Hund als Weihnachtsgeschenk? Das sagt das Wiesbadener Tierheim

Eine Bilanz nach den Feiertagen

Hund als Weihnachtsgeschenk? Das sagt das Wiesbadener Tierheim

Den Liebsten eine Freude bereiten – darum geht es vielen Menschen an Weihnachten. Der ein oder andere ist auch schon auf die Idee gekommen, ein Haustier zu verschenken. Nicht selten hört man, dass viele von ihnen nach den Feiertagen (wieder) im Tierheim landen. Wurden in diesem Jahr auch in Wiesbaden Hunde, Katzen und Wellensittiche verschenkt und danach im Tierheim abgegeben?

Keine Vermittlung vor Weihnachten

Nach den Feiertagen zieht die Vorsitzende des Tierheims Nadine Bernardy Bilanz: Außer einem einzigen Kaninchen sei in den letzten Jahren kein Tier nach Weihnachten zurück ins Tierheim gegeben worden. „Bei den Leuten erkennt man ein Umdenken.“ Außerdem achte das Tierheim bei jeder Vermittlung darauf, dass sich das Tier und sein neuer Besitzer zunächst kennenlernen, bevor es bei ihm einzieht. „Man kann nicht für jemand anderen ein Tier kaufen, da ist ja auch viel Emotionales dabei“, sagt Bernardy. Deshalb vermittelt das Tierheim zwei Wochen vor Weihnachten bis Silvester in der Regel keine Tiere. Damit wolle man vermeiden, dass die Tiere an den Feiertagen verschenkt werden.

„Man muss aber auch sagen, dass der Markt gerade gesättigt ist. In der Corona-Zeit wurden sehr viele Tiere vermittelt“, berichtet die Tierheimleiterin. Weihnachten stehe somit dieses Jahr im Hintergrund. Bereits 2020 hatte der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V. berichtet: „Die Corona-Krise und die damit verbundene vermehrte Zeit zu Hause durch Homeoffice oder Kurzarbeit hat die Nachfrage nach Heimtieren in die Höhe schnellen lassen.“ 2020 und Anfang 2021 ist auch in Wiesbaden der Bestand an gemeldeten Hunden gestiegen (wir haben berichtet). Einige Wiesbadener hatten befürchtet, dass viele der vermittelten Tiere nach dem Ende des Lockdowns wieder ans Tierheim zurückgegeben würden.

„Ein häufiger Wechsel des Umfeldes ist das Fatalste, das man einem jungen Hund antun kann“, sagt die Tierheimleiterin. Man nehme ihm damit Halt, Vertrauen in den Menschen und seine Rudel-Zugehörigkeit. Ähnlich verhalte es sich bei Katzen – bei ihnen sei es dann ein Problem, den Menschen zu akzeptieren.

Corona-Phänomen: Illegale Tiertransporte

Das Wiesbadener Tierheim kann inzwischen auch hier Bilanz ziehen: In diesem Jahr habe es zwar ein bis zwei Corona-bedingte Rückgaben gegeben. „Das ist aber nicht die Masse“, so Bernardy. Trotzdem vermisse die Tierheimleiterin „ein bisschen die Mentalität bei den Menschen“. Auch wenn sich die Lebensumstände ändern, gebe es immer eine Möglichkeit, das Tier zu behalten. Deshalb bietet das Wiesbadener Tierheim auch bei bereits vermittelten Tieren und ihren Besitzern Hilfestellung an.

„Was durch Corona auch zugenommen hat, sind illegale Tiertransporte“, erklärt Bernardy. Dass meist reinrassige Tiere aus dem Ausland nach Deutschland transportiert und hier teuer verkauft werden, sei ein Corona-Phänomen. Diese Hunde werden oft nicht aufgrund ihrer Persönlichkeit, sondern aufgrund ihres Aussehens gekauft. Im Alltag könne das dann zu Problemen zwischen Tier und Mensch führen, weil sie nicht zueinander passen. „Manche stellen es sich einfach vor, und es scheitert dann an der Umsetzung“, sagt die Tierheimleiterin. Einige der Tiere von illegalen Transporten landen dann im Wiesbadener Tierheim.

Achtsame Wiesbadener

Illegale Tiertransporte ziehen also Folgen nach sich. „Man muss aber auch sagen, dass die Wiesbadener da sehr achtsam sind“, sagt Bernardy. Eine Frau zum Beispiel habe während der Corona-Zeit einen Hund beim Züchter kaufen wollen. Da ihr dort jedoch alles etwas suspekt vorkam, habe sie das Ordnungsamt und das Veterinäramt eingeschaltet statt einen Hund zu kaufen. So konnte ein illegaler Züchter entlarvt werden.

Ihr möchtet das Tierheim Wiesbaden unterstützen? Hier könnt ihr euch informieren.

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