boten erfahrene Wiesbadener Stadtführer Führungen für Besucher an und erzählten von der Geschichte des Gebäudes.

Von der Platea zur Platte

„Im 18. Jahrhundert gab es einen Tierpark mit weißen Hirschen.“ - Michael Lindner

Der Name „Platte“ stammt vom lateinischen Wort „Platea“ , was soviel wie „Straße” bedeutet. Tatsächlich liegt das Jadgschloss an einem alten Verkehrsweg, der unter anderem Limburg, Mainz und Wiesbaden miteinander verband. „Im 18. Jahrhundert war das Gelände fürstliches Jagdrevier und es gab einen Tierpark mit weißen Hirschen, die aus Ungarn importiert wurden. 1756 wurden dann das Forsthaus und der Jagdpavillon erbaut“, erklärt Michael Lindner bei einer Führung.

1823 bis 1826 entstand das eigentliche Jagdschloss im Auftrag von Herzog Wilhelm von Nassau. „Es sollte im Stil eines strengen, einfachen Klassizismus erbaut werden, edel und schlicht“, erzählt Lindner. Das Jagdschloss, das der Herzogsfamilie als Herbstwohnsitz diente, lockte zahlreiche adlige Besucher an. „Das Herzogtum Nassau war eigentlich eher klein und arm, aber auf die Platte kam auch die High Society“, lacht Lindner. Auch unter Ansässigen war ein Ausflug zur Platte Mode und solange der Herzog abwesend war, stand das Schloss Bürgern und Kurgästen offen.

Zerstörung und Wiederaufbau

1945, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, wurde das Jagdschloss von einer britischen Stabbombe getroffen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. „Nach dem Krieg war ein Wiederaufbau politisch nicht gewollt, die Stadt Wiesbaden hatte andere Sorgen“, erklärt Lindner. Erst in den späten Achtzigerjahren setzte sich eine Bürgerinitiative für das Jagdschloss ein. „Es gab gespendete Piccoloflaschen für zwei D-Mark, die überall auslagen, um Geld zu sammeln“, erinnert sich Lindner.

Das Jagdschloss in seiner alten Gestalt wiederherzustellen, habe die Denkmalpflege abgelehnt: „Das sollte kein Abklatsch werden, sondern die Zerstörung mit modernem Denken verbinden.“ Das Glasdach in Form einer umgedrehten Pyramide, das das Schloss seit 2003 überspannt, war eine Idee des Wiesbadener Architekten Hans-Peter Gresser. „Über die Pläne wurde viel diskutiert und ich war selbst ein bisschen skeptisch, aber heute bin ich begeistert“, erzählt Lindner. „Man kann genau erkennen, wie es früher einmal war, der Architekt hat viele Details berücksichtigt.“

Schauen, wie Herzogs wohnten

„Bevor man zum Herzog durfte, musste man sich erst anmelden.“ -Michael Lindner

Wo das Jagdschloss früher 64 abgeteilte Zimmer beherbergte, herrscht heute helle Offenheit.
Das Obergeschoss war in zwei Bereiche für Herzog und Herzogin aufgeteilt. „Beide gleich groß und gleich angeordnet. In Nassau war man liberal“, erklärt Lindner. Ganz ohne Prunk lief ein Besuch trotzdem nicht ab: „Bevor man zum Herzog durfte, musste man sich erst anmelden“, erzählt Lindner während er den Besuchern zeigt, wo die beiden Vorzimmer und der Salon lagen. „Danach hieß es warten. So war eine Audienz gleich viel wichtiger und zudem bekam niemand den Eindruck, der Herzog würde nicht arbeiten.“

Das zweite Obergeschoss, wo der Herzog seine Gäste beherbergte, wurde nicht wiederaufgebaut. Stattdessen führt ein Steg über den hellen Luftraum unter dem Glasdach. Auf dem Weg von dort bis nach unten im Keller, wo früher Vorräte gekühlt würden, finden sich zahlreiche Spuren von Alt und Neu, Zerstörung und Wiederaufbau, die teils deutlich herausgearbeitet, teils dezent auf die Geschichte des Schlosses verweisen.

Kindheitserinnerungen

„In den 1960er-Jahren war ich zum Rodeln hier.“ - Besucher Gerd

Besucher Gerd kennt das Schloss noch als Ruine: „In den 1960er-Jahren war ich als Kind zum Spazierengehen und Rodeln hier.“ Er und seine Frau Heidi haben die Umbauarbeiten in der Presse verfolgt und immer wieder Ausflüge zur Platte unternommen. Im Schloss selbst waren sie seit der Renovierung aber nicht. „Ich habe das heute zum ersten Mal gesehen und bin überrascht, wie toll und schön das geworden ist.“ Auch Heidi ist begeistert: „Ich habe mir das ganz anders vorgestellt. Die Transparenz, das Gefühl von Weite, das ist so schön.“

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