Warum die Reinigung des Rathausteppichs 30.000 Euro kostet

Der historische Teppich im Festsaal des Rathauses muss restauriert werden. Billig wird das nicht, doch die Stadt investiert nach dem aktuellen Haushaltsplan nicht nur in repräsentative Stücke.

Warum die Reinigung des Rathausteppichs 30.000 Euro kostet

Von Austauschschülern aus Wiesbadens Partnerstädten bis zum Bundespräsidenten: In der hessischen Landeshauptstadt wurden schon einige Besucher — und auch Bürger — bei feierlichen Anlässen im Festsaal des Rathauses empfangen. Und dort liegt ihnen ein ganz besonderer Teppich zu Füßen.

Historisches Stück

Das historische Stück blickt auf eine lange Geschichte zurück: Er war ursprünglich ein Geschenk an den letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II., zu seiner Hochzeit mit Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg im Jahre 1881. Die Gönnerin war dabei keine geringere als die damalige englische Königin und Kaiserin von Indien Victoria.

Nicht zuletzt deshalb musste der Teppich im Laufe seiner Geschichte immer wieder versteckt und geschützt werden. Während des Zweiten Weltkrieges etwa musste er auf der Burg Hohenzollern in Württemberg aufbewahrt werden. 1954 fand er schließlich den Weg nach Wiesbaden: Die Stadt erwarb ihn als besonderes Schmuckstück für den Vorzeigeraum.

Doch „der Teppich des Festsaals ist stark beschädigt und kann in dem Zustand nicht weiterverwendet werden“, heißt es jetzt aus dem Rathaus. Um ihn zu erhalten ist eine Restaurierung notwendig. Und die wird nicht billig.

Schließlich ist das historische Stück mehr als 8 Meter lang und fast 7,6 Meter breit. Insgesamt schafft er es auf eine Fläche von fast 62 Quadratmetern — und auf ein Gewicht von rund 250 Kilogramm. Unter Experten gilt er zudem als ein „Paradebeispiel indischer Teppichknüpfkunst aus der Zeit um 1860“, wie sich über das Stück lesen lässt. In der aktuellen Haushaltsplanung, die der Stadtkämmerer Axel Imholz jetzt in einer Sitzung im Rathaus vorgestellt hat, sind deshalb 30.000 Euro für die Erhaltung des Teppichs eingeplant.

Nicht die einzige Investition

Doch das Schmuckstück ist nicht der einzige Kostenpunkt für die Stadt, der in der Haushaltsplanung vorgestellt wurde. In die Wiesbadener Schulen investiert die Stadt in den kommenden beiden Jahren knapp über 17 Millionen Euro allein nur für Neu- und Erweiterungsbauten. Hinzu kommen unter anderem noch Kosten für den laufenden Schulbetrieb, für Schülerangelegenheiten und die Verwaltung. So ergibt sich ein Gesamtbudget von fast 93 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021. Aber auch in Zuschüsse für Busfahrkarten, den Ausbau von WLAN in Schulen und Personalkosten für zum Beispiel Sekretariate investiert die Stadt.

Auch die Fasanerie kann sich in den kommenden zwei Jahren über eine Finanzspritze der Stadt freuen. Weil das naturpädagogische Angebot des Tierparks immer mehr von den Wiesbadenern angenommen wird, stehen bis 2021 rund 40.000 Euro für den Ausbau des Programms zur Verfügung. Außerdem soll ein zusätzlicher Naturpädagoge eingestellt werden. Und auch in den Ausbau von Straßen und Radwegen steckt die Stadt Geld. So stehen zum Beispiel für das Projekt „Radwegeprogramm Plus“ in den kommenden fünf Jahren 14,5 Millionen Euro zur Verfügung — das macht 2,9 Millionen Euro pro Jahr. (nl)

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