So sah Wiesbaden mit Straßenbahn aus

Noch bis vor 66 Jahren fuhren Straßenbahnen durch Wiesbaden – und zwar mit ganz unterschiedlichen Antrieben. Alte Bilder, Postkarten und Gemälde zeigen, wie die Stadt damals aussah.

So sah Wiesbaden mit Straßenbahn aus

Heute vor einem Jahr entschieden die Wiesbadener, dass sie keine Straßenbahnen in ihrer Stadt haben wollen. In einem Bürgerentscheid stimmte die Mehrheit gegen den Bau der Citybahn. Teil der Zukunft der Stadt wird die Straßenbahn also nicht sein – dafür ist sie aber Teil der Vergangenheit. Denn bis 1955 fuhren Straßenbahnen durch Wiesbaden.

Alles begann mit Pferden

Am 16. August 1875 begann die Geschichte der Straßenbahn in Wiesbaden mit der ersten Pferdebahn. Sie fuhr zunächst von den ehemaligen Bahnhöfen an der Rheinstraße über die Wilhelmstraße, den Kochbrunnen und die Taunusstraße bis ins Nerotal. Später wurde die Strecke verlängert und um eine weitere Pferdebahnlinie erweitert, die von der Rheinstraße durch die Kirch- und Langgasse zum Kochbrunnen und bis zur Röderstraße fuhr.

Einige Jahre später, am 18. Mai 1889, begann dann die erste Fahrt der Dampf-Straßenbahn durch Wiesbaden. Sie fuhr vom Rheinufer in Biebrich bis ins Nerotal und teilte sich die Straßen mit den zwei von Pferden gezogenen Bahnen.

Dampfbahn hielt sich nicht lange

Ihre Antriebsart machte die Dampfbahn allerdings unattraktiv und unbeliebt bei den Wiesbadenern. Aus alten Zeitungsartikeln geht hervor, dass schon am ersten Tag nach der Eröffnung der Bahn zwei Wagenpferde in der Wilhelmstraße vor ihr gescheut hätten, sodass ein Reiter von seinem Pferd abgeworfen worden sei. Andere Wiesbadener und Gäste der Stadt störten sich an dem lauten Gebimmel bis in die Nacht und dem Dampf, der bis in die Hotelzimmer gezogen sei und die Luftqualität verschlechtert habe. Dementsprechend hielt sich die Bahn nicht lange. Anfang der 1900er Jahre wurde sie ebenso wie die Pferdebahnen vollständig von den elektrischen Straßenbahnen abgelöst.

Elektrische Bahn fuhr auf 42 Kilometer langem Netz

Die erste elektrische Bahn fuhr schon im Mai 1896 zwischen den Bahnhöfen an der Rheinstraße und der Brauerei Walkmühle. Auch an sie mussten sich die Wiesbadener erst einmal gewöhnen. Weil einige Bewohner der Stadt die Oberleitungen als Wäscheleinen nutzten, gab die Polizei schon kurz nach der ersten Fahrt eine Verordnung heraus. Darin stand unter anderem, dass das „Behängen der Quer- und Stromleitungsdrähte mit irgendwelchen Gegenständen“, sowie das „Befassen der elektrischen Leitungen“ verboten ist. In den Folgejahren etablierte sich die Bahn immer mehr. Neben weiten Teilen der Innenstadt wurden auch die Vororte erschlossen, sodass sie schließlich auf einem 42 Kilometer langem Netz und mit 9 Linien unter anderem auch durch Sonnenberg, Schierstein, Biebrich, Erbenheim und zum Hauptbahnhof fuhr. In Biebrich gab es einen Anschluss in Richtung Amöneburg, Kastel und Mainz.

Die beiden Kriege läuteten dann allerdings langsam das Ende der Straßenbahn in Wiesbaden ein. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu Unstimmigkeiten zwischen der Stadt und der für die Bahnen verantwortlichen Süddeutschen Eisenbahn Gesellschaft (SEG), weil sie die Modernisierung der Bahn vernachlässigte. Die Stadt wollte die Straßenbahn übernehmen, konnte sich aber nicht mit der SEG einigen und entschied sich deshalb, die ersten Busse einzusetzen. Das Straßenbahnnetz schrumpfte immer weiter und fuhr Verluste ein, sodass die letzten übriggebliebenen Linien 1943 an die Städte Mainz und Wiesbaden übergingen.

Der Zweite Weltkrieg und die hohen Sanierungskosten durch die entstandenen Schäden, bedeuteten dann das endgültige Aus der Bahn. Am 30. April 1955 fuhr die letzte Straßenbahn durch Wiesbaden – von der Hauptpost bis zum Rathenauplatz in Biebrich und dann ein letztes Mal in ihr Depot zurück.

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