„Kriegserklärung an das Westend“: Ärger um Neubaugebiet

Direkt an der Stadtgrenze zu Wiesbaden plant die Stadt Taunusstein ein neues Wohngebiet für 1300 Menschen. Die Grünen des Westends fürchten, dass es dadurch zu einem massiven Anstieg des Pendlerverkehrs kommen könnte.

„Kriegserklärung an das Westend“: Ärger um Neubaugebiet

Wohnungen für 1300 Menschen, 500 neue Jobs, zahlreiche neue Einkaufsmöglichkeiten und alles nur wenige Kilometer von der Wiesbadener Innenstadt entfernt: Das alles soll das geplante Wohngebiet „Hahn-Süd“ in Wiesbadens Nachbarstadt Taunusstein in einigen Jahren bieten. Was für manche eine sinnvolle Investition zu sein scheint, um die akute Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet zu lindern, erntet im Wiesbadener Westend harsche Kritik.

2000 zusätzliche Fahrten

Für die Fraktion der Grünen im Wiesbadener Westend stellt das Neubaugebiet sogar eine „Kriegserklärung“ gegen ihren Stadtteil dar, wie es in einem aktuellen Antrag aus dem Ortsbeirat heißt. Die größte Sorge der Grünen ist, dass durch die vielen Neubürger der Pendlerverkehr in ihrem Stadtteil deutlich steigen könnte: „Das Vorhaben würde dazu führen, dass täglich 2000 zusätzliche Fahrten durch das Westend erfolgen“, heißt es in dem Antrag.

Die Annahme der Fraktion bestätigt auch das Wiesbadener Verkehrs- und Umweltdezernat. Das geht davon aus, dass es durch die Lage des Neubaugebiets an der B54 zu deutlich mehr Durchgangsverkehr in Wiesbaden kommen könnte. So werde es Pendlern leicht gemacht, durch Wiesbaden durchzufahren, während die Umgehungen über die B260 und A3 um die Stadt herum unattraktiver seien.

Höhere Belastung befürchtet das Dezernat fast im gesamten Westend, wie dem Dürerplatz, dem ersten und zweiten Ring, der Schwalbacher Straße oder der Emser Straße. „Das Baugebiet Hahn-Süd konterkariert somit die Anstrengungen der Landeshauptstadt Wiesbaden und meines Dezernats, insbesondere Durchgangsverkehre zu reduzieren bzw. zumindest schrittweise von innen nach außen zu verlagern“, heißt es von Verkehrsdezernent Andreas Kowol.

Da neben Wohnungen auch neues Gewerbe in Hahn-Süd gebaut werden soll, befürchtet Kowol, dass auch mit einem Zuwachs des Lasterverkehrs in Wiesbaden zu rechnen ist. Zwar soll die geplante Citybahn einen Großteil des Autoverkehrs aus Taunusstein ersetzen, durch die enorme Größe des Neubauprojekts könne die Bahn dies aber nicht auffangen. „Ungünstig wirkt sich dabei aus, dass Hahn-Süd nicht direkt an der Citybahn-Trasse platziert werden soll, sondern weiter westlich“, merkt Kowol an.

Lösungsvorschläge

Um dem entgegenzusteuern, schlagen die Grünen aus dem Westend daher weitreichende Maßnahmen vor. In ihrem Antrag fordern sie „Pförtnerampeln vor den Stadteinfahrten, zusätzliche Blitzanlagen, ein Lkw-Durchfahrtsverbot sowie Tempo 30 auf dem Ersten und Zweiten Ring.“

Ob und wann diese Vorschläge durchgeführt werden, steht aktuell noch nicht fest. Zumindest in Bezug auf die Ampelsteuerung, hat die Stadt Wiesbaden schon Maßnahmen in Planung. Wie schon Anfang des Jahres beschlossen, soll eine digitale Ampelsteuerung den Verkehr aus der Innenstadt heraus halten. Die Zahl der Autos, die dadurch täglich am Dürerplatz in die Innenstadt einfahren, könne so jedoch nicht reduziert werden, heißt es vom Dezernat. (ms)

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