So sah das Alte Kurhaus aus

Bevor das Kurhaus wie wir es heute kennen in Wiesbaden gebaut wurde, gab es bereits ein anderes an gleicher Stelle. Wie es aussah und welche Geschichte dahintersteckt, lest ihr hier.

So sah das Alte Kurhaus aus

Das Kurhaus, das die Wiesbadener heute kennen, ist nicht das erste der Stadt. An gleicher Stelle wurde bereits 1810 das tatsächlich aller erste Kurhaus eröffnet. Persönlich gesehen hat es wohl kein lebender Wiesbadener, denn es wurde bereits 1904 abgerissen und durch das Neue ersetzt. Wir zeigen euch, wie das Alte Kurhaus aussah und erzählen euch seine Geschichte.

Christian Zais entwarf das Alte Kurhaus

Das Glücksspiel war schon Anfang der 1800er Jahre ein großes Thema in Wiesbaden. Dafür sollte ein Kurhaus her. Der Architekt Christian Zais, der später noch viele weitere Gebäude und einen ganzen Bebauungsplan für Wiesbaden entwarf, wurde schließlich damit beauftragt, das neue „Gesellschaftshaus“ zu planen. Er entwarf einen klassizistischen Bau mit einem mittigen Säulenportikus und seitlichen Säulengängen:

Nach der Eröffnung folgten einige Jahre, in denen sich das Kurhaus und seine Umgebung weiterentwickelten. Die heutige Wilhelmstraße wurde gebaut, um das Haus gut zugänglich zu machen. Hinter dem Kurhaus wurde ein Garten mit Weiher angelegt und als jährlich immer mehr Kurgäste kamen, wurde die Kurhauskolonnade gebaut, in der Läden für die Gäste untergebracht wurden. Auch das Haus selbst wurde immer wieder erweitert. Einer der berühmtesten Gäste war Johann Wolfgang von Goethe, der 1814 in einem Buch darüber schrieb: „Dem Freunde der Baukunst wird der große Cursaal sowie die neu angelegten Straßen Vergnügen und Muster gewähren.“ Die Planer nannte er talentiert. Auch der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski war ein prominenter Gast. Er besuchte die Spielbank im Kurhaus und soll beim Roulettespielen zu seinem Roman „Der Spieler“ inspiriert worden sein.

Das Kurhaus wurde schließlich so beliebt, dass der Platz nicht mehr ausreichte. Weil man außerdem bauliche Mängel an dem Gebäude festgestellt hatte, entschied sich die Stadt, ein neues Kurhaus bauen zu lassen und das alte abzureißen. Friedrich von Thiersch, der durch den Bau des Münchener Justizpalastes und seinen Entwurf für den Berliner Reichstag berühmt geworden war, sollte den Neubau an gleicher Stelle 1902 planen. Fünf Jahre später wurde das neue Kurhaus in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Nachdem es gegen Ende des Zweiten Weltkriegs einem Fliegerangriff zum Opfer fiel, wurde es ab 1983 restauriert und zu dem Kurhaus, wie wir es heute kennen.

Erinnerung an das Alte Kurhaus

An das Alte Kurhaus von 1810 erinnert heute nicht mehr viel. Aber: Am Rande des Nizzaplätzchens neben dem Kurhaus stehen zwei große Portikus-Sandsteinsäulen. Sie gehörten zum Mittelbau des alten Kurhauses.

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