Kamine: Schornsteinfeger warnen vor gravierenden Folgen

Gestiegene Preise für Gas und Strom haben viele Menschen dazu gebracht, auf Kaminöfen umzusteigen. Doch das kann Folgen haben, warnen Schornsteinfeger.

Kamine: Schornsteinfeger warnen vor gravierenden Folgen

Wer an kalten Abenden durch die Straßen spaziert, dem fällt vielleicht ein Geruch nach Rauch auf, den es in den Vorjahren so nicht gab. Der Grund liegt wahrscheinlich in den Häusern. Denn die Nachfrage nach Kaminöfen ist in diesem Jahr angesichts der hohen Energiepreise enorm in die Höhe geschossen.

60 bis 75 Prozent mehr Beratungsanfragen haben die deutschen Schornsteinfeger in diesem Jahr zu bearbeiten als in den Jahren davor, ist beim Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks zu erfahren. Vielerorts waren die Öfen bereits im Herbst ausverkauft, viele griffen dann bei günstigen Angeboten im Internet zu. Auch in der Rhein-Main-Region seien die Beratungsanfragen gestiegen, sie haben sich mindestens verdoppelt, vielleicht sogar verdreifacht, schätzt Bernd Becker aus dem Vorstand der Schornsteinfegerinnung Rhein-Main. „Da geht es vor allem um Fragen, ob man überhaupt einen Kamin bei sich einbauen darf oder was bei Kaminen zu beachten ist“, erklärt Becker. Auch die Zahl der eingebauten Kamine sei gestiegen, um 10 bis 20 Prozent, wie Becker vermutet.

Wer einen Kamin oder Kachelofen betreibt, muss seinen Schornstein öfter kehren lassen. Bei einer ganzjährig regelmäßig benutzten Feuerstätte sind etwa vier Kehrtermine im Jahr vorgesehen, bei einer mehr als gelegentlich genutzten Feuerstätte zwei. Das geht schnell ins Geld, doch seinen Kamin nicht von einem Schornsteinfeger abnehmen zu lassen, ist wenig empfehlenswert: „Wer einen Kamin betreibt, der nicht abgenommen wurde, begeht eine Straftat“, erklärt Becker. Den Betroffenen droht in dem Fall nicht nur ein Heizverbot, sondern auch der Versicherungsschutz erlischt. „Wenn es zu einem Brand kommt, ist man selbst für den Schaden verantwortlich.“

Heizen mit Holz setzt Luftschadstoffe frei

So gemütlich das Sitzen vor dem prasselnden Feuer im eigenen Wohnzimmer ist, es kann Folgen für die Luftqualität haben. Beim Verbrennung von Holz werden immer Luftschadstoffe freigesetzt, darunter Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide, Ruß und Staub. Sind die Räume klein und die Fenster gut abgedichtet, kann es sogar innerhalb der Wohnung zu einer erhöhten Konzentration der Schadstoffe kommen.

Verantwortlich für eine starke Rauch- und Rußentwicklung sei oft Holz, das noch zu nass ist. „Wer feuchtes Holz verbrennt, verursacht mehr Emissionen und Ablagerungen in seinem Schornstein“, so Andreas Walburg vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Abgelagerter Ruß könne zudem Feuer fangen und verhindern, dass Abgase aus dem Ofen vollständig abziehen können. Dann bestehe akute Gesundheitsgefahr für die Bewohner.

Meist werden die Feuerstellen nur selten betrieben

Wichtig sei daher auch, das Verbindungsstück zwischen Ofen und Schornstein regelmäßig zu reinigen, denn hier sammeln sich Verbrennungsrückstände an. Diese können sich entzünden und seien dann nur schwer zu löschen. „Ein Schornsteinbrand ist eigentlich ein Rußbrand, der häufig unbemerkt entsteht und sich weiter ausbreitet. Erst wenn Funken und Flammen aus dem Schornstein schlagen, wird ein solcher Brand entdeckt – oft von den Nachbarn“, erklärt Walburg.

Anders als im Ländlichen sei in städtischen Ballungsgebieten wie dem Rhein-Main-Gebiet jedoch die Luftverschmutzung, die von Kaminen ausgehe, nicht das Problem, meint Becker. „Die meisten Feuerstellen werden tatsächlich nur selten betrieben, außerdem würden die Feinstaubvorschriften immer strenger, die erlaubten Werte immer weiter heruntergesetzt, Verbrennungsprozesse und Filter mehr kontrolliert. Einige Menschen, so habe er die Erfahrung gemacht, hätten sich einen Kamin zwar zugelegt, doch noch originalverpackt im Keller stehen – angeschafft für den Notfall, etwa einer Gasmangellage.

Prinzipiell dürfen Öfen, die vor 1985 installiert worden sind, in der bisherigen Form gar nicht mehr betrieben werden. Das schreibt die Bundes-Imissionsschutzverordnung (BImSchV) vor. Öfen, die bis 1994 hergestellt worden sind, müssen ersetzt oder mit Feinstaubabscheidern nachgerüstet werden. Ab nächstem Jahr gilt das sogar für Öfen, die bis 2010 hergestellt wurden.

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