Im Tarifkonflikt des hessischen Einzel- und Versandhandels ruft die Gewerkschaft ver.di für diesen Samstag (18. Juli) zu hessenweiten Streiks auf. Wie die Gewerkschaft am Freitag mitteilt, haben die Arbeitgeberverbände zuvor bundesweit alle Verhandlungstermine bis Mitte August abgesagt.
Zuvor waren die Verhandlungen in Hessen am 6. Juli und in Baden-Württemberg am 8. Juli ohne Einigung geblieben. „Die im Einzel- und Versandhandel tätigen Menschen und deren Familien benötigen angesichts der hohen Lebenshaltungskosten schnell mehr Lohn und Gehalt, um mit dem verfügbaren Haushaltseinkommen über die Runden zu kommen“, sagt Marcel Schäuble, ver.di-Verhandlungsführer für den Handel in Hessen.
Die Beschäftigten protestieren mit der Arbeitsniederlegung am Samstag gegen die Absagen. Regionale Aktionen sind unter anderem in Kassel, Wiesbaden und Frankfurt sowie in Südhessen geplant.
Angebot laut ver.di „skandalös“
Die Gewerkschaft kritisiert das vorliegende Angebot der Arbeitgeber als „weit unter der Inflation“. Zudem sei beabsichtigt, die untersten Entgeltgruppen tariflich unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns anzusiedeln. „Übertragen auf Hessen, wo der Einzel- und Versandhandel zuletzt 5% Umsatzzuwachs erzielte, ist das schlichtweg skandalös“, so Schäuble.
Ver.di fordert für die Beschäftigten 250 Euro mehr Lohn und Gehalt sowie 150 Euro mehr für Auszubildende. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.
Die Arbeitgeberseite stellt die Situation anders dar. Auch die vierte Verhandlungsrunde sei ohne Ergebnis geblieben, obwohl man ein verbessertes Angebot vorgelegt habe. Dieses sehe eine Entgelterhöhung von 2,4 Prozent im ersten und 2,0 Prozent im zweiten Tarifjahr vor, bei einer Laufzeit von 24 Monaten. „Dieses Angebot bewegt sich an der Leistungsgrenze vieler Unternehmen im hessischen Handel. Mehr ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht darstellbar“, erklärt Nico Lehm, Vorsitzender der Tarifkommission der Arbeitgeber.