Das sind die sechs höchsten Gebäude in Wiesbaden

Eine Skyline aus Wolkenkratzern hat Wiesbaden nicht. Dennoch stechen einige Bauwerke durch ihre Höhe besonders hervor — und überragen zum Teil sogar den großen Turm der Marktkirche.

Das sind die sechs höchsten Gebäude in  Wiesbaden

Viele, die nach Wiesbaden kommen, wollen hoch hinaus. Vor allem bei Touristen sind hohe Aussichtspunkte — etwa auf dem Neroberg — beliebt, um die ganze Stadt auf einen Blick vor sich zu haben. In Touristenführern und auch auf vielen Homepages, von der Stadt oder in den Medien, gibt es deshalb viele Hinweise auf die Wiesbadener Marktkirche. Sie gilt bei vielen als höchstes Gebäude der Stadt. Wer Glück hat und einen Platz bei einer Führung auf den Turm bekommt, hat einen guten Überblick über das historische Fünfeck.

Doch Merkurist-Leser Jens kennt die Stadt wie seine Westentasche. In einem Video erklärt er, dass es in Wiesbaden noch höhere „Bauwerke“ gibt, und meint damit auch Sendevorrichtungen oder Antennen auf Dächern. Weil viele dieser hohe Bauten aber nicht öffentlich zugänglich sind, oder nicht besichtigt werden können, fallen sie bei Stadtführern oft unter den Tisch.

„Die Marktkirche ist weiterhin das höchste Gebäude der Stadt, ein Sendemast gilt nicht als Gebäude“, erklärt ein Sprecher von Wiesbaden Marketing. Doch betrachtet man nicht nur die begehbaren Gebäude, sondern die Bauwerke insgesamt, ergibt sich tatsächlich ein neues Ranking.

Ringkirche

Von der Rheinstraße aus hat man einen direkten Blick auf die beiden Türme der Ringkirche. Sie ragen je 65 Meter in die Höhe und das seit ziemlich genau 125 Jahren. In diesem Herbst feiert das Gotteshaus von Baumeister Johannes Otzen nämlich Jubiläum. Nach nur zwei Jahren Bauzeit feierte am Reformationstag, dem 31. Oktober 1894, die ganze Stadt die Einweihung der großen evangelischen Kirche.

Neufert-Türme

Auf dem Gelände der Zementfabrik „Dyckerhoff“ stehen ebenfalls gleich zwei hohe Türme. Sie wurden vom Architekten Ernst Neufert entworfen und sind reine Zweckbauten: Im Innern der rund 80 Meter hohen Bauwerke befinden sich Wärmetauscher. Sie nutzen die Abwärme der Drehöfen auf dem Gelände, um gemahlenes Rohmaterial aus dem Steinbruch zu erhitzen. So entstehen unter Zugabe von verschiedenen weiteren Materialien verschiedene Zementqualitäten — und zwar bei einer Temperatur von rund 1450 Grad Celsius. Gebaut wurden die Türme in den späten 1960er Jahren, inzwischen ist nur noch einer von ihnen in Betrieb.

Zircon Tower

Als höchstes Hochhaus war vielen Wiesbadenern bis zu seinem Abriss das R+V-Haus am Kureck bekannt. 2016 haben Bagger begonnen, die 19 Stockwerke abzutragen und Platz für das „neue Kureck“ mit Büros, einem Hotel und Wohnungen zu schaffen. Mit einer Etage weniger schafft es jetzt der Zircon Tower am Gustav-Stresemann-Ring auf Platz Eins der höchsten Bürogebäude in der Landeshauptstadt. Das Gebäude selbst ragt 70 Meter in die Höhe. Eine Antenne auf dem Dach erweitert es auf 86,7 Meter. Dabei handelt es sich auch hier um eine Sendeanlage: Der Hessische Rundfunk (HR) hat die Antenne installiert, um verschiedene Radiosender in Wiesbaden übertragen zu können.

Marktkirche

Mit 88 Metern Höhe schafft es der Westturm der neugothischen Marktkirche schließlich auf Platz Drei der höchsten Bauwerke in der Stadt. Neben ihm hält das Gotteshaus noch zwei Chortürme mit je 73 Metern Höhe und zwei 58 Meter hohe Seitentürme bereit. Neben der Größe galt zur Entstehungszeit zwischen 1853 und 1862 übrigens auch das Baumaterial als eine Besonderheit: Nach dem Vorbild von Kirchen aus Berlin und Norddeutschland hat Architekt Carl Boos den damals größten Backsteinbau des Herzogtums Nassau entstehen lassen.

Kamin im Kalle-Albert-Park

Etwa 32 Meter weiter schafft es ein Schornstein im Industriepark Kalle-Albert im Stadtteil Biebrich. Er kommt auf eine Gesamthöhe von 120 Metern. Der Bau steht direkt auf dem rund 96 Hektar großen Gelände und ist somit nicht öffentlich zugänglich. Die knapp 5600 Mitarbeiter der ansässigen Industriefirmen kennen ihn aber nur zu gut. Genutzt wird das Bauwerk als Kamin, denn rund um ihn herum werden verschiedenste Produkte wie etwa Kunstharze, Spezialklebstoffe, Elektronikmaterialien und sogar Wursthüllen produziert.

Sendemast Kastel

Der weiß-rote Sendemast im Stadtteil Mainz-Kastel ist nicht nur in Wiesbaden schon von Weitem zu sehen. Auch die Mainzer haben einen Blick auf das Bauwerk, wenn sie am Rheinufer sitzen. Dabei sind es auch gerade die Mainzer, die von der Konstruktion profitieren. Die große Antenne ermöglicht nämlich dem Regionalsender SWR, in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt sein Programm senden zu können. Dafür wurde der Mast 1984 mit einer Höhe von 156 Metern aufgestellt. Seitdem ist er sogar gewachsen und kommt seit 2013 auf stolze 170 Meter. (ts)

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