So lief der Fastnachtsumzug in Wiesbaden

Zum 70. Mal zog am Sonntag der Fastnachtsumzug durch die Wiesbadener Innenstadt. Trotz Nieselregens feierten wieder tausende Narren den Höhepunkt der fünften Jahreszeit.

So lief der Fastnachtsumzug in Wiesbaden

Frei nach dem diesjährigen Motto „Es ist wirklich geglückt, Wiesbaden immer noch verrückt“, wurde die Fünfte Jahreszeit am Sonntag – trotz zwischenzeitlich leichtem Nieselregen – ausgiebig gefeiert. Um Punkt 13:11 Uhr setzte sich der Fastnachtszug am Elsässer Platz in Bewegung.

Besonders die politischen Wagen und Messages sind interessant. Brexit, Merkel und Trump lassen sich bestimmt gut darstellen.“ - Besucherin des Umzugs

Johanna Browman (41) ist Wiesbadenerin und als Krümelmonster verkleidet. Gemeinsam mit Mann, Kindern und einer befreundeten Familie aus Belgien besucht sie den Umzug regelmäßig seit 2009 „Wir kommen jedes Jahr, weil die Stimmung auf dem Wiesbadener Faschingsumzug schön und entspannt ist. Besonders die politischen Wagen und Messages sind interessant. Brexit, Merkel und Trump lassen sich bestimmt gut darstellen.“

Auch die ESWE ist mit vollem Einsatz dabei. Marcus Hölzl (44) ist bei der mobilen Einsatzleitung der ESWE Verkehr: „Wir sind mit dem Fahrzeug unterwegs und sorgen dafür, dass der Verkehr aufrecht erhalten wird. Seit zehn Uhr sind wir heute unterwegs und bleiben in der Innenstadt, bis sich alles wieder aufgelöst hat.“ Im vergangenen Jahr verlief der Umzug allerdings nicht so friedlich. „Es gab am Ende Schlägereien. Der Alkoholkonsum hat in den letzten Jahren zugenommen, besonders durch kleine Fläschchen“, sagt Hölzl. Er hofft in diesem Jahr auf eine friedliche Straßenfastnacht.

Einsatzkräfte sorgen für sicheres Feiern

„An bestimmten Tagen wie Fastnachtssonntag oder Silvester arbeiten wir besonders sorgfältig, um die Sicherheit zu unterstützen.“ - Polizist

Auch die Polizei ist diesen Sonntag weit über den Umzug hinaus vor Ort. „Wir beginnen bereits Tage vorher mit der Planung, sind heute voraussichtlich bis 22 oder 23 Uhr im Einsatz und sorgen dafür, dass alle Besucher gut nach Hause kommen“, beschreibt ein junger Polizist den Einsatz. „An bestimmten Tagen wie Fastnachtssonntag oder Silvester arbeiten wir besonders sorgfältig, um die Sicherheit zu unterstützen“, erklärt seine junge Kollegin. Insgesamt zieht die Wiesbadener Polizei bis 18:45 Uhr eine friedliche Bilanz ohne größere Vorkommnisse.

Der Umzug ist schön – das Feiern danach mau

Was Egon (76) und Annabel (69) S. aus Taunusstein nach dem Umzug machen, wissen sie noch nicht. „Bisher sind wir jedes Jahr mit unseren Freunden nach dem Umzug ins Paulaner tanzen gegangen, doch die haben zu.“ Dennoch hat das Ehepaar immer wieder Spaß, denn „in Wiesbaden gibt es immer sowohl tolle Motivwagen als auch genügend Platz.“ Ebenfalls eine junge Frauengruppe, die als Teufel kostümiert ist, besucht den Umzug wegen der guten Stimmung, aber auch, weil sie ihrer Heimatstadt treu bleiben wollen. „Anschließend gehen wir jedoch nach Mainz, denn dort ist abends einfach mehr los.“

Politik zeigt sich an Motivwägen und Besuchern

Zwischen den vielen bunten Süßigkeiten fallen vor allem die politischen Wagen auf. Ralph Schülers „Wurfbude“ stellt verschiedene Kommunalpolitiker dar, die von ihm mit Dreck beworfen werden. Auch die Affäre des Verteidigungsministeriums um die explodierenden Kosten des sanierungsbedürftigen Segelschulschiffs „Gorch Fock“ wird aufgegriffen. Doch nicht nur die Wägen sind politisch, auch die Besucher äußern sich entsprechend, beispielsweise im Trump-Kostüm.

Begleitet wird das närrische Spektakel von insgesamt neun Sprecherstellen, die über den ganzen Umzug verteilt sind. Einer davon befindet sich ungefähr in der Mitte der Strecke, am Kurhaus, unter der Leitung von Joe Mauer (61), Ehrensitzungspräsident bei den „Sonnenberger Käuzcher“, sowie Hermann Preißig (65), Vizepräsident der „Sonnenberger Käuzcher“. „Die Sprecherstellen sind von Fastnachtern aus den Wiesbadener Fastnachtsvereinen unter Leitung der Dacho (Dachorganisation Wiesbadener-Karneval 1950 e.V.) besetzt. Wir moderieren Gruppen, Wägen, Musik, Politik und Prominenz.“

Kurz nach dem Ende des Zuges beginnt auch schon die Plaunung für das kommende Jahr. Harald Müller, Zugmarschall bei der Dacho, befasst sich fast das ganze Jahr über mit der Fünften Jahreszeit: „Die Aufgabe des Zugmarschalls ist die Vorplanung, Koordination und Durchführung, zusammen mit dem Zugausschuss und Helferteam sowie dem Dacho Vorstand. Bereits vier Wochen nach dem letzten Umzug beginnt die Organisation, Planung, Beantragung mit allen Behörden und Ämtern.“ (nl/lp)

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