Produkte aus dem Knast

Wisst Ihr immer, wie und wo die Produkte, die Ihr einkauft, hergestellt wurden? Wer sich für Artikel des Online-Shops „Haftwerk“ entscheidet, kennt die Antwort: Sie stammen aus einem hessischen Gefängnis.

Produkte aus dem Knast

Die Tage im Gefängnis sind lang, die Zellen klein. Sport kann eine Ablenkung sein. In der Wiesbadener JVA finden Insassen aber auch Arbeit als Schlosser, Tischler, Elektriker, Schreiner oder Bäcker. Nicht nur zum Zeitvertreib werden hier berufliche Maßnahmen angeboten. Mit diesen Angeboten soll Häftlingen später der Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtert werden. Diese Arbeit nimmt — auch in anderen hessischen Justizvollzugsanstalten — einen besonderen Stellenwert ein. Neben dem Erwerb von beruflichen Qualifikationen bekommen Inhaftierte so auch einen geregelten Tagesablauf, auch das bereitet sie auf die Zeit nach der Haft vor.

Unternehmen können sogar Teilbereiche ihrer Fertigung an ein oder mehrere Gefängnisse auslagern. 103 Betriebe machen davon in Hessen bereits Gebrauch. In Wiesbaden gibt es eine Schlosserei, eine Tischlerei, einen Unternehmensbetrieb für Lagerlogistik und eine Bäckerei. Doch nicht nur Unternehmen aus der freien Wirtschaft und die Häftlinge profitieren von diesen Einrichtungen. Auch Privatpersonen können Produkte aus dem Gefängnis bekommen.

Eigener Gefängnis-Shop

Unter dem Namen Haftwerk werden diese Produkte frei verkauft. Nicht etwa in einem Laden in oder an der JVA, sondern zeitgemäß in einem eigenen ebay-Shop. Seit Anfang Dezember 2016 ist dieser online, die dort angebotenen Produkte stammen aus verschiedenen Kategorien.

So gibt es beispielsweise mehrere Taschen zu kaufen, die aus Kaffeesäcken gefertigt wurden. Auch diverse Tiffany-Produkte, Deko-Stücke aus Holz oder Yogakissen stehen zur Auswahl. Kleinere Kosmetiktäschchen und Schlüsselanhänger werden ebenfalls angeboten. Unter den Waren sind aber auch außergewöhnlichere Produkte, wie zum Beispiel Trinkhörner, die in einem Ständer aus Holz stehen. Die Materialien dafür werden entweder eingekauft, oder stammen — zum Beispiel bei Holzprodukten — aus gefällten Bäumen des JVA-Geländes.

Einen mit der freien Wirtschaft vergleichbaren Lohn bekommen die Häftlinge für ihre verkauften Produkte nicht. Trotzdem werden sie für ihre Arbeit auch bezahlt, allerdings weit unter dem Mindestlohn. Für Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann geht es aber auch darum, den Produzenten Anerkennung für ihre Arbeit zu geben und gleichzeitig auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. Das eingenommene Geld fließt wieder in den Haftbetrieb. Davon können beispielsweise neue Materialien angeschafft werden, die dann später wieder zu Produkten verarbeitet werden. (js)

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