Ein Wiesbadener Rapper, der die Welt erobert

Kelvyn Colt — das Raptalent aus Wiesbaden, macht Hiphop nach seinen eigenen Regeln, setzt sich für Minderheiten ein und ist aus der internationalen Szene nicht mehr wegzudenken. Deutschland braucht noch ein bisschen zur vollständigen Akzeptanz.

Ein Wiesbadener Rapper, der die Welt erobert

Geboren in Fulda, aufgewachsen im Wiesbadener Westend, als Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers, schickt seine Karriere den Rapper Kelvyn Kolt heute um die Welt. Angesprochen auf seine Heimat sagt er in einem Interview mit dem YouTube-Format Germania: „Ich habe eine Heimat in Wiesbaden, in Bingen am Rhein, in London, LA und Paris. Wie Du Dein zu Hause definierst, hängt von Deiner Perspektive ab. Heute wohne ich auf der ganzen Welt.“

Bereits in jungen Jahren erkennt er seine Liebe zu Worten und schreibt Gedichte, die sich später zu Songtexten entwickeln. Dadurch wird ihm schnell klar, dass er dem Wunsch seines Vaters nicht nachkommen wird. Dieser hatte für seinen Sohn ein Jura-BWL-Studium vorgesehen. Im Alter von 19 Jahren packt Kelvyn alles zusammen und geht nach London. Hier studiert er Unternehmertum, „alibimäßig“ , wie er es nennt, das sei er seinen Eltern damals schuldig gewesen. Er hält sich mit Nebenjobs über Wasser und tüftelt nebenbei an seiner Karriere. Das Studium und auch die Nebenjobs kommen seinem Business trotz anfänglicher Skepsis heute zu Gute.

London calling

Aber warum ist der Musiker ins Ausland gegangen? „Ich bin nach London, weil mich hier keiner Ernst genommen hat. Von den Medien wurde ich ignoriert, weil ich englischsprachige Musik gemacht habe“, sagt Colt in einem Interview mit dem Online-Magazin HipHop.de. Sätze wie „Was ist das für ein Wannabe Chris Brown? Rappe doch mal auf Deutsch“, musste er sich zu seiner Zeit in Deutschland immer wieder anhören. „Ich wollte irgendwo hin, wo die Leute merken, die Lyrics sind krass, wie die Musik produziert ist, dass das alles besonders ist. Ich glaube, wenn sich hier in Deutschland jemand richtig Zeit genommen hätte für das was ich tue, hätte der oder die das auch verstanden, aber diese Chance habe ich gar nicht bekommen“, erklärt der Künstler.

Colt ist sich ebenfalls sicher, dass er es nicht so weit gebracht hätte, wenn er in seiner hessischen Heimat geblieben wäre. „Hierzulande achten viele zuerst auf das, was anderswo auf der Welt passiert, anstatt das Talent, das es hier schon gibt, zu entdecken. Wenn etwas gut ist, ist es gut. Cool zu sein bedeutet, seinem Gefühl zu vertrauen und etwas zu machen, was sonst niemand tut“, so Colt in dem Video-Interview.

Ein wandelndes Paradoxon

Kelvyn ist ein Rapper, der keine Klischees bedient und in keine Schublade passt. Ein Deutscher, der nicht auf Deutsch rappt, entgegen des typischen Gangster-Images setzt er in seiner Musik nicht auf Geld, frauenfeindliche Texte und Bling-Bling, sondern möchte mit seiner Musik für mehr Positivität, Inklusivität und Liebe stehen. Colt, der aufgrund seiner hier lebenden Familie noch oft in die Landeshauptstadt kommt, sieht den Ursprung seiner Vielseitigkeit und Offenheit in seiner Jugend, die er in Wiesbaden verbracht hat.

Zeiten der Diskriminierung

Aufgrund seiner Hautfarbe hat er oft zu spüren bekommen, was Rassismus bedeutet, wie er im Germania-Interview erzählt. „In Deutschland wurde mir immer zugetragen, dass ich schwarz bin. Nach meinem Abiball wurde ich als Einziger aus meinem Jahrgang nicht in den Club reingelassen. Als ich mit 14 mit meinem Dad zum ersten Mal nach Nigerien bin, war ich dann zum ersten Mal der Weiße, als ich dann gesagt habe ich bin Deutscher: „Oh Hitler“. Idioten gibt es überall, die dich auf irgendetwas reduzieren“, erzählt Colt. „Es hat auf jeden Fall zur aktiven Selbstfindung beigetragen, weil ich realisiert habe, ok, ich bin weder das ganz, noch bin ich das zu hundert Prozent“, erzählt er im Video. „Ok, ich muss für mich selbst empfinden und bestimmen was ich bin und wer ich bin — nicht das, was andere auf einen projizieren.“

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